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	<title>puls. &#187; Ethik</title>
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	<description>News-Magazin des FB Medizin der Goethe-Uni</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Apr 2020 20:25:04 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Rechtsmedizin (Teil 2): Forschung, Ethik, und unabhängige Sachverständige für die Justiz</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Apr 2014 07:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
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		<description><![CDATA[(2. Teil des Interviews mit Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, dem Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Goethe-Universität) puls.: „Herr Prof. Dr. Verhoff, wie sieht die Zusammenarbeit mit der Polizei oder Gerichten im Alltag aus?“ M. V.: „Die Grundannahme ist, &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/rechtsmedizin-teil-2-forschung-ethik-und-unabhaengige-sachverstaendige-fuer-die-justiz">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>(2. Teil des Interviews mit Prof. Dr. Marcel A. Verhoff, dem Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Goethe-Universität)</em></p>
<p><strong>puls.: „Herr Prof. Dr. Verhoff, wie sieht die Zusammenarbeit mit der Polizei oder Gerichten im Alltag aus?“<br />
</strong>M. V.: „Die Grundannahme ist, dass wir in einem hoch industrialisierten Land leben, in dem es z. B. an Universitäten Spezialisten verschiedenster Fachrichtungen gibt. Für die Aufklärung von Straftaten oder in Zivilverfahren können Gerichte dort Sachverständige finden, die bei der Aufklärung der jeweiligen Fragen helfen. Die Sachverständigen werden für ihre Tätigkeiten bei der Justiz finanziell entschädigt. Es war ursprünglich niemals vorgesehen, dass ein Sachverständiger durch diese Tätigkeit seinen Lebensunterhalt verdient, oder eine ganze Einrichtung, wie z.B. ein Institut für Rechtsmedizin von diesen Entschädigungen finanziert werden soll. Der Sachverständige muss nach dem Gesetz neutral sein. D.h. es muss ihm egal sein können, ob der Auftraggeber mit dem Ergebnis seines Gutachtens einverstanden ist, oder ob er überhaupt als Sachverständiger hinzugezogen wird. Die Entwicklungen der letzten Jahre könnten meines Erachtens die Unabhängigkeit der Sachverständigen gefährden.&#8221;</p>
<p><strong>puls.: „Wann wird die Rechtsmedizin eingeschaltet?“<br />
</strong>M. V.: „Ein Beispiel: Ein Selbstmord durch Kopfschuss.<br />
Die Polizei findet am Tatort den Toten, die Waffe und einen Abschiedsbrief. Die Wohnungstür war geschlossen mit von innen steckendem Schlüssel, da die Wohnung im 6. Stock liegt, war ein Einsteigen durch das Fenster nicht möglich.<br />
Alle Spuren passen zueinander, das Selbstmord-Szenario glaubwürdig.<br />
Dann wird die Staatsanwaltschaft sehr wahrscheinlich keine gerichtsmedizinische Untersuchung anordnen.<br />
Gibt es aber Zweifel an der Todesursache „Selbstmord“, muss die Staatsanwaltschaft eine gerichtliche Leichenöffnung anordnen. Bei erheblichen Verdachtsmomenten wird die Rechtsmedizin sofort an den Tatort gerufen, um frühzeitig mögliche Spuren zu sichern – dafür sind in Frankfurt ständig zwei Ärzte in Bereitschaft.<br />
Die schnelle Kommunikation mit der Polizei ist also sehr wichtig.&#8221;</p>
<p><strong>puls.: „Wie sehen die Zuständigkeiten für die rechtsmedizinischen Gutachter aus?“</strong><br />
M. V.: „Die rechtsmedizinischen Institute in Deutschland haben die Zuständigkeiten unter sich aufgeteilt, um eine unnötige Konkurrenzsituation auszuschließen. Natürlich steht es einem Richter frei, in speziellen Fällen Gutachter aus weiterer Entfernung zu berufen.<br />
Die Ermittlungsbehörden müssen heute allerdings viele Leistungen europaweit ausschreiben und dann den günstigsten Anbieter nehmen. Solche gerichtsmedizinischen Leistungen unterliegen einer Qualitätssicherung durch eine Akkreditierung. Privatwirtschaftliche Institutionen picken sich die Rosinen aus der Tätigkeit heraus. Außerdem schöpfen sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht alle Möglichkeiten so aus, wie eine Universität das kann, sondern beschränken sich eher auf Standardverfahren.<br />
Wir haben z.B. immer wieder Fälle, in denen Polizisten uns sichergestellte Spuren bringen, die von einer anderen, nicht rechtsmedizinischen Institution schon ergebnislos untersucht worden sind. Die Polizisten bitten uns dann um die nochmalige Analyse, weil sie sicher sind, dass Spuren zu finden sein müssen. Da haben wir als universitäres Institut dann oft noch mehr Möglichkeiten, zeitaufwändige oder ungewöhnlichere, moderne aber kostenintensivere Methoden einzusetzen und dann doch noch zu einem Resultat zu kommen. Es wäre also vielleicht sinnvoller, gleich nicht das preiswerteste, sondern das beste Institut zu beauftragen. Aber wenn bei einem durch einen Billiganbieter bearbeiteten Fall nichts herauskommt, und es werden keine weiteren Untersuchungen veranlasst, hat man ja Geld gespart – ggf. auf Kosten der Rechtssicherheit.</p>
<p>Allerdings wird von uns zunehmend verlangt, kostendeckend arbeiten.<br />
Eine Leichenöffnung kostete bis vor kurzem 500,00 €, jetzt sind es 1000,00 €. Dabei liegen die tatsächlichen Kosten bei 1200,00 € oder noch darüber.<br />
Die Gutachtertätigkeiten werden zwar stundenweise vergütet, aber nicht kostendeckend.<br />
Früher war es üblich, dass ein rechtsmedizinisches Institut seine Sockelfinanzierung hatte und über die Serviceleistungen zusätzliche Einnahmen erhielt.</p>
<p>Mittlerweile muss immer mehr Geld über die Gutachtertätigkeit erwirtschaftet werden.<br />
Wenn wir in die Situation kommen, finanziell von der Justiz abhängig zu sein, kann das die Unabhängigkeit der Gutachter gefährden.<br />
Das halte ich für eine sehr gefährliche Entwicklung!“</p>
<p><strong>puls.: „Wie sehen rechtsmedizinische Forschungsarbeiten aus?“<br />
</strong>M. V.: „Rechtsmediziner müssen als Sachverständige Aussagen vor Gericht so treffen, dass sie juristisch verwertbar sind.<br />
Es reicht nicht aus, zu sagen, dass Alkohol die Fahrtüchtigkeit herabsetzt. Stattdessen müssen wir benennen können, mit einem wie hohen Anteil an Alkohol im Blut die Fahrtüchtigkeit in welchem Ausmaß verringert wird.<br />
Genauso müssen wir auch für andere Substanzen –Drogen, Medikamente, u. ä. &#8211; angeben können, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie welche Wirkungen hervorrufen.<br />
Einige Fragen können wir experimentell beantworten: Etwa, wie hoch der Alkoholgehalt einer Speise nach dem Flambieren noch ist.<br />
In manchen Fällen können wir durch Vergleiche mit Tieren zu tragfähigen Aussagen kommen, in anderen Fällen helfen uns digitale Modelle weiter.<br />
Beide Methoden sind aber nur eingeschränkt übertragbar auf Menschen.</p>
<p>Da geplante Experimente mit illegalen Drogen oder Verletzungen an Menschen natürlich weder rechtlich noch ethisch eine Option darstellen, müssen wir alle einzelnen Fallstudien, die vorkommen, gut dokumentieren und publizieren. Solche Einzelberichte werden von vielen medizinischen Fachbereichen aber kaum als Forschungsarbeit gewürdigt. In Kliniken etwa hat man meistens eine größere Anzahl von Patienten für Studien. Dadurch wird unsere Forschungstätigkeit manchmal falsch eingeschätzt.“</p>
<p><strong>puls.:&#8221;In der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Deutschland menschenverachtende Experimente durchgeführt. Darf die Rechtsmedizin oder die Medizin im Allgemeinen diese Erkenntnisse nutzen?“<br />
</strong>M. V.: „ Die Versuche waren furchtbar. Aber sie haben Resultate gebracht.<br />
Seitens der Rechtsmedizin haben wir beispielsweise bei einer interdisziplinären Tagung in Lübeck im Jahre 2002 diskutiert, ob wir die Ergebnisse aus diesen menschenverachtenden Versuchen zum Wohle der heutigen Menschen nutzen dürfen. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir diese Resultate nutzen dürfen. Sonst würden die Opfer zweimal sterben.</p>
<p>Die ethische Diskussion, wozu Wissenschaft in der Lage ist, wenn Politik sie dazu treibt, ist hochaktuell.<br />
Im Nationalsozialismus wurde diese und andere menschenverachtende Forschung gefördert und gefordert! Man muss sich dieser ethischen Probleme bewusst sein, gerade unter dem ökonomischen Druck.<br />
Darum sehe ich die derzeitige starke Konzentration auf die Drittmittelforschung recht kritisch. Damit ist die Wissenschaft abhängig vom Mainstream.<br />
Jeder Wissenschaftler muss selbst nach dem ethischen Hintergrund fragen und sein eigenes Handel kritisch reflektieren!</p>
<p>Vor einiger Zeit gab es in einem Krankenhaus einen Vorfall, dass ein Arzt an Patienten ohne deren Kenntnis und Einwilligung neue Medikamente erprobt hatte. Als das bekannt wurde, wurde der verantwortliche Arzt als Versuchsleiter dafür verurteilt. Aber dann kam noch heraus, dass im Rahmen dieses unrechtmäßigen Experiments vier Doktorarbeiten bereits erfolgreich beendet waren und offensichtlich die Promotionskommission und zwei Gutachter unbemerkt passiert hatten. Die Doktoranden sagten, dass sie sich auf ihren Doktorvater verlassen haben. Die Gutachter und die Kommissionsmitglieder stellten sich auf den Standpunkt, dass es nicht ihre Aufgabe sei, den ethischen Hintergrund einer Arbeit zu bewerten und entschieden, dass zukünftig alle Promotionsvorhaben vor Beginn der Ethikkommission vorgelegt werden sollen.<br />
Das kann nicht richtig sein &#8211; jeder Wissenschaftler muss selbst nach dem ethischen Hintergrund seines Handelns fragen!<br />
Es gibt bei uns momentan einen Trend, alles von Ethik-Kommissionen beurteilen zu lassen. Damit gibt ein Wissenschaftler aber die Eigenverantwortung auf! Die Verantwortlichkeit wird an eine Institution verschoben. Ich meine, dass jeder Forscher den Anspruch haben sollte, sich den Frage nach der Ethik des eigenen Handelns zu stellen und seinen Horizont diesbezüglich ständig zu erweitern.“</p>
<p>puls. dankt Herrn Prof. Dr. Verhoff für das spannende Interview!</p>
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		<title>Rechtsmedizin (Teil 1): Dienst am Lebenden und am Toten</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Apr 2014 07:00:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rechtsmediziner sind mittlerweile mediale Helden: Die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta von Patricia Cornwell Die forensische Anthropologin „Bones“ Temperance Brennan von Kathy Reichs. Ulrich Mühe als Gerichtsmediziner Dr. Robert Kolmaar in „Der letzte Zeuge“. Auch im beliebten „Tatort“ werden sie immer häufiger &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/rechtsmedizin-teil-1-dienst-am-lebenden-und-am-toten">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Rechtsmediziner sind mittlerweile mediale Helden:<br />
Die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta von Patricia Cornwell<br />
Die forensische Anthropologin „Bones“ Temperance Brennan von Kathy Reichs.<br />
Ulrich Mühe als Gerichtsmediziner <a title="Arte: Der letzte Zeuge" href="http://www.arte.tv/de/ulrich-muehe/1573634,CmC=1576708.html" target="_blank">Dr. Robert Kolmaar in „Der letzte Zeuge“</a>.<br />
Auch im beliebten „Tatort“ werden sie immer häufiger zu tragenden Säulen der Handlung. Von dem skurril-genialen Prof. Börne mit Slapstick-Einlagen bis zu ernsthafteren Figuren jeglichen Gemüts im grünen Kittel.</p>
<p>Aber wie sieht der Alltag in einem universitären Institut für Rechtsmedizin aus?<br />
<strong>Prof. Dr. Marcel A. Verhoff ist seit Oktober 2013 der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Goethe-Universität</strong>, sein Spezialgebiet ist die forensische Osteologie.<br />
Im puls.-Interview und gibt er einen spannenden Einblick in die Arbeit der Rechtsmedizin.</p>
<p><strong>puls.: „Herr Prof. Dr. Verhoff, was sind die Aufgaben der Rechtsmedizin in unserer Zeit?“</strong><br />
M. V.: „Die meisten Menschen denken bei „Rechtsmedizin“ zuerst an die Obduktion von Verstorbenen.<br />
Das ist nur teilweise richtig.<br />
Zunächst sollte man dazu die Aufgabenbereiche der „Pathologie“ und der „Rechtsmedizin“ sorgfältig abgrenzen:<br />
Die Pathologie untersucht mittlerweile überwiegend Gewebe-Proben, die Anzahl der Sektionen ist hier bedauerlicherweise deutlich zurückgegangen. Dabei wäre dies sehr wichtig für die Überprüfung von Diagnostik und Therapie, also für die Qualitätssicherung in der Patientenversorgung. Allerdings müssen die Angehörigen des verstorbenen einer Sektion zustimmen und daran scheitert es dann oft. Immer wieder hört man aus dem klinischen Alltag, dass die behandelnden Ärzte des verstorbenen Patienten die Angehörigen gar nicht erst befragen, um so der Obduktion von vorneherein aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Die Rechtsmedizin setzt sich vielmehr mit Fragen der Justiz auseinander – dabei geht es um den Nachweis möglicher Gesetzesverstöße, mögliche krimineller Handlungen oder mögliche Gewaltopfer. Die Rechtsmediziner haben als sogenannte Sachverständige im Verfahren eine neutrale Position. Ob jemand eine kriminelle Handlung begangen hat oder ein Gewaltopfer geworden ist, kommt erst im Verlauf der Untersuchung heraus!<br />
Wenn ein Anfangsverdacht besteht, können wir im Auftrag der Ermittlungsbehörden tätig werden.<br />
Bei lebenden Menschen geht z.B. es um die Bereiche Häusliche Gewalt, Doping, Versicherungsbetrug, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch, Verkehrsdelikte oder ärztliche Behandlungsfehler.<br />
Wenn ein Arzt bei der regulären Leichenschau die Todesart nicht ganz zweifelsfrei als natürlich feststellen kann, muss er die Polizei informieren. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob die Gerichtsmedizin eingeschaltet wird.<br />
Die Rechtsmedizin besteht grundsätzlich aus den drei Bereichen Medizin/Morphologie, Toxikologie und der DNA-Analyse.<br />
Als Institut einer Universität sind für uns natürlich Lehre und Forschung wichtige Aufgaben, daneben stehen die Serviceleistungen – unsere Expertise für die Justiz.“<span id="more-9967"></span><!--more--></p>
<p><strong>puls.: „Welche Auswirkungen hat die Medienpräsenz auf die Lehre in der Rechtsmedizin? Wer ist Ihr persönlicher Favorit der Medien-Rechtsmediziner?“</strong><br />
M. V.: „Zu meinem Amtsantritt wurde eine Pressekonferenz einberufen – das hat mich schon ein wenig überrascht. Dieses Interesse ist positiv, denn wir Rechtsmediziner sind darauf angewiesen, dass uns die Öffentlichkeit wahrnimmt.<br />
Früher war unsere Disziplin eher im Hintergrund, das hat sich durch die Medienaktivitäten geändert.<br />
Die Medienpräsenz, vor allem die TV-Serien, haben einerseits zu einem sehr positiven Bild des Rechtsmediziners nach außen geführt und andererseits ein positives Bild eine starken Rechtsstaats vermittelt: „Wir finden alles ´raus“.<br />
Mein persönlicher Favorit war der verstorbene Ulrich Mühe in der Reihe „Der letzte Zeuge“.<br />
Etwa um die Jahrtausendwende sollten zahlreiche Rechtsmedizinische Institute geschlossen werden. Durch die Präsenz unserer Themen in der Öffentlichkeit konnte das weitgehend abgewendet werden. Letztlich geschlossen wurden nur die Institute in Marburg und Aachen.<br />
Allerdings sind die Stellen, vor allem die Lehrstühle, massiv zusammengestrichen worden. Das bedeutet z.B., dass heute in Instituten mit ehemals drei Professuren nur noch eine übrig geblieben ist. Oder ein außerplanmäßiger Professor (Apl. Prof.) leitet ein Institut zunächst kommissarisch und später offiziell und das Institut verfügt über keinen Lehrstuhl mehr. Das hat natürlich massive negative Auswirkungen auf die Forschung und Lehre.“ Da die rechtsmedizinische Lehre meist aus Gewohnheit und Überzeugung in hoher Qualität und Umfang aufrechterhalten wird, leidet die Forschung am meisten.&#8221;</p>
<p><strong>puls.: „Hat die Medienpräsenz auch direkte Auswirkungen auf die Lehre und die Akzeptanz unter den Studierenden für das Fach?“</strong><br />
M. V.: „Die Studierenden sind heute viel frühzeitiger und besser über das Berufsfeld informiert.<br />
Ich habe das Studium Anfang der 1990-er Jahre begonnen und dieses Fach erst nach dem Physikum „entdeckt“. Regulär kommt man damit erst im 9. oder 10. Semester in Berührung. Für meine Famulatur in der Rechtsmedizin habe ich damals bis nach Kiel gehen müssen, das war noch gar an nicht in jeder Fakultät möglich. Für unser Institut ist mir darum sehr wichtig, dass wir das Praktikum „Berufsfelderkundung“, Famulaturen, das Wahltertial im „Praktischen Jahr“ (PJ) und Promotionen anbieten.“<br />
Um die Studierenden frühzeitig im Studium anzusprechen, biete ich begleitend zum Anatomie-Kurs die freiwillige Teilnahme an einer Sektion an.<br />
Außerdem halte ich im klinischen Studienabschnitt einen Kurs als Wahlpflichtfach in meinem Spezialgebiet, der Forensischen Anthropologie, da geht es vor allem um Osteologie und Bildidentifikation.“</p>
<p><strong>puls.: „Was ist Forensische Osteologie und Bildidentifikation?“</strong><br />
M. V.: „In der forensischen Osteologie geht es u. a. um Knochenfunde. Einzelne Knochen, Skelettteile oder ganze Skelette, die der Polizei gemeldet worden sind, müssen analysiert werden. Zuerst geht es natürlich darum, ob es überhaupt menschliche Knochen sind. Dann geht es um weitere Aussagen zu Alter, Liegedauer, Geschlechtsbestimmung oder Verletzungen – wir tragen alle Fakten zusammen.&#8221;</p>
<p>Bei der forensischen Bildidentifikation geht es um die Bildauswertung im Kontext der juristischen Verfolgung von Straftaten oder Vergehen. Wir werten etwa Photos aus, die bei Geschwindigkeitsübertretungen aufgenommen worden sind. Oder die Aufnahmen von Überwachungskameras während eines Banküberfalls. Das Abbild des Gesichts kann je nach Winkel der Aufnahme und Kameraabstand ganz schön variabel sein. Damit Bilder aber als Beweismittel vor Gericht Bestand haben, müssen wir sie mit möglichst geringem Restzweifel zuordnen. Durch verschiedene relative Maße in einem Gesicht – etwa die Relation von Höhe und Breite oder die relativen Abstände von Mund, Nase, Augen und Ohren – können wir belastbare Aussagen machen. Dann kann man verschiedene Bilder miteinander korrelieren oder ein Bild sicher einer Person zuordnen.“</p>
<p><strong>puls.: „Sie hatten in verschiedenen Interviews moniert, dass Morde unentdeckt bleiben könnten. Kommt das oft vor?“</strong><br />
M. V.: „Das wissen wir natürlich letztendlich nicht, aber es gab da schon einige Fälle, in denen Morde einfach übersehen worden waren und nur durch Glück bzw. Pech für den Täter ans Tageslicht kamen.<br />
Die reguläre Leichenschau durch einen herbeigerufenen Arzt muss nach festen Regeln ablaufen: Der Verstorbene muss entkleidet und von allen Seiten betrachtet werden. Schuss- oder Stichwunden, die Trockenheit im äußeren Mundbereich durch Ersticken, auffällige blaue Flecken oder ähnlich offensichtliche Folgen äußerer Gewalteinwirkung sollten dabei entdeckt werden.<br />
Das ist aber leider nicht immer der Fall.</p>
<p>Für eine Erdbestattung reicht die einfache, reguläre Leichenschau.<br />
Ein besonders skurriler Fall war, dass einem Bestatter auffiel, dass Blut aus einem Sarg tropfte. Dafür ist schon ziemlich viel Blut nötig, da der Sarg mit saugfähigem Material gefüllt ist. Der Bestatter suchte also nach der Ursache. Schließlich stellte sich heraus: Der Verstorbene hatte eine Stichwunde am Rücken<br />
So etwas hätte natürlich einem Arzt bei der Leichenschau auffallen müssen.</p>
<p>Für eine Feuerbestattung muss eine zweite Leichenbeschau durchgeführt werden, oft durch einen Rechtsmediziner.<br />
Dabei fallen dann auch manchmal unnatürliche Todesursachen auf: Wir hatten einen Fall mit dem Leichnam eines sehr alten Mannes, der hatte ein großes Pflaster im Brustbereich. Das Pflaster war dilettantisch angelegt und bestand aus Taschentüchern und Klebeband – so etwas hätte kein medizinisches Personal gemacht. Und unter dem Pflaster war eine Messerstichwunde!&#8221;</p>
<p><em>Lesen Sie morgen Teil 2 des Interviews.</em></p>
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		<title>Anatomische Präparation am Körperspender? – Ja bitte!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Oct 2013 12:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mal wieder ein Zeitungsbeitrag zum Anatomie-Kurs. In dem SPON-Artikel  Medizinstudenten im Präp-Kurs: &#8220;Menschliche Körper - absolut faszinierend&#8221; und den anschließenden Kommentaren fehlt &#8211; mal wieder - keines der gängigen platten Vorurteile. Mal wieder die üblichen Vokabeln von „an Leichen schnibbeln“ über &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/anatomische-praparation-am-korperspender-ja-bitte">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Mal wieder ein Zeitungsbeitrag zum Anatomie-Kurs.<br />
In dem SPON-Artikel  Medizinstudenten im Präp-Kurs: <a title="SPON: Menschliche Körper - absolut faszinierend" href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mediziner-ausbildung-sind-praeparierkurse-moralisch-vertretbar-a-910145.html" target="_blank">&#8220;Menschliche Körper - absolut faszinierend&#8221;</a><b> </b>und den anschließenden Kommentaren fehlt &#8211; mal wieder -<b> </b>keines der gängigen platten Vorurteile.<br />
Mal wieder die üblichen Vokabeln von „an Leichen schnibbeln“ über „moralisch bedenklich“ bis zu „altmodische Form der Ausbildung“.</p>
<p>Angeblich gibt es derzeit eine heiße Diskussion um die Abschaffung der anatomischen Präparationskurse.<br />
Tatsächlich? Davon ist hier am Fachbereich Medizin der Goethe-Universität in Frankfurt nicht viel zu spüren.<br />
„Es gibt gute Gründe dafür, den hier abgebildeten Dresdner Studenten und allen anderen Nachwuchsmedizinern die Ausbildung am Präpariertisch zukünftig zu verwehren.“<br />
Welche denn?<span id="more-8158"></span><br />
„Längst gibt es gestochen scharfes Filmmaterial aus dem Inneren des menschlichen Körpers und Computerprogramme, mit denen sich die Organe am Bildschirm erforschen lassen. Man braucht keine mit Formalin konservierten Leichen mehr fürs Medizinstudium. &#8220;Präp-Kurse&#8221; seien ein Relikt aus dem Mittelalter, argumentieren die Kritiker.“<br />
Hier hätte die Autorin vielleicht mal einen Anatomie-Lehrenden zu einigen Fakten befragen sollen, statt einfach den x-ten Aufguss halbgarer Mythen noch einmal aufzukochen.<br />
Die „kritischen Behauptungen“ gehören jedenfalls kritisch hinterfragt.</p>
<p>Präparierkurse sind mitnichten ein Relikt aus dem Mittelalter, damals war so etwas nämlich absolut verboten. Viel später erst, als die Menschen „aufgeklärt“ waren, fing man an, die menschliche Anatomie wieder gezielt zu erforschen, wie zuletzt in der ebenfalls aufgeklärten Antike.<br />
Außerdem hat sich der Anatomieunterricht am menschlichen Körper über die Jahre hinweg beträchtlich verändert.<br />
Auch die moralischen Bedenken wären schnell ausgeräumt: Die Körperspender haben zu Lebzeiten eingewilligt, in genau diesem Kurs ihren Körper für die Ausbildung der Medizinstudierenden zur Verfügung zu stellen. Die Lehrenden und Studierenden begegnen den Körperspendern mit Respekt und Dankbarkeit, nicht zuletzt bei der letztendlichen feierlichen Beisetzung im Kreise der Angehörigen, Studierenden und Lehrenden.</p>
<p>Neben dem wenig gehaltvollen Beitrag und dem Bild eines ziemlich reißerisch inszenierten präparierten Körperspenders sind die Zitate der Studierenden ein echter Lichtblick:<br />
Sie sprechen sich für die Beibehaltung des Präparierkurses aus und sprechen nicht im Geringsten respektlos über Kurs und Körper.</p>
<p><strong>Was sagen unsere Frankfurter Dozenten und Studierenden dazu?</strong><br />
„Man muss den Körper, die Organe und Gewebe anfassen können! Das Arbeiten am echten  dreidimensionalen Körper ist eine wichtige Vorbereitung für spätere OPs. Das kann man nicht an einem Computer-Programm“ meint Frau Hellwig (10. Semester) dazu. Herr Shayegi (6. Semester) ergänzt: „Die Lehrbücher enthalten nicht alle Variationen, die echten Körper zeigen erst die individuellen Unterschiede auf. Theorie und Praxis weisen beträchtliche Unterschiede auf.“. Beide können sich eine Medizin-Ausbildung ohne die Sektionskurse nicht vorstellen und halten es für einen essentiell wichtigen Bestandteil.<br />
Der erfahrene Anatomie-Dozent Herr PD Dr. Wicht sagt dazu: „Nur das Präparieren eines echten Körpers kann das Gefühl der Individualität und Variabilität vermitteln. Das beginnt bei stark oder schwach ausgebildeten Muskeln. Nur, wenn man de facto anatomisch arbeitet, kann man von den übergeordneten theoretischen Konzepten auf die tatsächliche Situation im Körper schließen. Erst dadurch kann die Dinghaftigkeit des menschlichen Körpers erfasst werden.“</p>
<p>Außerdem ist das Arbeiten an einem echten Körper auch eine mentale Vorbereitung für das Arbeiten an echten Patienten. Selbst wenn ein Computerprogramm eine bestmögliche Simulation anbietet – beim Schneiden in echtes Gewebe muss oft auch zusätzlich noch eine psychische Barriere überwunden werden. Im Sektionskurs geht es neben dem Erlernen der Anatomie auch um den professionellen Umgang mit dieser für viele Studierende potentiell belastenden Situation.<br />
Die Erfahrung aus den Kursen zeigt: Die Studierenden setzen sich mit dieser Situation auseinander und meistern sie schließlich.<br />
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Arzt, zur Ärztin.</p>
<p><strong>Fazit:</strong><br />
Präparierkurse sind nicht nur moralisch vertretbar, sondern auch in der modernen Medizin-Ausbildung weiterhin unbedingt notwendig.<br />
Sie sind weder veraltet oder noch moralisch verwerflich, sondern eine wichtige Vorbereitung auf die spätere ärztliche Tätigkeit.</p>
<p><b>Zum Weiterlesen:<br />
</b><a title="StarterKit: Was erwartet mich in der Anatomie?" href="http://puls.meertext.eu/starterkit-was-erwartet-mich-in-der-anatomie" target="_blank">„StarterKit: Was erwartet mich in der Anatomie?“</a></p>
<p>(Dieser Beitrag ist erstmals am 24.07.2013 erschienen. Wegen seiner Bedeutung um den Anatomieunterricht haben wir ihn im StarterKit wiederholt. &#8211; <em>Die Red.</em>)<a title="StarterKit: Was erwartet mich in der Anatomie?" href="http://puls.meertext.eu/starterkit-was-erwartet-mich-in-der-anatomie" target="_blank"><br />
</a><b></b></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ethik: Von Hagens „Körperwelten“  &#8211; eine umstrittene Ausstellung</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/ethik-von-hagens-korperwelten-eine-umstrittene-ausstellung</link>
		<comments>http://puls.meertext.eu/ethik-von-hagens-korperwelten-eine-umstrittene-ausstellung#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2013 07:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://puls.meertext.eu/?p=8114</guid>
		<description><![CDATA[Gunter von Hagens hat sich als Plastinator einen Namen gemacht. Seine Plastinate von Tieren und Menschen sind handwerklich perfekte konservierte Präparate. Seine Plastinate von Menschen, die er in reißerischen Inszenierungen arrangiert, sind äußerst umstritten. Von Hagens sieht sich als Erklärer &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-von-hagens-korperwelten-eine-umstrittene-ausstellung">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2013/07/Körperwelten-2013-Bochum.gif"><img class="alignright size-full wp-image-8115" alt="Körperwelten-2013-Bochum" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2013/07/Körperwelten-2013-Bochum.gif" width="152" height="143" /></a>Gunter von Hagens hat sich als Plastinator einen Namen gemacht. Seine Plastinate von Tieren und Menschen sind handwerklich perfekte konservierte Präparate.<br />
Seine Plastinate von Menschen, die er in reißerischen Inszenierungen arrangiert, sind äußerst umstritten. Von Hagens sieht sich als Erklärer des menschlichen Körpers, als Wissenschaftler, Künstler und Lehrer gleichermaßen.</p>
<p>Die menschlichen Plastinate und der Umgang mit dem toten menschlichen Körper machen sehr nachdenklich. Er bewegt sich im legalen Rahmen.<br />
Aber ist sein Handeln auch ethisch vertretbar?</p>
<p>Jetzt tourt er wieder durch Deutschland. Die Ausstellung „KÖRPERWELTEN &amp; Der Zyklus des Lebens“ verspricht im Ankündigungstext:<br />
„Die einzelnen Stationen der Entwicklung des menschlichen Körpers sowie seine Veränderung im Lauf der Zeit – beginnend bei der Zeugung bis ins hohe Alter – laden jeden ein, sich intensiv mit seinem eigenen Leben zu beschäftigen. Die Fürsorge für unseren Körper ist die beste Investition in unsere physische und emotionale Zukunft.“</p>
<p>Ob eine derartige Ausstellung mit reißerisch inszenierten Leichen und Leichenteilen, garniert mit mäßigen Texten, eine gute Investition in die emotionale Zukunft der Besucher ist, ist fragwürdig.<span id="more-8114"></span></p>
<p>Nein, die Inszenierungen aus dem Hause von Hagens sind weder Lehre, noch Wissenschaft, noch Kunst.<br />
Warum es keine Kunst ist, erklärt unser kunstsinniger Anatomiedozent Herr Dr. Wicht nachdrücklich in: <b><a title="Ethik: Zur Ästhetik des Herrn von Hagens – ein  Statement von PD Dr. Wicht" href="http://puls.meertext.eu/ethik-zur-asthetik-des-herrn-von-hagens-%e2%80%93-ein-statement-von-pd-dr-wicht" target="_blank">„Ethik: Zur Ästhetik des Herrn von Hagens – ein Statement von PD Dr. Wicht“.</a><br />
</b><br />
Sie ist keine Lehre oder Wissenschaft, weil sie nicht dem Erkenntnisgewinn dient, sondern dem Kommerz.<br />
<strong>Legal, aber ethisch absolut bedenklich</strong>, sagen der Philosoph Herr Dr. Sauer und  der katholische Geistliche und Krankenhausseelsorger Herr Frisch vom  klinischen Ethik-Komitee dazu im „puls.“-Interview:<br />
<b><a title="Ethik: „Anatomy for beginners“ – Interview mit Ethik-Komittee" href="http://puls.meertext.eu/ethik-anatomy-for-beginners-interview-mit-ethik-komittee">„Ethik: „Anatomy for beginners“ – Interview mit Ethik-Komittee“.</a><br />
</b>Sie ziehen im Gespräch eine klare Grenze zwischen einem medizinischen Präparationskurs und einem „Lehrvideo“ von Hagens, die Aussagen treffen genauso auf seine „Körperwelten“-Ausstellungen zu.<br />
Die entscheidenden Punkte sind der Voyeurismus und der Akt der Selbstdarstellung:<br />
<i>„Anatomy for beginners“ ist dramaturgisch aufbereitet, ein inszeniertes Gruselkabinett. Eine attraktive Inszenierung ist aber kein angemessener Umgang mit dem Leichnam. Dies verträgt sich nicht mit dem Ideal der Lehrveranstaltung.<br />
Im Anatomie-Unterricht tritt der Lehrende in den Hintergrund, er ist die unterweisende Person. Die Ziele des Lehrenden und des Unterrichts sind nicht eitel. Zwischen einer Lehrveranstaltung im Sinne der Aufklärung und einer primär dramaturgischen Inszenierung besteht ein Widerspruch, den wir nicht auflösen können.“ </i>meint Herr Frisch.<br />
Dazu kommt: <i>„Herr von Hagens instrumentalisiert die Leiche für seine Selbstdarstellung. Ehrfurcht, Respekt und Würde sind wichtige Elemente unseres humanistischen Weltbildes. Das schließt die Instrumentalisierung einer Leiche zur Selbstdarstellung eines Referenten aus. Im Falle des Herrn von Hagens rückt seine Eitelkeit in den Vordergrund. Er verkauft seine Selbstdarstellung unter dem Deckmäntelchen von Lehre und Forschung.“</i><br />
Herr Dr. Sauer sagt dazu: „<i>Es entsteht bei „Anatomy for beginners“ aber eher der Eindruck des Spektakels und der Selbstdarstellung. Es geht um Sektionen vor Publikum, in einer Weise, die an Unterhaltungsshows erinnert, mit dramaturgischen Elementen und für eine möglichst große Anzahl von nicht definierten Personen im Sinne von Fernsehkonsumenten – also ein Spektakel (<strong>Spektakel</strong> (lat. </i><em>spectaculum</em><i> = </i><em>Schauspiel, Anblick</em><i>, auch </i><em>Krach, Lärm</em><i>) ein Ereignis, das Aufsehen erregt – </i><em>Die Red.).</em><i> Die eigentliche Problematik sehe ich in dieser Doppeldeutigkeit. Und genau darin liegt der Grund, warum ich glaube, dass von Hagens damit gegen den kulturellen Konsens des guten Umgangs mit Verstorbenen verstößt.</i>“</p>
<p>Weitere „puls.“-Beiträge zu von Hagens anatomischen Inszenierungen finden Sie <a title="puls.: von Hagens" href="https://puls.meertext.eu/?s=von+hagens&amp;submit=Suche" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>Schaulust siegt über Erkenntnisgewinn.<br />
Um etwas über Anatomie zu erfahren, ist eine Ausstellung mit einem gewissen inhaltlichen Anspruch in einem Museum oder die nur für Medizinstudierende zugänglichen Präparationskurse oder Kurse wie die Tübunger Sectio chirurgica allemal geeigneter. Und für einen Umgang mit toten Menschen auf jeden Fall angemessener.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ethik: Dr. Timo Sauer im „PULS.“-Gespräch &#8211; Was macht das Klinische Ethik-Komitee?</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/ethik-dr-timo-sauer-im-%e2%80%9epuls-%e2%80%9c-gesprach-was-macht-das-klinische-ethik-komitee</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Jan 2013 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Lernen und Lehren]]></category>
		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Universitätsklinikum]]></category>

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		<description><![CDATA[Humanmediziner werden im täglichen Leben immer wieder mit ethischen Fragen konfrontiert. Die Ärztinnen und Ärzte an einem Universitätsklinikum erleben derartige Situationen überdurchschnittlich häufig: Hier liegen besonders viele Patienten, die in anderen Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden können. Dann kann die &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-dr-timo-sauer-im-%e2%80%9epuls-%e2%80%9c-gesprach-was-macht-das-klinische-ethik-komitee">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Humanmediziner werden im täglichen Leben immer wieder mit ethischen Fragen konfrontiert. Die Ärztinnen und Ärzte an einem Universitätsklinikum erleben derartige Situationen überdurchschnittlich häufig: Hier liegen besonders viele Patienten, die in anderen Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden können. Dann kann die Frage aufkommen, ob ein Patient noch kurativ oder schon palliativ behandelt werden soll. Wenn die Ärzte unterschiedlicher Disziplinen, Pflegepersonal oder Angehörige unterschiedliche Ansichten vertreten, kann eine Konfliktsituation entstehen. Dieser existentielle Dissens im Krankenhausalltag, ist der Aufgabenbereich eines Klinischen Ethik-Komitees.<span id="more-6341"></span></p>
<p>Die Ethik-Komitee-Entwicklung ist insgesamt recht jung: 1997 gab es erste Denkanstöße dazu aus der katholischen und evangelischen Kirche, dann auch von der Bundesärztekammer. 2005 hat dann das Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) in Hannover alle Krankenhäuser angeschrieben und nachgefragt, ob es ein KEK gäbe.<br />
In Frankfurt gibt es seit dem 12.07.2005 ein Ethik-Komitee, das Frau Dr. Bockenheimer-Lucius maßgeblich mit vorangetrieben hatte. Seit 2011 muss in Hessen jede Klinik laut Krankenhausgesetz einen Ethikbeauftragten haben.</p>
<p>Herr Dr. Sauer gehört seit 2007 dem interdisziplinären Frankfurter <a title="Klinisches Ethik-Komitee" href="http://www.kgu.de/klinikum/k/klinisches-ethik-komitee/startseite.html">Klinischen Ethik-Komitee</a> (KEK) an, er teilt sich die Geschäftsführung mit Dr. Barbara Wolf-Braun und Frau Dr. Katja Weiske.<br />
Neben der Geschäftleistung besteht das KEK aus Mitgliedern aus der Medizin, der Pflege, der Seelsorge, den Rechtswissenschaften und der Medizinethik.</p>
<p>Das KEK hat drei zentrale Aufgabenbereiche:<br />
- die Weiterbildung in medizinischer Ethik<br />
- die Entwicklung von Leitlinien / Empfehlungen und<br />
- die einzelfallbezogene Beratung.</p>
<p>Die Ethik-Kommission beschäftigt sich hingegen mit der rechtlichen Beratung zur Forschung am Menschen.</p>
<p><strong>An wen richtet sich die medizinethische Fort- und Weiterbildung?</strong><br />
Die <strong>Ethik-Fort- und Weiterbildung</strong> richtet sich an das gesamte Personal in der Klinik. Die Veranstaltungen werden unterschiedlich stark frequentiert – obwohl die Teilnehmer positive Feedbacks geben und die Fortbildungen auch für sinnvoll halten, fehlt im Klinikalltag oft die Zeit dafür.<br />
Aber auch im Studium kommt dieses wichtige Thema schon vor: „Als Mitarbeiter des Dr. Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin<em> </em>biete ich<em> </em>Lehrveranstaltungen im Rahmen des Medizinstudiums an. In der GTE-Vorlesung – also einer klinischen Pflichtveranstaltung &#8211; und einer vorklinischen Wahlpflichtveranstaltung. Außerdem werden verschiedene für die Ethik relevante Begriffe bereits in der Terminologie-Vorlesung behandelt.“ erläutert Harr Dr. Sauer.</p>
<p><strong>Wie arbeitet das Ethik-Komitee in der fallbezogenen Einzelfallberatung?</strong><br />
„Das Ethik-Komitee wird zu einem spezifischen aktuellen Fall angerufen und die Ethik-Beratung angefordert. Dann liegt meistens ein Dissens vor, den der verantwortliche Arzt oder die Ärztin allein nicht zu lösen vermag.</p>
<p>Ein solcher Dissens kann eine unmittelbare Konfliktsituation sein: Eine Meinungsverschiedenheit zwischen verschiedenen ärztlichen Disziplinen (z. B. Anästhesisten und Chirurgen) oder Pflegepersonal und Ärzten oder Angehörigen und Ärzten, da gibt es viele Möglichkeiten. Außerdem kann es auch um die notwendige Interpretation einer unklar formulierten Patientenverfügung gehen.<br />
Wenn wir eine Anfrage bekommen, reagieren wir meist unmittelbar. Gemeinsam mit  Mitgliedern des KEK beraten wir das Behandlungsteam vor Ort. Dort wird der Fall vorgestellt und die strittigen Fragen diskutiert. Am Ende der Beratung wird meist eine Empfehlung formuliert, die nach Möglichkeit im Konsens umgesetzt wird. So eine Beratung sollte nicht länger als eine Stunde dauern.</p>
<p>Manchmal kommt es auch vor, dass der Dissens nicht aufgelöst werden kann. Dann schlagen wir eine vorläufige Lösung vor. Der Rat des Komitees ist natürlich immer nur eine Empfehlung. Es besteht keine Verpflichtung, die Empfehlung auch umzusetzen. Das Ergebnis der Ethik-Beratung wird dokumentiert und der Patientenakte beigefügt.“</p>
<p><strong>Wann wird eine Leitlinie konzipiert?<br />
</strong>Wenn ein spezifischer Konflikt häufig auftritt, besteht die Möglichkeit, eine <strong>Leitlinie oder Handlungsempfehlung</strong> zu entwickeln.<br />
Ein Beispiel dafür ist der <strong>Arbeitsbogen <a title="Arbeitsbogen Leitfaden zur Begründung einer Therapiebegrenzung in der Intensivmedizin" href="http://www.kgu.de/fileadmin/redakteure/Klinikum/Klinisches_Ethik-Komitee/ArbeitsbogenB3.pdf">&#8220;Leitfaden zur Begründung einer Therapiebegrenzung in der Intensivmedizin&#8221;</a></strong><a title="Arbeitsbogen Leitfaden zur Begründung einer Therapiebegrenzung in der Intensivmedizin" href="http://www.kgu.de/fileadmin/redakteure/Klinikum/Klinisches_Ethik-Komitee/ArbeitsbogenB3.pdf">.</a></p>
<p><strong>Was ist der Ethik-Liaisondienst?</strong><br />
Eine noch recht neues Projekt ist der <a title="Ethik-Liaisondienst" href="http://www.kgu.de/klinikum/k/klinisches-ethik-komitee/ethik-liaisondienst.html">Ethik-Liaisondienst</a>: Frau Dr. med. Schäfer ist stundenweise auf den Intensivstationen des Frankfurter Universitätsklinikums vor Ort anwesend, hat Sprechstunden für die dort arbeitenden Menschen und nimmt am Stationsdienst teil, etwa bei der Visite. Der Ethik-Liaisondienst zeichnet sich damit durch „regelmäßige unaufgeforderte Präsenz im klinischen Alltag auf der Station aus. Er arbeitet also ohne konkreten Antrag in Eigeninitiative und strebt dabei eine situationsangemessene Aktivität an.“<br />
Auf der Intensivstation treten recht häufig ethische Fragestellungen oder Konfliktsituationen auf, der Liaisondienst soll helfen, diese frühzeitig zu erkennen und zu lösen bzw. dabei zu helfen, einen Konflikt gar nicht erst entstehen lassen.</p>
<p>„PULS.“ dankt Herr Dr. Sauer für das engagierte Interview.</p>
<p>Herr Dr. Sauer ist ausgebildeter Krankenpfleger und hat in Philosophie promoviert.<br />
Er arbeitet seit 2007 im KEK und hat das Buch „Ethik in der Pflege“ (Sauer/May) geschrieben.<br />
Das Gespräch führte „PULS.“-Redakteurin Bettina Wurche.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
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		<title>Presseschau: Luftröhrenschnitt im Livestream</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Sep 2012 07:24:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der SPON-Beitrag &#8220;Darmspiegelung im Heimkino&#8221; berichtet von einem gemütlichen Fernsehabend unter Frankfurter Medizinstudierenden. Auf dem Programm steht &#8220;Sectio chirurgica: Die Luftröhrenchirurgie nach einem Schilddrüsenkarzinom&#8221;. Die &#8220;Sectio chirurgica&#8221; der Universität Tübingen ist die Live-Übertragung ausgewählter Operationen. Wir hatten sie bereits auf &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/presseschau-luftrohrenschnitt-im-livestream">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der <a title="SPON: &quot;Darmspiegelung im Heimkino&quot;" href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sectio-chirurgica-live-ops-fuer-medizinstudenten-a-844003.html">SPON-Beitrag </a><strong><a title="SPON: &quot;Darmspiegelung im Heimkino&quot;" href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sectio-chirurgica-live-ops-fuer-medizinstudenten-a-844003.html">&#8220;Darmspiegelung im Heimkino&#8221;</a> </strong>berichtet von einem gemütlichen Fernsehabend unter Frankfurter Medizinstudierenden.<br />
Auf dem Programm steht &#8220;Sectio chirurgica: Die Luftröhrenchirurgie nach einem Schilddrüsenkarzinom&#8221;.</p>
<p>Die <a title="&quot;PULS.&quot;: &quot;Ethik: Ein echter Anatomie-Lehrfilm: Sectio chirurgica&quot;" href="http://puls.meertext.eu/?p=5486">&#8220;Sectio chirurgica&#8221;</a> der Universität Tübingen ist die Live-Übertragung ausgewählter Operationen.<br />
Wir hatten sie bereits auf &#8220;PULS.&#8221; vorgestellt und kürzlich noch einmal im Vergleich zu Gunter von Hagens &#8220;Anatomy for beginners&#8221; diskutiert. <span id="more-5687"></span><br />
Unser Fazit: Die Tübinger &#8220;Sectio chirurgica&#8221; ist eine exquisite Lehrveranstaltung und ein empfehlenswertes Lehrvideo. Von Hagens &#8220;Anatomy for beginners&#8221; ist hingegen sehr kritisch zu sehen und erfüllt die strengen Anforderungen an einen Lehrfilm nicht. Lesen Sie dazu unter der Rubrik &#8220;Ethik&#8221; unser Dossier zu &#8220;Anatomy for beginners&#8221;, in dem von Hagens Produktion unter verschiedenen Aspekten diskutiert wird:<br />
<a title="Ethik: Anatomy for beginners - Interview mit Ethik-Komittee" href="http://puls.meertext.eu/?p=5492"><strong>&#8220;Ethik: „Anatomy for beginners“ – Interview mit Ethik-Komittee&#8221;</strong></a><br />
und weitere Beiträge des Dossiers.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/sectio-chirurgica-live-ops-fuer-medizinstudenten-a-844003.html</p>
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		<title>Ethik: Anatomy ad absurdum (Leserbrief)</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/ethik-anatomy-ad-absurdum-leserbrief</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Sep 2012 07:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
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		<description><![CDATA[„I will now open the skrotum“ – Raunen und Stöhnen im Publikum. Zoom auf den eröffneten Hodensack. Der Samenleiter wird freigelegt und die Testes mit einem spitzen Messer eröffnet. Schwenk ins Publikum: Männer fühlen mit, Frauen halten sich die Hand &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-anatomy-ad-absurdum-leserbrief">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„I will now open the skrotum“ – Raunen und Stöhnen im Publikum. Zoom auf den eröffneten Hodensack. Der Samenleiter wird freigelegt und die Testes mit einem spitzen Messer eröffnet. Schwenk ins Publikum: Männer fühlen mit, Frauen halten sich die Hand vor den Mund.<br />
Doch die Zuschauer sind keineswegs Medizinstudentinnen und –studenten, nein, jeder kann sich Gunther von Hagens neue Serie „Anatomy for Beginners“ auf  &#8220;YouTube&#8221; oder der Website des englischen Senders &#8220;Channel 4&#8243; ansehen.</p>
<p>Unter dem Motto der öffentlichen Aufklärung („public enlightenment“, wie auf der Website des Senders zu lesen ist und doch sehr an die Zeit erinnert, in der es noch britischen Busch gab), werden in den Teilen Movement, Circulation, Digestion und Reproduction Leichen seziert. Prof. John Lee, britischer Pathologe und Dr. Gunter von Hagens, der bekannte „Alles-und-Jeden-Plastinator“ aus Heidelberg, bewegen sich meiner Meinung nach knapp am Rande des guten Geschmacks, wenn sie als Duo à la Siegfried und Roy das Publikum in die Welt der Hochglanzanatomie führen.<span id="more-5599"></span></p>
<p>Öffentliche Sektionen sind natürlich nichts Neues. Auch die in ihnen vermittelten Inhalte haben sich nicht geändert. Was sich geändert hat, das ist der Begriff der Öffentlichkeit. Wer sich diesen Videos aussetzt, der kann das tun, wann und wo immer er will – während des Mittagsessens in der Kantine, auf dem Heimweg in der Bahn oder abends vor dem Schlafengehen. Bevor man verstanden hat, welche Bilder sich vor einem entwickeln, steckt man mittendrin. Und dann ist es zu spät. Kein Nachfragen möglich, nur das verzweifelte Tippen in die Kommentare bleibt: „mustn&#8217;t it be smelling like hell?“ (SuuzieQ), „this yellow stuff under the skin is fat?“ (Heron 700) oder: „is that a real body?“ (droid4D). Will man solche Reaktionen als erfolgreich gewecktes Interesse werten, so sieht man sich einer Flut von unreifen und unangebrachten Kommentaren gegenüber, die sich mit den gezeigten Genitalien, dem zugegebenermaßen schlechten Englisch von Hagens und seinem Hut beschäftigen.</p>
<p>Alles andere als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik also. Woran fehlt es?<br />
Es mangelt an Plastizität. So oft man auch Stop und Play drücken mag, so nah wie möglich man heranzoomt, es verschließt sich vor einem die Möglichkeit, zu begreifen. Kein 3D-Effekt kann ausgleichen, was z.B. ein Präpariersaal einem ermöglicht.<br />
Der Präpariersaal – die heiligen Hallen der Anatomie. In grelles Licht getauchte Metalltische, das ständige Brummen der Luftabzüge, der unverkennbare Duft der Fixierlösung. Hier verbringt der frischgebackene studiosus medicinae den Teil seines Studiums, den er am meisten mit Geschichten ausschmückt und ihn seit Generationen – unnötigerweise &#8211; mystifiziert. Seltsam, dass niemand vor seinen Freunden mit seinem ersten Tag im Biochemie-Praktikum angibt – aber das ist eine andere Geschichte.<br />
Nun, tatsächlich ist der Präpariersaal ein Ort, an dem mit Leichen gearbeitet, gelehrt und gelernt wird. Doch der Sezierkurs steht nicht für sich. Man besucht eine Vorlesung, hat Theorieunterricht mit den studentischen Hilfskräften und vor allem wird man am Ende geprüft. Die Neugier auf den Leichnam ist also nicht die alleinige Triebfeder für die Beschäftigung mit der Materie.<br />
Zurück also zu von Hagens.</p>
<p>Wer im Apple-Zeitalter den Alleinunterhalter an der Leiche mimt (auf seiner Website beschreibt von Hagens sich als „öffentlicher Erlebnisanatom und Aufklärer eines Massenpublikums“), muss sich die Frage stellen, ob er nicht Gefahr läuft, den menschlichen Körper zu bagatellisieren – eine Art i-Body zu schaffen.<br />
Ein modernes Theatrum Anatomicum muss sogar die neuen technischen Möglichkeiten nutzen. Meiner Meinung nach allerdings ohne dabei Inhalte ins Netz zu katapultieren, die völlig unkontrolliert auf ewig in den Weiten der Datenautobahnen umherschwirren. Das Problem dabei ist, dass die uns Menschen innewohnende Schaulust und Sensationsgier gerade nach solchen Videos lechzen. Doch handelt es sich dabei nicht um profundes Interesse an der Struktur des menschlichen Körpers, sondern um die Lust am Anblick eines eröffneten toten Menschen. Schlimmer wird dieser Eindruck noch dadurch, dass der „Erlebnisanatom“ von Hagens eher wie ein Metzger denn wie ein Anatom vorgeht. Da wird einem Mann die ganze Haut in einem Stück abgezogen und neben ihm auf einen Ständer gehängt. Oder eine eingefrorene Frau in Bauschaum eingelegt und mit einer Riesensäge sagittal in Scheiben geschnitten &#8211; „Darf’s ein bisschen mehr sein?“. Ein Mann wird mit einer Tracheotomie versorgt und während die beiden Lungenflügel sich aus dem eröffneten Brustkorb drängen, verkündet der glückliche Arzt, dass, wenn die Person nicht schon tot wäre, er ihr gerade das Leben gerettet hätte.<br />
Kein Hauch von Filigranität, kein Eindruck von Strukturen, die sich bis ins Mikroskopische hinein fortsetzen, entsteht, kein Gefühl dafür, wie fehlerfrei wir aus einem Haufen Zellen zu dem Haufen Organen werden, den wir Homo sapiens nennen.</p>
<p>So gefährdet die Serie „Anatomy for Beginners“ etwas, was Grundlage dafür ist, dass wir uns nicht mehr einfach auf freiem Feld die Köpfe einschlagen &#8211; eine gewisse Ehrfurcht, ja, Respekt vor unserer eigenen Anatomie.</p>
<p><em>Martin Mendel (Frankfurter Medizinstudent)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ethik: Zur Ästhetik des Herrn von Hagens – ein  Statement von PD Dr. Wicht</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/ethik-zur-asthetik-des-herrn-von-hagens-%e2%80%93-ein-statement-von-pd-dr-wicht</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Aug 2012 07:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich hab&#8217; kein ethisches Problem mit Dr. von Hagens, ich hab&#8217; ein ästhetisches. Wo er seine Leichen herbekommt &#8211; das ist mir Wurst, solange die nicht vom Leben zum Tode gebracht wurden, damit er sie verwursten kann. Über die Methodik &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-zur-asthetik-des-herrn-von-hagens-%e2%80%93-ein-statement-von-pd-dr-wicht">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hab&#8217; kein ethisches Problem mit Dr. von Hagens, ich hab&#8217; ein ästhetisches. Wo er seine Leichen herbekommt &#8211; das ist mir Wurst, solange die nicht vom Leben zum Tode gebracht wurden, damit er sie verwursten kann.</p>
<p>Über die <a title="Plastination" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Honor%C3%A9_Fragonard),">Methodik der Plastination</a> müssen wir nicht reden. Die hat er zwar nicht erfunden (Wachsplastinate macht man schon seit 250 Jahren, aber perfektioniert, und es ist ein Segen für die Anatomie, für die Lehre vor allem.</p>
<p>Über die Ästhetik seiner Grossplastinate, über seinen Wanderzirkus wäre zu reden. <span id="more-5495"></span>Zum Beispiel über die Farben, jene roten Muskeln, diese gelben Nerven &#8211; angestrichen. Die Plastinate sind bunt lackiert, die Farbe ist unecht. Der Kadaver, nach der Fixierung und Plastination, ist grau in braun. &#8220;Der Reiz des Echten&#8221; &#8211; damit macht er Reklame, der Herr Dr. von Hagens. Aber was ist denn da echt? Das Fett ist weg, das Wasser ist weg (überall da, wo es war, ist nun Kunststoff), und da der Mensch im Leben und als Leiche überwiegend zu etwa 65 % aus Wasser und viel Fett  besteht, kann man sich schon fragen, was da noch &#8220;echt&#8221; ist. Die Farben sind&#8217;s nicht, das Material ist&#8217;s nicht &#8211; also die Form. Da könnt&#8217; ich mir aber eigentlich auch ein Modell ansehen.</p>
<p>Die Form. In der ersten Ausstellung, die Dr. von Hagens je machte, in Mannheim (ich war da, in späteren ebenso), da gab er sich noch Mühe, mit seinen Plastinaten anatomische Sachverhalte darzustellen. Dann drehte er leider in Richtung auf die plastinatorische Leistungsschau ab. Mittlerweile werden auch Elefanten plastiniert &#8211; ich warte noch auf den begehbaren Blauwal. Leistungsschau mit kunstgeschichtlichem Anspruch freilich: Die Menschenplastinate wurden zu Dali&#8217;schen Schubladenfiguren, zu futuristischen Formsprengsätzen, kein Stück Kunstgeschichte und kein Alltagstrivium war mehr davor sicher, als makabre Plastinatparodie nachgestellt zu werden. Ich warte auf Christus am Kreuz, für die Ewigkeit plastiniert und angenagelt und garantiert auferstehungssicher.</p>
<p>Der Höhepunkt unter all diesen explodierten Langstreckenläufern, vom Fahrtwind zerfledderten Fahrradfahrern, vom Schachspiel hirnentblössten Bretthockern etc. ist sicherlich das kopulierende Paar. Nackend, wie sich das gehört, aber eben nackend bis unter die Generalfaszie, bis auf die Muskeln. Mir ist ja schon klar, dass man sich zum Geschlechtsverkehr wenigstens fokal nackt machen muss, aber <em>so </em>nackt? Und dann &#8211; warum setzt er den beiden, die er rasiert und gehäutet hat, dann wieder Perücken auf die kahle Galea aponeurotica? Bumsen denn noch die Leichen? Das ist widerlich &#8211; künstlerisch, mein&#8217; ich &#8211; es zeugt von einem Mass an intellektuellem Nullnummerntum, das dem von Jeff Koons in nichts nachsteht. Nur glaub&#8217; ich, dass der seine Null-Botschaften noch überlegter erzeugt.</p>
<p>Widerlich. Gehen Sie mal durch die von Hagens&#8217;schen Ausstellungen und gucken Sie den Plastinaten in die Augen. Es sind Glasaugen. Unecht. Die echten Augen der Toten sind opak, gebrochen, die Äpfel geschrumpft, weit in die Orbitae zurückgesunken. Den Anblick der Augen des Todes, den will Dr. von Hagens offenbar weder sich noch seinem Publikum zumuten. Damit verletzt er sicher nicht die Würde der Toten. Aber die des Todes schon.</p>
<p>Wicht´sche Polemik zum Weiterlesen: <a title="Anatomisches Allerlei: Bullenklöten" href="http://www.scilogs.de/blogs/blog/anatomisches-allerlei/2010-10-21/bullenkl-ten-online">„Anatomisches Allerlei: Bullenklöten“</a></p>
<p><em>Helmut Wicht</em></p>
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		<title>Ethik: „Anatomy for beginners“ – Interview mit Ethik-Komittee</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/ethik-anatomy-for-beginners-interview-mit-ethik-komittee</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Aug 2012 10:37:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Lernen und Lehren]]></category>
		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Dr. Sauer ist Philosoph und ehemaliger Krankenpfleger, er arbeitet für das Ethik-Komitee des Universitätsklinikums Frankfurt. Herr Frisch ist katholischer Pfarrer und in der katholischen Krankenhausseelsorge des Frankfurter Universitätsklinikums beschäftigt. „Darf man so etwas tun?“, „Gilt das noch als Lehre?“ &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-anatomy-for-beginners-interview-mit-ethik-komittee">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Dr. Sauer ist Philosoph und ehemaliger Krankenpfleger, er arbeitet für das Ethik-Komitee des Universitätsklinikums Frankfurt.<br />
Herr Frisch ist katholischer Pfarrer und in der katholischen Krankenhausseelsorge des Frankfurter Universitätsklinikums beschäftigt.</p>
<p><strong>„Darf man so etwas tun?“, „Gilt das noch als Lehre?“</strong><br />
hatte uns &#8220;ein verwirrter Studiosus&#8221; zu Gunter von Hagens „Lehrfilm“ „Anatomy for beginners“ gefragt (Lesen Sie dazu auch die „PULS.“-Beiträge <a title="Anatomy for beginners - Was soll man davon halten?" href="http://puls.meertext.eu/?p=5476">„</a><strong><a title="Anatomy for beginners - Was soll man davon halten?" href="http://puls.meertext.eu/?p=5476">Ethik: „Anatomy for beginners“ – Was soll man davon halten?“</a> und <a title="Anatomy for beginners - Darf man das?" href="http://puls.meertext.eu/?p=5479">„Ethik: Von Hagens „Anatomy for beginners“ &#8211; Darf man das“</a>?)</strong></p>
<p><strong>Interview mit Herrn Dr. Timo Sauer und Herrn Rainer Frisch (Ethik-Komitee der Uniklinik Frankfurt)</strong><br />
Gunter von Hagens verstößt mit „Anatomy for beginners“ gegen keine deutschen Gesetze. Trotzdem empfinden viele Menschen Unbehagen beim Ansehen.<br />
„PULS.“ hat im Gespräch mit Herrn Sauer und Herrn Frisch von Ethik-Komitee des Universitätsklinikums diese Fragen diskutiert und nach Antworten gesucht, ob Herrn von Hagens Vorgehen ethisch und moralisch vertretbar ist und wodurch unser Unbehagen ausgelöst werden könnte.<span id="more-8098"></span><strong> </strong></p>
<p><strong>„PULS.“: &#8220;Herr Frisch, Herr Dr. Sauer, im Anatomie-Unterricht sollen Ärzte an ihre künftige Aufgabe als Ärzte herangeführt werden. Werden hier nur anatomische Fakten vermittelt oder geht es auch um ethische Fragen?“</strong><br />
R. F.: „Zu Beginn des Präparationskurses gibt es natürlich auch eine Unterweisung zu ethischen Standards: Dabei geht es um Würde und Respekt. Außerdem wird im gesamten Anatomie-Kurs die Individualität der Leiche vermittelt. Jede und jeder Tote sieht innen und außen anders aus. Darum ist auch die Beisetzung der Körperspender so wichtig: Jede Leiche erhält ihren Namen zurück und wird im Beisein sowohl der Studierenden und Dozenten der Anatomie-Kurse als auch ihrer Angehörigen feierlich beigesetzt.“<img title="Weiterlesen..." alt="" src="https://puls.meertext.eu/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><strong>„PULS.“: „Die Sektion einer menschlichen Leiche ist im Regelfall eine psychische Belastung. Sollte eine Sektion öffentlich aufgeführt werden? Müssen Zuschauer nicht in irgendeiner Weise darauf vorbereitet werden, um die Sektion zu verstehen und mit der psychischen Situation fertig zu werden?“</strong><br />
T. S.: „Der Zugang zu von Hagens Darstellung ist öffentlich. Der Zugang zum Anatomie-Saal ist nur für einen spezifischen Personenkreis erlaubt und möglich. Dadurch können empfindsame Gemüter verstört werden. Der nichtregulierte Zugang kann aber  kein zwingendes ethisches Argument gegen von Hagens „Show“ sein.“ Ich glaube darüber hinaus auch nicht, dass man einen moralischen Imperativ gegen so etwas begründen kann. Es widerspricht wahrscheinlich aber den „guten Sitten“ in unserem Kulturkreis.&#8221;<br />
R. F.: „Was würde passieren, wenn Herr von Hagens seine Zuschauer vorbereiten und die Leichen danach bestattet würden?<br />
Wären wir dann zufrieden? Doch eigentlich nicht.<br />
Die entscheidenden Punkte sind der Voyeurismus und der Akt der Selbstdarstellung:<br />
„Anatomy for beginners“ ist dramaturgisch aufbereitet, ein inszeniertes Gruselkabinett. Eine attraktive Inszenierung ist aber kein angemessener Umgang mit dem Leichnam. Dies verträgt sich nicht mit dem Ideal der Lehrveranstaltung.<br />
Im Anatomie-Unterricht tritt der Lehrende in den Hintergrund, er ist die unterweisende Person. Die Ziele des Lehrenden und des Unterrichts sind nicht eitel. Zwischen einer Lehrveranstaltung im Sinne der Aufklärung und einer primär dramaturgischen Inszenierung besteht ein Widerspruch, den wir nicht auflösen können.“</p>
<p><strong>„PULS.“: Wie weit kann „anatomy for beginners“ als „Lehre“ bezeichnet werden? Was spricht dafür und was dagegen?“</strong><br />
T. S.: „Es wird von Lehre gesprochen: „Anatomy for beginners“ gibt vor, Bildungs- und Wissenschaftszwecken zu dienen. Im Vorspann ist zu lesen, dass dies auch die Grundlage für die Einwilligung der Körperspender war. Herr von Hagens stellt seine Arbeit sogar in die Tradition der Aufklärung.<br />
Es entsteht bei „Anatomy for beginners“ aber eher der Eindruck des Spektakels und der Selbstdarstellung. Es geht um Sektionen vor Publikum, in einer Weise, die an Unterhaltungsshows erinnert, mit dramaturgischen Elementen und für eine möglichst große Anzahl von nicht definierten Personen im Sinne von Fernsehkonsumenten – also ein Spektakel (<strong>Spektakel</strong> (lat. <em>spectaculum</em> = <em>Schauspiel, Anblick</em>, auch <em>Krach, Lärm</em>) ein Ereignis, das Aufsehen erregt – <em>Die Red.).</em> Die eigentliche Problematik sehe ich in dieser Doppeldeutigkeit. Und genau darin liegt der Grund, warum ich glaube, dass von Hagens damit gegen den kulturellen Konsens des guten Umgangs mit Verstorbenen verstößt.“<img title="Weiterlesen..." alt="" src="https://puls.meertext.eu/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" /></p>
<p><strong>„PULS.“ : „Warum reagieren wir so stark auf Herrn von Hagens Filme?“</strong><br />
R. F.: „Wir befürworten bestimmte gesellschaftliche Konventionen und darum empfinden wir Herrn von Hagens Zurschaustellung eines Leichnams als problematisch.<br />
Herrn von Hagens Eitelkeit steht gegen seine selbst proklamierte Rationalisierung. Dazu kommt noch eine Emotionalisierung. Wie sieht es da noch mit der Würde des Verstorbenen aus?“<br />
T. S. „Ich halte das Würdeargument nicht für stichhaltig. Zum einen ist die Würde m. E. an den personalen Charakter gebunden, der bei einem Leichnam nicht mehr vorliegt und zum anderen sind diejenigen, die ihre Körper für „Anatomy for Beginners“ spenden vielleicht gerade der Meinung, dass dies ihrer persönlichen Würde entspricht. Wir können aber mit dem Argument einer von uns für erhaltenswürdig befundenen Kultur argumentieren, die eine bestimmte Umgangsweise mit dem Leichnam beinhaltet. Dieser angemessene Umgang scheint mit dem Spektakel von Hagens Live-Sektionen kaum vereinbar zu sein.“<br />
R. F.: „Die Würde des Menschen endet nicht mit dem Tod. Der Körper bleibt individuell und ist nicht austauschbar. Die Würde des Menschen auch nach seinem Tod zu wahren, bleibt ein hohes Desiderat. Ein Toter ist sogar besonders schutzbedürftig, denn er kann seine Würde nicht mehr selbst verteidigen. Darum geht uns Leichenschändung so stark gegen den Strich.“<br />
R. F.: „Alle Kulturen haben für den Umgang mit Toten Formulierungen, in denen die Wahrung der Menschenwürde einen wichtigen Teil einnimmt. Das ist Teil unseres Menschseins. Die Entwicklung dieses Bewusstseins und dieser Rituale war ein Teil unserer Menschwerdung!<br />
Darum ist in unseren Sektionskursen das Ritual der gemeinsamen Beisetzung der Körperspender so wichtig: Es ist ein würdevolles Ende, die Körperspender bekommen ihre Namen zurück und werden feierlich beigesetzt. Die gemeinsame Feier ist  eine abschließende Zeremonie, für die Angehörigen und Studierenden. Das sehen wir ja auch immer wieder an den starken Reaktionen der Hinterbliebenen am offenen Grab.“<br />
T. S.: “Der springende Punkt ist: Es geht um Menschen. Für den Umgang mit lebenden und toten Menschen gelten bestimmte Regeln, das ist etwa auch am Verbot des Klonens von Menschen und der damit verbundenen Diskussion deutlich geworden.<br />
Die Leiche eines Menschen ist nicht einfach Biomasse, sondern sie ist wenn man so will, Referenz auf eine verstorbene Person. Von daher sollte man möglichst achtsam und ehrfürchtig mit dem menschlichen Leichnam umgehen. Das Hauptproblem ist die Ambivalenz von von Hagens Aktivitäten. Hinter dem Spektakel mit seinen exzentrischen und ökonomischen Implikationen droht die eigentliche Intention der „Lehre und Forschung“ zu verschwinden, sofern sie authentisch je bestanden hatte.“<br />
R. F.: „In meinem Glauben ist das Leben etwas Singuläres. Der Leichnam sollte durch die Inszenierung im Film pseudolebendig erscheinen und wird als Requisite eingesetzt. Herrn von Hagens Exponate wirken auf mich extrem entblößt und nackt. Der Voyeurismus und Exhibitionismus, der durch „Anatomy for beginners“ angesprochen wird, wirkt abschreckend.<br />
Zusätzlich wirkt auch der künstlerische Aspekt irritierend: von Hagens bezeichnet sich selbst als Künstler und läuft mit dem Beuys-Hut durch die Gegend. Ein verstorbener Mensch sollte aber nicht ein Teil einer künstlerischen Inszenierung sein. Das entspricht nicht unserer kulturellen Vorstellung von einem respektvollen Umgang mit einem Verstorbenen.“</p>
<p><strong>„PULS.“: „Wie würden Sie nun abschließend die Fragen des Studenten „Darf man so etwas tun?“ und „Gilt das noch als Lehre?“ beantworten?“</strong><br />
R. F.„Herr von Hagens instrumentalisiert die Leiche für seine Selbstdarstellung. Ehrfurcht, Respekt und Würde sind wichtige Elemente unseres humanistischen Weltbildes. Das schließt die Instrumentalisierung einer Leiche zur Selbstdarstellung eines Referenten aus. Im Falle des Herrn von Hagens rückt seine Eitelkeit in den Vordergrund. Er verkauft seine Selbstdarstellung unter dem Deckmäntelchen von Lehre und Forschung.“<br />
T. S. „Ob es sich dabei „noch“ um Lehre handelt, weiß ich nicht. Die Gesellschaft hat aber das Recht, bestimmte Praktiken abzulehnen, auch wenn ein normativer Imperativ nicht eindeutig zu begründen ist. Vor diesem Hintergrund lehne ich inszenierte Sektionen in der Machart von „Anatomy for beginners“ eher ab und würde diese Empfehlung auch an die Studenten weitergeben.“</p>
<p>Das Gespräch führte die „PULS.“-Redakteurin Bettina Wurche.<br />
„PULS.“ bedankt sich für das spannende und engagierte Gespräch bei Herrn Frisch und Herrn Dr. Sauer.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
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		<title>Ethik: „Anatomy for beginners“ – Was soll man davon halten?</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Aug 2012 08:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen kam Herr PD Dr. Wicht mit der mail eines Studierenden in die Redaktion. Es ging um Herrn von Hagens „Anatomy for beginners“. Mit der Sektion des menschlichen Körpers betreten wir eine Tabuzone, das Aufschneiden von Menschen ist &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/ethik-%e2%80%9eanatomy-for-beginners%e2%80%9c-%e2%80%93-was-soll-man-davon-halten">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen kam Herr PD Dr. Wicht mit der mail eines Studierenden in die Redaktion. Es ging um Herrn <strong>von Hagens „Anatomy for beginners</strong>“.<br />
Mit der Sektion des menschlichen Körpers betreten wir eine Tabuzone, das Aufschneiden von Menschen ist in den meisten Kulturkreisen nur in engen Grenzen ethisch vertretbar. Trotzdem basiert unser moderner Anatomie-Unterricht immer noch auf der Sektion echter Körper. Nur dadurch werden der künftige Arzt und die künftige Ärztin mit der menschlichen Anatomie so vertraut, wie ihre spätere Arbeit es verlangt. Im Anatomie-Unterricht überschreiten die jungen Studierenden eine Grenze: sie arbeiten zum ersten Mal in ihrem Leben direkt an einem menschlichen Körper. Sie gehören für viele Medizin-Studierende zu den härtesten Lektionen ihrer Ausbildung. Dabei lernen sie neben dem anatomischen Basiswissen auch, respektvoll mit den Körpern der Körper-Spender umzugehen.</p>
<p>Wir halten das Thema für sehr wichtig und haben darum ein Dossier dazu zusammengestellt, in dem wir uns <strong>„Anatomy für beginners“ </strong>aus verschiedenen Perspektiven nähern:<br />
<strong>„Ist das Lehre?“</strong><br />
<strong>„Darf man das?“</strong><br />
<strong>„Ist das Kunst?“<span id="more-5476"></span></strong></p>
<p>Dazu gibt es Statements von und Gespräche mit verschiedenen Personen, u. a. mit dem Ethik-Komitee des Universitäts-Klinikums der Goethe-Universität und einen Gastbeitrag von Herrn PD Dr. Wicht.</p>
<p><em>Bettina Wurche</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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