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Medizinstudium: Curriculum für den klinischen Studienabschnitt

„Lernzielkataloge für alle Fächer und Semester!“, so lautete eine der Forderungen der Studentenschaft im vergangenen November (lesen Sie dazu auch „PULS.“: „Medizinstudium: Proteste auf dem Medizin-Campus 2009. Und nun?“

Der Studiendekan Herr Prof. Dr. Nürnberger (bis 10.2010 auch für klinischen Studienabschnitt zuständig) sagt dazu: „Ein Curriculum für den klinischen Studienabschnitt war dringend notwendig und schon vor November 2009 geplant.“

Frau Seling hat von März bis November 2010 ein erstes Curriculum für den zweiten Studienabschnitt zusammengetragen und erarbeitet.
„PULS.“ hat sie zu dieser Arbeit interviewt:

Interview mit Frau Seling zum Curriculum:

„PULS.“: „Das erste Curriculum für den Fachbereich 16 war so eine Art Pionierarbeit. Wie sah der Arbeitsablauf aus?“
Fr. Seling: „Das lief in mehreren Schritten ab:
Wir haben mit der Recherche und dem Sammeln aller verfügbaren Informationen über verschiedene Quellen angefangen. Dann forderten wir die noch fehlenden Informationen bei den einzelnen Zentren an. Diese Inhalte wurden von den einzelnen Instituten und Kliniken erstellt. Zuletzt kam die Ergänzung fehlender Inhalte durch die Erstellung von Vorlagen aus allen vorliegenden Informationen, Diskussion und deren Überarbeitung.“

„PULS.“:„Wie sieht ein gutes Curriculum aus?“
Fr. Seling: „Die Mindestforderung umfasst
-          aktuelle Vorlesungspläne
-          Übersicht über die Inhalte jedes Faches
-          Organisatorische Übersicht: In welchem Semester müssen welche Prüfungen abgelegt werden?

Ein gutes Curriculum bietet darüber hinaus auch
-          einen Lernzielkatalog
-          detaillierte Angaben über den Lernumfang.
In manchen Fächern ist im Curriculum der Lernzielkatalog enthalten, in anderen nicht.“

„PULS.“: „Was bietet das Curriculum den Studierenden?“
Fr. Seling: „Es ist die Abbildung des derzeitigen Ist-Zustandes. Es enthält alle aktuellen Vorlesungspläne für das WS 2010/2011.
Darin sind u. a. auch organisatorische Details enthalten. Manche Curricula waren schon sehr detailliert, z. B. mit Lernzielkatalog, andere waren noch ausbaufähig.“

„PULS.“: „Bietet ein Curriculum auch den Dozenten Vorteile?“
Fr. Seling: „Ja. Durch die Abbildung des Ist-Zustandes kann es den Dozenten als Leitfaden dienen.“

„PULS.“: „Welche Relevanz hat das Curriculum? Ist es für die Studierenden zuverlässig, z. B. bei der Prüfungsvorbereitung?“
Fr. Seling: „Der Dekan betont die „Freiheit der Forschung und Lehre“.
Die Approbationsordnung gibt nur vage Hinweise auf die genauen Inhalte der Ausbildung. Das Curriculum ist keinesfalls automatisch ein Lernzielkatalog.
Was in den Klausuren geprüft wird, entscheiden die Zentren bzw. Dozenten.
Das Curriculum ist nicht automatisch angepasst an die IMPP-Gegenstandskataloge und die vom IMPP zusammengestellten Staatsexamens-Prüfungen.“

„PULS.“: „Wo ist das Curriculum zu finden?“
Fr. Seling: „Das Curriculum steht nun auf der Hauptseite  im klinischen Studienabschnitt (analog zum vorklinischen Studienabschnitt).
Die Curricula der einzelnen Zentren sind auch auf der Hauptseite unter den einzelnen Fächern zu finden:
Die Print-Ausgabe wurde nur an die Studierenden des 1. klinischen Semesters ausgeteilt. Bisher sind keine weiteren Druck-Exemplare vorrätig.
Alle anderen Semester werden gebeten, sich online das pdf anzusehen oder herunterzuladen.
Es ist geplant, künftig allen Studierenden des 1. klinischen Semesters das Curriculum in Buchform anzubieten.“

„PULS.“: „Bisher ist das Projekt der erste Schritt. Viele Inhalte müssen noch ergänzt oder nachgebessert werden. Wie geht es damit jetzt weiter?“
Fr. Seling: „Jetzt ist erstmals ein Curriculum für den klinischen Studienabschnitt erstellt worden. Das müsste auch weiterhin gepflegt werden. Wichtig wäre die Optimierung durch Einarbeitung von Ergänzungen und Aktualisierungen. Darum sind Rückmeldungen von Dozenten und Studierenden dringend erbeten.“

„PULS.“: „Wie sehen die Curricula anderer Medizin-Fakultäten aus?“
Fr. Seling: „Sehr unterschiedlich und nur teilweise extern abrufbar. An manchen Fachbereichen gibt es gar keine, an anderen Fachbereich sind sie vorhanden, manchmal sogar detailliert ausgearbeitet. Manche davon sind passwortgeschützt.“

„PULS.“: „Dabei könnte ein gutes und aussagekräftiges Curriculum doch auch für z. B. Studieninteressierte durchaus ein Kriterium sein. Es wäre im Interesse der Hochschulen, ein aussagekräftiges Curriculum auf der Homepage zu präsentieren. Das ist ein Signal, dass Lehre in der jeweiligen Fakultät ernst genommen wird.”

Das Curriculum für den klinischen Studienabschnitt für die Frankfurter Medizin-Studierenden ist auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorn.

BW

„PULS.“ dankt Frau Seling für das Gespräch.

Das Gespräch mit Frau Seling führte „PULS.“-Redakteurin Bettina Wurche.

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