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Ethik: Deutsche Chirurgen zwischen 1933 und 1945

Der FR-Beitrag „Täter in Weiß“ (Torsten Harmsen) vom 28.06.2011 erinnert an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte: „Vor wenigen Tagen – 66 Jahre nach Kriegsende – hat die einst 2600 Mitglieder zählende Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) erstmals eine Liste von 217 Kollegen veröffentlicht, die in der NS-Zeit aus Praxis und Klinik verjagt, in Konzentrationslager gesteckt, ausgebürgert, in den Freitod getrieben oder ermordet wurden.“

Die bedrückenden Ergebnisse dieser Aufarbeitung sind in „Deutsche Gesellschaft für Chirurgie – 1933-1945. Die Reden der Präsidenten“ publiziert, weitere Publikationen sollen folgen.Der Bericht zeichnet mit den Reden der damaligen DGCH-Präsidenten ein Bild des damaligen Denkens in Teilen der Ärzteschaft und ihr Verhältnis zur Nazi-Ideologie.Der Historiker Heinz-Peter Schmiedebach betont, dass der Bericht kein allgemeines Urteil über diese Ärzte fällt, sondern eher als Warnung verstanden werden sollte, Vorurteile gegenüber Personengruppen sehr kritisch zu betrachten.Die Autoren der Berichte weisen auf Parallelen der Kosten-Nutzen-Bewertung im Gesundheitswesen nach 1933 und aktuellen Überlegungen zu einem Nachdenken über mögliche Rationierung von Gesundheitsleistungen im Sinne einer Gesundheitsökonomie hin.

Lesen Sie dazu auch: „Ein Zeichen gegen das Verschweigen und Vergessen – Die DGCH zwischen 1933 und 1945″

NS-Opfer der Goethe-Universität

Die Nazi-Ideologie hatte bedrückende Auswirkungen auf alle Bereiche der Wissenschaft. In der “PULS.”-Kategorie “Vorgestellt” finden Sie mit Tilly Edinger, Ernst und Berta Scharrer und Ruth Moufang weitere WissenschaftlerInnen, die unter dem menschenverachtenden Regime gelitten haben. Sie stehen für unzählige andere, die verfolgt oder ermordet wurden oder in Selbstmord oder Emigration getrieben wurden.

Bettina Wurche

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