Ruth Moufang (* 10. Januar 1905 in Darmstadt; † 26. November 1977 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Mathematikerin. 1924 machte sie als eine der ersten Frauen am Kreuznacher Realgymnasium das Abitur, 1930 promovierte sie als erste Frau in Mathematik und 1974 wurde sie als erste Frau außerordentliche Professorin für Mathematik.
Warum wird eine Mathematikerin in „PULS.“, dem News-Magazin für Medizin-Studierende vorgestellt?
Weil nach ihr der Ruth Moufang-Fonds benannt worden ist, der Maßnahmen zur Karriereförderung von Studentinnen und Wissenschaftlerinnen an den Fachbereichen der Goethe-Universität finanziert.
Aus diesem Fonds gibt es am Fachbereich Medizin ab sofort eine „Finanzielle Unterstützung zur Notfallkinderbetreuung während der Prüfungszeiträume“.
Über diese spezielle Fördermaßnahme erfahren Sie mehr im “PULS.”-Beitrag “Aktuell: Ruth-Moufang-Fonds – Notfallhilfe für Studentinnen mit Kindern”.
Außerdem können Sie sich dazu auch an die “Arbeitsstelle für Individuelle Studienberatung” wenden.
Ruth Moufang – Mathematikerin aus Leidenschaft
1930 schrieb sie ihre Dissertation zum Thema “Zur Struktur der projektiven Geometrie der Ebene“.Ab 1934 erhielt sie Lehraufträge an der Fakultät für Mathematik der Johann Wolfgang von Goethe-Universität, die nur aus Hörergeldern bezahlt wurden. 1931 bis 1934 publizierte sie sieben Schriften, „die ihren Ruhm und Ruf in den Grundlagen der Geometrie und in der Theorie der projektiven Ebenen begründeten.“
1936 habilitierte sich Ruth Moufang über das Thema geordneter Schiefkörper, erhielt aber keine Venia legendi.
Obwohl ihr die Dozenten und Professoren des Fachbereichs ausgezeichnete Fachkenntnisse und hervorragend didaktische Fähigkeiten in der Vermittlung komplexer mathematischer Fragen bescheinigten, erhielt sie keine Berufung zur Professorin. Zu dieser Zeit war eine weibliche Hochschullehrerin so ungewöhnlich, dass die Fakultät das Ministerium um die Erlaubnis bitten musste.
Und das Ministerium lehnte ab!
Nach der ersten Ablehnung wendete sich Ruth Moufang in einem persönlichen Schreiben nochmals an das Ministerium und erhielt wieder eine Absage:
Die Antwort des Ministeriums auf ihre Anfrage gibt einen tiefen Einblick in die NAZI-Weltanschauung:
„Da dem Dozenten im Dritten Reich außer seinen wissenschaftlichen Leistungen wesentlich erzieherische und Führereigenschaften voraussetzende Aufgaben zufallen und die Studentenschaft fast ausschließlich aus Männern besteht, fehlt dem weiblichen Dozenten künftig die Voraussetzung für eine ersprießliche Tätigkeit.
Die Reichshabilitationsordnung hat mit Einführung des Gemeinschaftslagers (Wehrsportlager und Dozentenakademie) bereits einen ausschließlich männlichen Hochschullehrernachwuchs im Auge gehabt. Bei dieser Sachlage ist es mir leider nicht möglich, Ihnen die Erteilung der Dozentur in Aussicht zu stelle. Gegen eine forschende Tätigkeit an einer Hochschule oder in einer Forschungsanstalt bestehen jedoch keine Bedenken. (…)“.
Das Nazi-Regime erlaubte keine weiblichen Wissenschaftler, zu Hitlers Zeiten wurden Frauen nicht für wissenschaftliche oder andere berufliche Leistungen sondern bestenfalls mit dem Mutterkreuz für Leistungen als Gebärende und Mutter ausgezeichnet.
Wegen dieser erneuten Absage aufgrund ihres Geschlechts suchte die Mathematikerin sich einen Arbeitsplatz in der Industrie:
Ab 1937 arbeitete sie im Forschungsinstitut der Firma Krupp als wissenschaftliche Assistentin für Mathematik und theoretische Physik, 1942 wurde sie die Abteilungsleiterin. Nebenbei publizierte sie in Zeitschriften für Mathematik und angewandte Mechanik.
Ab 1946 arbeitete Ruth Moufang wieder im Mathematischen Seminar an der Universität in Frankfurt: sie hatte mit 10-jähriger Verspätung die Venia Legendi erhalten.
Nach dem mörderischen Krieg fehlte es an männlichen Mathematik-Professoren: viele waren in die Emigration getrieben worden, in Gefangenschaft geraten oder gefallen.
1947 wurde sie außerplanmäßige Professorin, allerdings mit einem sehr geringen Gehalt. 1957 wurde sie dann in einem komplizierten Verfahren zum persönlichen Ordinarius berufen, arbeitete allerdings weiterhin zum gleichen sehr niedrigen Gehalt. Bis zu ihrer Emeritierung 1970 lehrte sie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Obwohl sie aufgrund ihres Geschlechts während ihrer gesamten Karriere massiv benachteiligt worden ist, hat ihre mathematische Arbeit höchste Anerkennung ihrer Fachkollegen erhalten. Nach ihr sind die Moufang- Ebene, die Moufang- Identitäten und der Moufang- Loop benannt worden.
Seit 2006 gibt es im am Campus Riedberg die Ruth Moufang-Straße.
Bettina Wurche
Zum Weiterlesen:
http://www5.in.tum.de/lehre/seminare/math_nszeit/SS03/vortraege/innen/ruthMoufang.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Moufang
http://www.mathematikerin.de/moufang.htm