Kurze Geologie des Campus Niederrad
Der Blick in die Baugruben ermöglicht Einblicke in die geologischen Verhältnisse unter dem Gelände, die normalerweise unter Grünfläche, Asphalt oder Gebäuden verborgen sind. Die geologischen Informationen erzählen die Geschichte dieses Mainufer-Abschnitts der letzten Jahrmillionen.
Ein Gespräch mit Herrn Dr. Keller, dem Leiter der Paläontologischen Denkmalpflege, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, gab tiefe Einblicke in die Entstehung des Untergrundes.
Der Rhein fließt seit vielen Jahrmillionen durch den Rheingraben, einen gigantischen Grabenbruch, der bis heute tektonisch aktiv ist. Damals waren die Flüsse noch nicht begradigt, der Rhein floss durch eine urtümliche Landschaft der Nordsee entgegen. Zwischen Schwarzwald und Taunus floss er wegen des geringen Gefälles gemächlich, im Bereich des Rheinischen Schiefergebirges schnitt er sich mit gewaltigen Kräften tief in die Gesteinsschichten ein. An den Ufern des Rheins lagerten sich Sandlagen ab. Dieser Sand stammt überwiegend aus dem Main, wurde über weite Strecken transportiert und schließlich am Rheinufer angeschwemmt.
Der Medizin-Campus steht vor allem auf diesem Schwemmsand.
Was heißt „tektonisch aktiv“? Erdbeben in Frankfurt?
Der Rheingraben ist nicht einfach ein Flussbett, sondern eine 300 Millionen Jahre alte Grabenbruchstruktur. Er ist in seiner geologischen Ausdehnung und Bedeutung dem ostafrikanischen Grabenbruch vergleichbar!!!
Bis heute senkt sich der Rheingraben jährlich ca 1 mm, die Gebirge am Rande heben sich bis zu 0,5 mm pro Jahr.
Das erscheint lächerlich wenig.
Fakt ist, dass hier überhaupt noch eine regelmäßige Bewegung vorhanden ist, was auf gewaltige Kräfte im Untergrund hindeutet.
Im Rheingraben gibt es bis heute regelmäßig Erdbeben.
Und wegen der Erdbebengefahr mussten die derzeitigen Bauvorhaben auch aufgrund höherer Erdbeben-Sicherheitsstufen nachgerüstet werden, was noch einmal eine zusätzliche Teuerung bedeutet hat.
Glücklicherweise hat es im Rheingraben seit langer Zeit keine schweren Erdbeben gegeben, so dass man diese Information einfach mit einem leichten Gruseln genüsslich aufnehmen und weitererzählen kann.
Schreckenstiere und Nilpferde am Rheinufer
Der angeschwemmte Sand enthält an anderen Stellen, nicht weit entfernt von Frankfurt, umfangreiche Fossilfunde aus den letzten Jahrmillionen:
Vor 10 Millionen Jahren stapften hier Dinotherien (Schreckenstiere), durch den dichten Wald am Rheinufer. Diese urtümlichen Rüsseltiere mit je zwei Stoßzähnen im Ober- und Unterkiefer wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt und sorgten damals für erhebliches Aufsehen. Wie ihr Name schon sagt…
Etwa jünger sind die Rhein-Flusspferde, die sich vor 120.000 Jahren während einer Warmzeit im Fluss tummelten. Leider sind auf dem Areal des Medizin-Campus bisher keine spektakulären Fossilfunde ans Tageslicht gekommen.
(Oder glücklicherweise.
Fossilfunde sind fast so „schlimm“ wie römische oder andere archäologische Artefakte. In beiden Fällen stehen dann sofort Paläontologen (für Fossilien) bzw. Archäologen (für Römerzeug u. a.) für Grabungen parat. Und dann kann das mit dem Bauen noch etwas länger dauern als geplant.)
Falls Sie auf dem Campus-Areal wider Erwarten dennoch ein Mammutskelett o. ä. finden sollten, würde sich Herr Dr. Keller sehr darüber freuen: Paläontologen sind davon überzeugt, dass man nie genug Fossilien haben kann.
Geopfad in Frankfurt
Falls Sie mehr über den geologischen Untergrund der Stadt Frankfurt wissen möchten: der Fachbereich Geowissenschaften hat einen Geopfad eingerichtet.
Zwischen den Haltestellen Römerstadt (U1) bzw. Parkplatz Hadrianstraße (Minigolfplatz) und Campus Riedberg (Buslinie 29, 26) liegt der 7,5 km lange Pfad.
„An zehn Stationen bringt Ihnen der Geopfad „Stadt-Land-Fluss“ geographische und geowissenschaftliche Sachverhalte näher […].
Er erklärt Zusammenhänge zwischen tieferem Untergrund, Landschaft und Gewässer, der Nutzung des Gesteins und des Bodens bis hin zur Stadtplanung und gegenwärtigen Bebauung.“
bw
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