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	<title>puls. &#187; Anatomie</title>
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	<description>News-Magazin des FB Medizin der Goethe-Uni</description>
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		<title>Gedenkfeier für die Körperspender am 09. Juli 2014</title>
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		<pubDate>Fri, 02 May 2014 07:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus-Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
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		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Mittwoch, dem 9. Juli 2014, findet um 13 Uhr die offizielle Gedenkfeier für die Körperspender der Dr. Senckenbergischen Anatomie in der Trauerhalle des Frankfurter Hauptfriedhofes statt (Eckenheimer Landstraße 196, Haltestelle Hauptfriedhof der U5). Alle Mitarbeiter und Studierenden des Universitätsklinikums &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/gedenkfeier-fuer-die-koerperspender-am-09-juli-2014">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_848" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/06/Grabstätte-Körperspender_Detail.gif"><img class="wp-image-848 size-medium" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/06/Grabstätte-Körperspender_Detail-300x214.gif" alt="Grabstätte Körperspender" width="300" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Grabstätte der Körperspender, Frankfurter Hauptfriedhof</p></div>
<p>Am Mittwoch, dem 9. Juli 2014, findet um 13 Uhr die offizielle Gedenkfeier für die Körperspender der Dr. Senckenbergischen Anatomie in der Trauerhalle des Frankfurter Hauptfriedhofes statt (Eckenheimer Landstraße 196, Haltestelle Hauptfriedhof der U5).<br />
Alle Mitarbeiter und Studierenden des Universitätsklinikums sind zur Teilnahme eingeladen.</p>
<p>Die Gedenkfeier für die Körperspender der Dr. Senckenbergischen Anatomie findet in der Trauerhalle des Frankfurter Hauptfriedhofes einen würdigen Rahmen.<br />
In die Deckel der schlichten Urnen sind die Namen der Körperspender eingraviert: Die für den Präparationskurs anonymisierten Verstorbenen erhalten mit dieser Zeremonie ihre Namen zurück. Die Urnen sind umrahmt von Blumenschmuck, auf manchen steht ein Portrait des oder der Verstorbenen. Viele Hinterbliebene suchen vor dem Beginn der Feier noch einmal den direkten Kontakt mit der Urne ihres Angehörigen oder Freundes.<span id="more-9978"></span></p>
<div id="attachment_849" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/06/Grabstätte-Körperspender.gif"><img class="size-medium wp-image-849" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/06/Grabstätte-Körperspender-300x219.gif" alt="Grabstätte-Körperspender" width="300" height="219" /></a><p class="wp-caption-text">Grabstätte-Körperspender, Gewann 308-313</p></div>
<p>Die Gedenkfeier ist kein Gottesdienst, sondern eine Feier, auf der sich Angehörige der Verstorbenen und die Studierenden und Dozenten zu einem gemeinsamen Gedenken und Dank über die Konfessionen hinaus zusammen finden. Die Studierenden gestalten das Programm und tragen die Urnen &#8211; so zeigen sie den Körperspendern ihren Dank.</p>
<p>Seit 2003 werden die Überreste der Körperspender für die Anatomie-Kurse der Frankfurter Medizinstudierenden in einer historischen Grabstätte auf dem Frankfurter Hauptfriedhof<br />
beigesetzt. Damals hatte das <a title="Grabstätte für die Körperspender auf dem Frankfurter Hauptfriedhof" href="https://puls.meertext.eu/ethik-grabstatte-fur-die-korperspender-auf-dem-frankfurter-hauptfriedhof" target="_blank">Anatomische Institut die Patenschaft für die Grabstätte einer erloschenen Frankfurter Aristokratenfamilie auf dem historischen Friedhof</a> übernommen.</p>
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		<title>Die Krankenakte „Catus“: Senckenbergs Kater!</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Apr 2014 08:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus-Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[Cat-Content im Gelehrten-Tagebuch: In Senckenbergs ärztlichen Tagebüchern gibt es auch Aufzeichnungen zum Patienten „Catus“. Beim Lesen des Tagebuch-Bandes Nr. 41 (Jan. 1760/ Dez. 1762) wurde Frau Dr. Marschall plötzlich bewusst, dass es bei einem umfangreichen Eintrag (ca. 20 Seiten) nicht &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/die-krankenakte-catus-senckenbergs-kater">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9847" style="width: 367px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/04/Senckenbergs-Kater-Catus.gif"><img class=" wp-image-9847 " alt="Senckenbergs Kater Catus" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/04/Senckenbergs-Kater-Catus.gif" width="357" height="303" /></a><p class="wp-caption-text">Senckenbergs Kater Catus</p></div>
<p><strong>Cat-Content im Gelehrten-Tagebuch:</strong><br />
In <a title="Senckenbergs Tagebücher – Patientenakten, Tratsch und Cat-Content" href="http://puls.meertext.eu/senckenbergs-tagebucher-patientenakten-tratsch-und-cat-content" target="_blank">Senckenbergs ärztlichen Tagebüchern</a> gibt es auch Aufzeichnungen zum Patienten „Catus“.<br />
Beim Lesen des Tagebuch-Bandes Nr. 41 (Jan. 1760/ Dez. 1762) wurde Frau Dr. Marschall plötzlich bewusst, dass es bei einem umfangreichen Eintrag (ca. 20 Seiten) nicht um einen zweibeinigen, sondern um einen vierbeinigen Patienten ging: Um Senckenbergs Kater!<br />
<i>(</i><em>Felis silvestris catus </em>ist die wissenschaftliche Bezeichnung der Hauskatze.)<br />
„Die Krankenakte zum Kater ist ein echtes „Schmankerl““, meint Frau Dr. Marschall, „Senckenberg schildert hier detailliert die letzten Lebenstage seines Katers, dann die von ihm und einem Arztkollegen vorgenommene &#8220;Sectio&#8221; (er &#8211; der Kater &#8211; war viel zu fett), dann das Begräbnis und am Schluss gibt es auch noch einen Nachruf.“<br />
Bereits in Tagebuchaufzeichnungen aus früheren Jahren wird der Kater erwähnt: So widmet Senckenberg im Band 21, in dem eine Reihe persönlicher Schicksalsschläge festgehalten ist &#8211; 1743 starb seine erste Ehefrau, in den folgenden Jahren seine beiden Kinder und schließlich im Dezember 1747 seine zweite Frau &#8211; die letzte Eintragung zum Jahr 1747 dem „Catus“. „Man kann sich hier bildlich vorstellen, wie Senckenberg alleine mit seinem Kater saß &#8211; das Katzenvieh war irgendwie alles, was ihm geblieben war“, meint Frau Dr. Marschall. Senckenberg hat zwar noch ein 3. Mal geheiratet, mit seiner dritten Frau verstand er sich allerdings nicht so gut, man trennte sich einvernehmlich und 1756 verstarb auch sie.</p>
<p>Den Kater hatte er offenbar im Zusammenhang mit einer schweren Entbindung geschenkt bekommen und schnell ins Herz geschlossen. Das pelzige Haustier wird jedenfalls immer mal wieder in den Tagebüchern erwähnt:<span id="more-9844"></span></p>
<p>„Catus forte pulcherrimus<br />
certe amplissimus<br />
inter pingues tota<br />
urbe,<br />
[Mein Kater war vielleicht der schönste, sicher aber der `geräumigste´ von allen fetten in der ganzen Stadt.]<br />
colore weiß v. schwartz-<br />
fleckig<br />
18 Jahr alt“,<br />
notiert Senckenberg stolz im Nachruf auf ihn.</p>
<p><strong>Das Portrait des Katers<br />
</strong>1751 ließ Senckenberg „Catus“ sogar porträtieren!<br />
Der renommierte Landschaftsmaler Johann Benjamin Ehrenreich malte das Tier in Öl auf Leinwand im Format 62,5 x 78 cm. Die Katze wirkt auf dem Portrait etwas deformiert und unnatürlich – das dürfte daran liegen, dass Johann Benjamin Ehrenreich kein Tiermaler war, sondern sich durch spätbarocke Landschaften hervorgetan hat. Eine enorm fette, schwarz-weiße Katze liegt, auf ihre eigenen Speckwülste gebettet, und funkelt den Betrachter aus gelben Augen an. Unter der linken Pfote liegt eine Maus. Das Statussymbol (hier: Die Maus) und der Vorhang im Hintergrund gehören zur Ikonographie von Portraits in dieser Zeit. Der Kater wird also vermenschlicht und als Persönlichkeit dargestellt. Senckenberg selbst spricht in seiner Tagebucheintragung 1761 hier von der `magnitudo´, „quam et in tabula ante annos aliquot Ehrenreich felis pictor, expressit.“</p>
<p><strong>Cat-Content im Gelehrten-Tagebuch<br />
</strong>&#8220;Soffe, frasse, lage v. schlief<br />
meist, wie faule leute,<br />
hinc illa enormis pin-<br />
guedo. frasse v. soffe<br />
wohl, v. wollte auch s.<br />
Ruhe dabey haben.&#8221;<br />
(pinguedo: Fettleibigkeit).<br />
„Irgendwie erinnert mich das an einen gewissen Garfield&#8230;“ meint Frau Dr. Marschall.<br />
Da ist sie nicht die Einzige.</p>
<p>Der Kater scherte sich nicht im Geringsten um die Vorstellungen von gesunder Ernährung seines Herrchens, sondern fraß am liebsten Bratwurst und Kalbfleisch, dazu trank er gern Milch.<br />
Dafür erfreute der Stubentiger den Arzt mit seiner Anhänglichkeit und einigen Kapriolen: Von der liebevollen Begrüßung über das Krallenwetzen am „Kleiderholz“ (Stummer Diener) im Hof bis zur Verfolgung der Mägde, die er gern in die Füße biß. „Ein artiges lustiges thier“ schreibt das Katzenherrchen stolz. Und philosophiert darüber, dass doch auch eine Katze einen Wert habe.</p>
<p><strong>Senckenbergs Kater: Tod, Sektion und Nachruf<br />
</strong>Schließlich ging es dem Kater immer schlechter und Senckenberg beschrieb detailliert die letzten Tage seines geliebten Katzenviehs. Eines Tages mochte „Catus“ kaum noch fressen, nicht einmal mehr seine Lieblingsspeise – Bratwurst. Nur noch etwas Kalbfleisch nahm er zu sich und Milch.<br />
Dann mochte er auch keine Milch mehr trinken und nahm nur noch etwas Wasser. Der Kater wurde zusehends schwächer und hinfälliger:</p>
<p>„Da das thier viele tage<br />
wenig oder nichts gegessen<br />
wenige Milch in den ersten<br />
tagen, aber zuletzt<br />
viles Wasser getruncken v. […]<br />
wurde der Cörper der<br />
sehr schwer war, nur<br />
um weniges leichter,<br />
wegen der großen Menge<br />
fettes.“<br />
notierte der besorgte Senckenberg die Symptome des siechen Katers genauso gewissenhaft wie die seiner menschlichen Patienten.</p>
<p>Dann ging es schließlich dramatisch zu Ende:<br />
„Kurtz vor dem todt lief er<br />
noch so schwach er war im<br />
straucheln, unter den<br />
waschkessel, so s.<br />
privet war, kam<br />
wieder in die stube,<br />
legte sich nieder, schrye<br />
wohl 6mahl laut,<br />
bekam Convulsiones<br />
v. starb schnell à meridie<br />
hora 4 die Mercurii <i>(<i>Mittwoch</i>) </i>15 April 1761.“</p>
<p>Seine Schlussfolgerung: Ein Tier stirbt genauso wie ein Mensch. Tiere und Menschen sind Geschöpfe Gottes.</p>
<p><strong>„Catus“: Der Sektionsbericht<br />
</strong>Senckenberg wäre nicht Senckenberg gewesen, wenn er den geliebten Kater nicht auch noch seziert hätte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Kißner machte er sich noch am selben Tag an die Pathologie: Sie waren erstaunt bis entsetzt, wie sich die Adipositas des Vierbeiners auch in den inneren Organen fortsetzte. Das Wort „fett“ (pinguis) taucht im Sektionsbericht jedenfalls sehr häufig auf:</p>
<p>„voll fett, renes lagen<br />
völlig bedeckt in fett.<br />
mesenterium voll fett<br />
panniculus […] voll<br />
fett überall erschröckl.<br />
stomachus war von<br />
galle gelb […]<br />
Hepar war klein<br />
v. braunroth, vertrock-<br />
net. decolor. […]<br />
In pectore<br />
pulmones flaccidi<br />
valde<br />
am Hertzen fett<br />
cor klein […]<br />
zu der gröse des thiers<br />
keine feste dicke<br />
Knochen, aber gros.<br />
das fett allein hatte das<br />
thier so dick v.<br />
ansehnlich gemacht.“</p>
<p><strong>Nachruf auf „Catus“</strong><br />
18 Jahre sind für eine Katze auf jeden Fall ein kapitales Alter – trotz Fettleibigkeit und Bequemlichkeit ist „Catus“ sehr alt geworden.<br />
Der treue Kater wurde dann in seinem Körbchen liegend im „Blumenstück“ eines Gartens am Eschenheimer Tor vom dortigen Gärtner bestattet „tief an einem weinstock der der beste im garten“, wobei Senckenberg noch akribisch notiert, dass er dem Gärtner dafür 12 Kreuzer gezahlt habe und der „Kehrfrau so das thier hinaus getragen“ 20 Kreuzer.</p>
<p>Zum Abschied schrieb Senckenberg noch einen Nachruf:<br />
„Etwa 18 Jahr alt,<br />
sehr fett,<br />
fraß er zuletzt sehr viel,<br />
lag viel und schlief viel,<br />
14 Tage vor dem Tod fraß er nicht mehr,<br />
war eben fett und alt.<br />
Hörte und sah zuletzt nicht recht mehr,<br />
so er sollte Mäuse fangen,<br />
ließe er sie laufen.<br />
Fraße Brot, Fleisch, am liebsten Kalbfleisch,<br />
trank nicht Milch, zuletzt Wasser.<br />
Lag viel.<br />
Hätte vielleicht noch länger gelebt,<br />
so er nicht so wohl und fett gehalten,<br />
item mehr Motion gehabt hätte.<br />
War immer lustig und<br />
fienge s. Ratten v. ward so<br />
wie die alte thiere sind<br />
sehr klug.“</p>
<p>Irgendwie scheint Senckenberg es ohne Katzenvieh doch nicht ausgehalten zu haben, jedenfalls berichtet er im Jahre 1763, dass er sich einen Kater angeschafft habe… doch wie es mit diesem weiterging?<br />
Die Tagebücher bergen bestimmt noch viele Geheimnisse – es bleibt spannend.</p>
<p>puls. dankt Frau Dr. Veronika Marschall und Herrn Dr. Jehn herzlich für das herrliche Interview!</p>
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		<item>
		<title>Senckenbergs Tagebücher – Patientenakten, Tratsch und Cat-Content</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Apr 2014 14:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Campus-Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Frankfurter Arzt, Naturforscher und Stifter Johann Christian Senckenberg (* 28. Februar 1707 in Frankfurt am Main; † 15. November 1772 ebenda) ist mit der Stadt Frankfurt und der Goethe-Universität aufs Engste verknüpft. Er ist eine der wichtigsten historischen Persönlichkeiten &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/senckenbergs-tagebucher-patientenakten-tratsch-und-cat-content">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9842" style="width: 343px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Senckenberg-Tischbein.gif"><img class=" wp-image-9842 " alt="Johann Christian Senckenberg" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Senckenberg-Tischbein.gif" width="333" height="419" /></a><p class="wp-caption-text">Johann Christian Senckenberg</p></div>
<p>Der Frankfurter Arzt, Naturforscher und Stifter Johann Christian Senckenberg (* 28. Februar 1707 in Frankfurt am Main; † 15. November 1772 ebenda) ist mit der Stadt Frankfurt und der Goethe-Universität aufs Engste verknüpft. Er ist eine der wichtigsten historischen Persönlichkeiten Frankfurts. Auch auf dem Medizin-Campus begegnet man ihm an vielen Stellen!</p>
<p>Die Universitätsbibliothek und 11 wissenschaftliche Institute tragen heute seinen Namen, dazu kommen die bekannte Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft und das Senckenberg-Museum. Das von ihm gegründete Bürgerhospital ist heute ein modernes Krankenhaus mit Senckenbergischer Tradition.<br />
Das verschrobene Universal-Genie starb 1772 bei einem Sturz vom Dach des Bürgerhospitals – kurz vor dessen Fertigstellung. Sein Leichnam wurde in dem von ihm gestifteten Theatrum anatomicum öffentlich seziert.</p>
<p><strong>Die geheimen Aufzeichnungen des Dr. S.</strong><br />
Neben seinen Stiftungen und Sammlungen hat Senckenberg auch einen umfangreichen schriftlichen Nachlass hinterlassen: „Von 1730 bis zu seinem Tod notierte Johann Christian Senckenberg in nahezu täglichen handschriftlichen Aufzeichnungen akribisch alles, was ihn bewegte. Insgesamt sind in der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg 53 gebundene Tagebücher mit etwa 38.000 Seiten vorhanden, dazu etwa 660 Mappen mit Aufzeichnungen von Senckenberg selbst, Dokumente zu Familienangehörigen, zur Dr. Senckenbergischen Stiftung und anderen Themen. Darüber hinaus befinden sich im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte zwei weitere Tagebuch-Bände mit etwa 1200 Seiten und viele andere Dokumente wie Urkunden, Haushaltungsbücher und mehr. Erstmals geordnet und in die heutige Form gebracht wurden die Tagebücher im 19. Jahrhundert von dem Frankfurter Stadtarchivar Georg Ludwig Kriegk“ erklärt Herr Dr. Jehn, der Leiter der Frankfurt-Sammlung und des Archivzentrums der UB.<br />
„Die Tagebuchbände 1 bis 18 enthalten die Aufzeichnungen aus den Jahren 1730-1742. Ab 1743, als Senckenberg in Frankfurt als Arzt etabliert war, nahm er bis zu seinem Tod 1772 seine Eintragungen auf losen, hochrechteckigen Notizzetteln vor. Kriegk teilte wohl diese Tagebuch-Bände 19-53 in „ärztliche“ und „nichtärztliche Tagebücher“ ein &#8211; in diesen drei Gruppen liegen die Tagebücher heute vor.“</p>
<p><strong>Wie war Senckenberg? munter – gelehrt – „stachelicht“!</strong><br />
Senckenberg schrieb in einer Mischung aus Deutsch und Latein mit griechischen und französischen Einsprengseln. Mit persönlichen Abkürzungen und Spezialzeichen in einer schwer zu entziffernden Handschrift. Der Inhalt der Tagebücher ist allerdings vielversprechend!<span id="more-9841"></span><br />
„Senckenberg ist, nach Auskunft seines Neffen Renatus, einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit gewesen. Wörtlich schrieb Renatus über seinen Onkel: „Im Umgang war er sehr munter, voller Anekdoten, und manchmahl recht witziger Einfälle, dabei auch offt stachelicht, immer aber für den der von ihm lernen wollte, sehr lehrreich. Letzteres zu sein ward ihm dadurch leicht, weil er würklich einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit war, wenn er schon in seinem ganzen Leben mehr durch Thaten als durch Schriften zu würcken sich bestrebte.“ erzählt Frau Dr. Marschall.<br />
Senckenberg war zwar ein umfassend gebildeter Gelehrter und ein interessierter Mensch: Er beschäftigte sich mit Medizin, Naturbeobachtungen, Meteorologie, Botanik, Philosophie, Theologie, Sprachen und anderen Themen. Seine Aufzeichnungen sind minutiös und die Schlussfolgerungen scharfsinnig.</p>
<p>Der gelehrte Arzt mochte allerding nicht gern publizieren, darum sind uns seine Beobachtungen und Überlegungen überwiegend aus den Tagebüchern bekannt. Mit seiner Dissertation über die Heilkraft der Samen des Maiglöckchens hat er sich schon sehr schwer getan – er ist sogar seiner eigenen Promotionsfeier fern geblieben! Dafür sind die Tagebücher umso wertvoller: Sie erlauben uns einen Blick in seinen Alltag und seine Gedankenwelt. In diesen Aufzeichnungen hat er sich „Luft gemacht“ und ihnen vieles anvertraut, was wohl eher nicht für andere Ohren (oder Augen) bestimmt war. Offenbar hat er sich so Überlegungen und Erkenntnisse, aber auch Ärger und Trauer von der Seele geschrieben.<br />
<strong>Die Entschlüsselung der Geheimschrift </strong><br />
2011 nahm die Literaturwissenschaftlerin Frau Dr. Veronika Marschall die Tagebücher in die Hand…und las!<br />
1730 nahm Senckenberg sein Studium in Halle auf und begann gleichzeitig mit seinen minutiösen „Observationes“ (wie diese ersten Tagebücher überschrieben sind) an sich und seinen Mitmenschen. Detaillliert schildert er seine Beobachtungen und Befindlichkeiten: Ein authentisches Bild seines Lebens vom Studium bis hin zum Stuhlgang, von der Wetterbeobachtung bis zum täglichen Speiseplan.<br />
Ausführliche Notizen zur zeitgenössischen Medizin, Pharmazie, Botanik, Physik, Chemie, Mineralogie, incl. täglicher Wetterbeobachtungen, Astronomie, zur Literatur, zum damaligen Wissenschaftsbetrieb und Reiseberichte: „Die erste Tagebuchaufzeichnung im Mai 1730 betrifft bezeichnenderweise Senckenbergs gepuderte Lockenperücke, ohne die er nicht aus dem Haus ging und die auf der Reise von Frankfurt nach Halle per Postkutsche etwas gelitten hatte“:</p>
<p><a title="UB Uni Frankfurt Senckenberg" href="http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/senckenberg/content/pageview/5245146" target="_blank">„Da in vorigem Monat auff der Reise nach</a><br />
Halle mein Haar eine Weile nicht pouderte, mu-<br />
ßte sehen daß es gantz fett, von dem Sale volatili<br />
oleoso per poros vel sensibiliter[…]  insensibiliter<br />
excerni solito.“</p>
<p>Demgegenüber vermitteln die<strong> Aufzeichnungen in den „nichtärztlichen“ Tagebüchern</strong> ein lebhaftes und oft mit sehr spitzer Feder formuliertes Bild der Stadt Frankfurt und ihrer Bewohner über Jahrzehnte hinweg. Die „Notizzettel“ umfassen hierbei alle nur denkbaren Bereiche: So erfährt man neben vielem Unbekannten aus der Geschichte Frankfurt gleichzeitig Wissenswertes im Hinblick auf die zeitgenössische Medizin, Pharmazie, Botanik, die neuesten Erkenntnisse zu Chemie, Physik, Mineralogie, Meteorologie… Daneben bergen die Aufzeichnungen Notate, die interessant sind für Wissenschafts- und Universitätsgeschichte, Theologie, Philosophie, Psychologie, Literaturgeschichte, Literaturwissenschaft, Wirtschaftsgeschichte, Kunstgeschichte,… und natürlich allgemein die Erforschung von Geschichte und Kultur der Frühen Neuzeit.</p>
<p>Seine <strong>philosophischen und theologischen Diskussionen</strong> mit anderen Gelehrten notierte er oft wortwörtlich. Diese Wortprotokolle geben uns heute einen Einblick in wissenschaftliche Diskussionsrunden und Diskurse zur Zeit der Aufklärung.</p>
<p>Die <strong>„ärztlichen“ Tagebücher enthalten regelrechte Krankenakten</strong>: Er beschreibt Krankheitsbilder und Symptome, Gespräche mit den Patienten, notiert seine Therapien und Rezepte und dokumentiert schließlich, sofern der Kranke verstarb, die Ergebnisse der Sektion. Je nach Patient umfassen diese Notizen bis zu 100 Seiten.<br />
Der damaligen Medizin entsprechend erklärte er viele Krankheiten mit dem Ungleichgewicht der Körpersäfte. „Seine wichtigste Therapieempfehlung war eine strenge Diät mit viel Gemüse, wenig Fleisch und ohne Alkohol, sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr, zum Beispiel durch Trinkkuren“ erzählt Frau Dr. Marschall. Damit erzielte er beachtliche Heilerfolge.</p>
<p>Interessanterweise war Senckenberg als Arzt nicht nur für Menschen zuständig, sondern manchmal auch für Tiere. Schließlich gab es zu dieser Zeit noch keine Tierärzte. Während einer Viehseuche in Frankfurt 1762/63 sorgte er sich um die vierbeinigen Patienten. Senckenbergs akribische Aufzeichnungen dazu finden sich in einem Sonderteil in den Tagebuchbänden auf die Jahre 1762/63.</p>
<p>Das war ein Teil seines Weltbildes, Senckenberg war ein frommer Mann und kümmerte sich um alle Geschöpfe Gottes – Menschen und Tiere. Das Gesundheitssystem des damaligen Frankfurt hielt er für erbärmlich und setzt sich nachdrücklich für Reformen ein. Da die Stadt Frankfurt untätig blieb, <a title="Wikipedia Bürgerhospital" href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerhospital_%28Frankfurt_am_Main%29" target="_blank">gründete er schließlich im Rahmen seiner Stiftung selbst das Bürgerhospital</a> und förderte gleichzeitig die Ausbildung der Ärzte und Chirurgen.</p>
<p><strong>Das Projekt Senckenberg<br />
</strong>In einem 2-jährigen Pilotprojekt, das von der Dr. Senckenbergischen Stiftung und der Universitätsbibliothek (UB) gemeinsam getragen wurde, wurden die <a title="UB Uni Frankfurt Senckenberg" href="http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/senckenberg" target="_blank">„nichtärztlichen“ Tagebücher Senckenbergs der Jahre 1762/63 </a>digitalisiert (Bde. 42, 44 und 45) und eine <a title="Senckenbergische Stiftung: Die Tagebücher" href="http://www.senckenbergische-stiftung.de/die-tagebuecher.html" target="_blank">TEI-/XML-internetbasierte Paralleldarstellung von Digitalisat, Transkription und Erläuterungen</a> erarbeitet. Aufbauend auf diesen Vorarbeiten sollen nun in einem Anschlussprojekt, das durch die Universitätsbibliothek, die Dr. Senckenbergische Stiftung, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die Gemeinnützige Hertie-Stiftung gefördert wird, die Bände 1-18 aus den Jahren 1730 bis 1742 in eine heute lesbare Form gebracht und online zur Verfügung gestellt werden.<br />
Die Texte werden von der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg <a title="Senckenbergisceh Stiftung: Die Tagebücher" href="http://www.senckenbergische-stiftung.de/aktuelles_1.html" target="_blank"> herausgegeben</a>.</p>
<p>Ein gewaltiges Unterfangen! Aber der faszinierende Inhalt der Tagebücher rechtfertigt ganz bestimmt den Aufwand.</p>
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		<title>Der Zwischenkieferknochen (2): Goethe, der Zwischenkieferknochen und das Weltbild</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Mar 2014 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Dichter, Naturforscher und Namensgeber unserer Universität Johann Wolfgang Goethe entdeckte den Zwischenkieferknochen beim Menschen (wieder) und schrieb begeistert darüber (Dieser kleine Gesichtsknochen war vorher bereits mehrfach beschrieben worden, u. a. 1780 durch den französischen Arzt Félix Vicq d’Azyr und &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/der-zwischenkieferknochen-2-goethe-der-zwischenkieferknochen-und-das-weltbild">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der Dichter, Naturforscher und Namensgeber unserer Universität Johann Wolfgang Goethe entdeckte den Zwischenkieferknochen beim Menschen (wieder) und schrieb begeistert darüber (Dieser kleine Gesichtsknochen war vorher bereits mehrfach beschrieben worden, u. a. 1780 durch den französischen Arzt Félix Vicq d’Azyr und 1779 durch den deutschen Anatomen Johann Friedrich Blumenbach).</p>
<p>Der holländische Mediziner Peter Camper &#8211; der „Anatomie-Papst“ zu Goethes Zeit &#8211; hatte einen weiblichen Orang-Utan seziert und dabei das Os prämaxillare gesucht und gefunden. Bei Menschen hatte er den Zwischenkieferknochen jedoch vergeblich gesucht. Daraufhin stellte er den Lehrsatz auf: der Mensch unterscheide sich grundsätzlich von den Affen, weil der Mensch keinen Zwischenkieferknochen habe. Damals vertraten Kirchengelehrte und Naturforscher gleichermaßen die Ansicht, dass Menschen und Tiere sich auch anatomisch  grundsätzlich unterscheiden müssten<br />
Camper hatte sich offenbar weder einen menschlichen Säugling (mit Zwischenkieferknochen) noch einen erwachsenen Schimpansen (ohne Zwischenkieferknochen) angesehen.<span id="more-9819"></span></p>
<p>Goethe hatte die Fachliteratur dazu ebenfalls studiert und dabei bemerkt, dass die Gelehrten sich hier gar nicht einige waren, daraufhin untersuchte er selbst weitere Schädel:<br />
„Goethe jedoch ging […], nachdem er in den Fachnotizen stutzig geworden war, in das Jenaer Anatomische Institut zu dem ihm vertrauten Professor Loder und verglich alle dort vorhandenen Tierschädel mit Menschenschädeln. Sogar menschliche Embryonen waren in dieser Sammlung zu finden […].“<br />
Über diese (Wieder)-Entdeckung des Zwischenkiefers schrieb er begeistert an mehrere Freunde und beeinflusste so auch den Philosophen Herder, der gerade an seinem Werk „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ arbeitete.<br />
Angeblich wurde die besondere Position des Menschen gegenüber den Tieren durch das Nicht-Vorhandensein des Zwischenkieferknochens unterstrichen. Goethe hatte nun nachgewiesen, dass Menschen und Tiere auch das Os prämaxillare gemeinsam haben: „Welch eine Kluft zwischen dem Osse intermaxillari der Schildkröte und des Elefanten! Und doch lässt sich eine Reihe Wesen dazwischen stellen, die beide verbindet“. <a title="Zeit: Über den Zwischenkieferknochen" href="http://www.zeit.de/1983/26/ueber-den-zwischenkieferknochen" target="_blank">„Das Wort „Wesen“ strich er dann knapp zwei Jahre später im Original wieder aus und schrieb „Formen“ dafür. Das war wissenschaftlich einwandfreier.“ </a><br />
Damit hatte dieser kleine Knochen das damalige Weltbild beeinflusst!</p>
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		<title>Os prämaxillare – der Zwischenkieferknochen (1): Von Walen und Menschen</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Mar 2014 07:00:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
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		<category><![CDATA[Studenten]]></category>

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		<description><![CDATA[„Weißt Du eigentlich, wo Dein Os prämaxillare ist?“ fragte mich mein Kollege Herr Dr. Wicht vor einigen Tagen. „Ja, klar“ sagte ich und legte automatisch den Zeigefinder auf die Stelle zwischen den Schneidezähnen und der Nase. „Ach“ staunte Kollege Wicht, &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/os-pramaxillare-der-zwischenkieferknochen-1-von-walen-und-menschen">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Weißt Du eigentlich, wo Dein Os prämaxillare ist?“ fragte mich mein Kollege Herr Dr. Wicht vor einigen Tagen.<br />
„Ja, klar“ sagte ich und legte automatisch den Zeigefinder auf die Stelle zwischen den Schneidezähnen und der Nase.<br />
„Ach“ staunte Kollege Wicht, „unsere Studierenden wissen das nicht immer.“ und guckte mich fragend an.<br />
Das ist sehr einfach zu erklären: Ich habe mit großen Zahnwal-Schädeln gearbeitet, mit Schnabelwalen. Schnabelwale (Ziphiidae) haben ihren Namen von ihren langen Kiefern, sie sehen aus wie zu groß geratene Delphine – mit bis zu 12 Metern Körperlänge. Der Schnabel besteht im Oberkiefer aus Maxillare und Prämaxillare, das Prämaxillare ist lang gezogen und auch bei erwachsenen Tieren noch deutlich sichtbar. Bei „meinem“  Lieblings-Schnabelwal, dem  Nördlichen Entenwal<i>  (Hyperoodon ampullatus</i>,) ist der Schädel über 1,30 (bei Weibchen) 1,60 Meter, das Prämaxillare wird dann über 80 Zentimeter lang.<br />
„Da solltest Du mal was ´drüber schreiben…“ meinte Herr Dr. Wicht.</p>
<p><strong>Das Os prämaxillare (=Zwischenkieferbein)<br />
</strong>Also: Wissen Sie eigentlich, wo Ihr Os prämaxillare ist?<br />
Es ist das Os incisivum oder Zwischenbein.<br />
Direkt über und hinter ihren Schneidezähnen im Oberkiefer, da sitzt es. Es ist ein Teil des Gaumens.<br />
Beim Menschen klein und unscheinbar.<br />
Es grenzt an das Os nasale (Nasenbein, Nasale) und das Os maxillare (Oberkieferbein, Maxillare) und die Cartilago vomeronasalis.<br />
Oder vielmehr: sie. Schließlich handelt es sich um einen paarigen Knochen.<br />
Ein paariger Deckknochen des Gesichtsschädels der Wirbeltiere.</p>
<p>Das Os prämaxillare blickt auf eine lange evolutive Geschichte zurück:<a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Acanthodes-Urhai-Kiefer-Kopie.png"><img class="size-full wp-image-9812 alignright" alt="Acanthodes (Urhai)-Kiefer" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Acanthodes-Urhai-Kiefer-Kopie.png" width="440" height="225" /></a> Das paarige <b>Prämaxillare</b> (Zoologen und Paläontologen sparen sich das „Os“) entstand bei den ursprünglichen Knochenfischen (Osteichthyes) aus mehreren bezahnten Mundrandknochen und ergänzte den  „alten“ Oberkiefer der Ur-Haie.  Das ist jetzt etwas mehr als 350 Millionen Jahre her. Andere Teile des Urhai-Unterkiefers befinden sich heute in Ihrem Ohr. Aber wie das Quadratum zum Incus wurde,  das ist eine andere Geschichte.<span id="more-9809"></span></p>
<p>Seitdem ist ziemlich viel passiert. Zum Beispiel Amphibien und Reptilien, in deren Schädeln gewaltige Umstrukturierungen abliefen. Eine Gruppe der Reptilien ging einen ganz eigenen Weg und legte sich ein primäres Schädelfenster in der Schläfenregion hinter der Augenhöhle zu: Die Synapsida oder Säugetierähnlichen Reptilien. Irgendwann im tiefen Erdmittelalter, vor etwa 200 Millionen Jahren (Unter-Jura), entstanden aus ihnen die ersten säugetierartigen Reptilien und dann die ersten Säugetiere. Die frühen Säugetiere waren also Zeitgenossen der Dinosaurier. Der Dreh- und Angelpunkt in der Säugetierentwicklung ist das sekundäre Kiefergelenk.<br />
<iframe src="//www.youtube.com/embed/h2SoxS-Es9U" height="315" width="560" allowfullscreen="" frameborder="0"></iframe></p>
<p><strong>Prämaxillare der Säugetiere = Os incisivum der Menschen<br />
</strong>Doch zurück zum Prämaxillare…<br />
Bei den Säugetieren bildet das Zwischenkieferbein gemeinsam mit dem Maxillare (=Os maxillare) den zahntragenden Oberkiefer. Bei den meisten Säugern bleibt die Sutura incisiva zwischen Prämaxillare und Maxillare lange sichtbar. Beim Menschen allerdings verschmelzen beide Knochen schon vor der Geburt, daher wird das Os prämaxillare beim Erwachsenen nicht als eigener Knochen aufgeführt.  Diese Reduzierung  hängt damit zusammen, dass die vordere Gesichtsregion beim Menschen stark verkürzt ist.<br />
Das Os prämaxillare trägt die Schneidezähne.</p>
<p>Am Zwischenkieferbein werden ein Körper (Corpus) und drei Fortsätze unterschieden: Processus alveolaris (Zahnfachfortsatz), Processus nasalis (Nasenfortsatz) und Processus palatinus. Der <b>Ductus incisivus</b> („Zwischenkiefergang“) ist ein Verbindungsgang zwischen Nasen- und Mundhöhle im Bereich des Zwischenkieferbeins (<i>Os incisivum</i>). Bei einigen Säugetieren ist der Ductus incisivus paarig ausgebildet und mit Schleimhaut ausgekleidet. Der Gang mündet auf einer kleinen Erhebung (<i>Papilla incisiva</i>) hinter den Schneidezähnen (<i>Incisivi</i>) in der Mundhöhle.</p>
<p><strong>Fehlbildung Lippenspalte<br />
</strong>Die Lippenspalte oder Lippen-Kiefer-Spalte kann, wie auch viele andere Fehlbildungen, mit einem Blick in die Evolution erklärt werden.<br />
Beim Menschen kann dieser kleine Gesichtsknochen Teil eines Problems werden. Manchmal wird die Sutur nicht richtig geschlossen: Dann kommt es zu Fehlbildungen wie Lippenspalten oder Lippen-Kiefer-Spalten.  Diese Spalte erscheint zwischen Os prämaxillare und Os maxillare. Darum sitzt sie niemals mittig, sondern immer leicht rechts oder links der Mitte. Diese Spalten  können nur rechts, nur links, oder beidseitig auftreten.<br />
Die sehr frühe Verschmelzung der paarigen Zwischenkieferbeine beim Menschen dürfte die Ursache dafür sein, dass derartige Fehlbildungen nicht auch mittig auftreten.</p>
<p><strong>Os prämaxillare &#8211; ganz groß</strong><br />
Das Os prämaxillare kann aber auch ganz anders: Bei Walen (Cetacea) kommt es groß ´raus.<br />
Die Nasenöffnung ist bei den Walen zum „Blasloch“ geworden und liegt auf dem Scheitel des Hirnschädels. Auch die knöcherne Nasenöffnung und die Nasalia sind auf dem Scheitel positioniert. Dementsprechend reichen die Maxillaria und Prämaxillaria von der Schnauzenspitze bis zum Blasloch (= Nasenloch) und sind so lang wie der ganze Schnabel bzw. Oberkiefer des Wals.</p>
<p>Ein Pottwal (<em>Physeter macrocephalus</em>) ist ja insgesamt etwas größer und hat, wie der Name schon<a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Livyatan-melvillei.gif"><img class="wp-image-9813 alignright" alt="Livyatan melvillei" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/03/Livyatan-melvillei.gif" width="353" height="262" /></a> sagt, auch einen etwas größeren Kopf. Ein Bulle kann immerhin 18 Meter lang werden, der Kopf macht dabei  fast ein Drittel der Körperlänge aus. Bei einem 6 Meter langen Schädel ist das Prämaxillare dann über  4  Meter  lang, es liegt an zentraler Stelle im Pottwal-Oberkiefer.<br />
Die Abbildung zeigt den Schädel  des fossilen Pottwales <i>Leviathan melvillei (</i>mittlerweile umbenannt in <em>Livyatan melvillei</em><i>, </i>ca 12 bis 13 Millionen Jahre alt, Peru Pisco-Formation) von dorsal. Das Prämaxillare (Pmx) ist eingezeichnet, als Maßstab ist daneben ein ausgewachsenes Exemplar von <em>Homo sapiens </em>abgebildet.<br />
Die anderen Zahnwale, also etwa Delphine, Schwertwale, Weißwale und Flussdelphine sind insgesamt kleiner, dementsprechend sind auch ihre Prämaxillaria kleiner.<br />
Aber immer noch unübersehbar.<br />
Wenn Sie also mal wieder nach Ihrem Os prämaxillare gefragt werden: Denken Sie an den Wal!</p>
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		<title>Nasennebenhöhlenforschung</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Feb 2014 12:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Unser wortgewaltiger Anatomiedozent PD Dr. Helmut Wicht hat sich gerade mit Höhlenforschung beschäftigt: In „Geist und Wissen“ hat er unter der Rubrik „Wichts Winkel nutzlosen Wissens“ einen Aufsatz über Nasennebenhöhlenkunde geschrieben. Es geht um die luftgefüllten Höhlen im menschlichen Nasen- &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/nasennebenhohlenforschung">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9621" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/02/Nasennebenhöhlen.gif"><img class="size-medium wp-image-9621" alt="Nasennebenhöhlen" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/02/Nasennebenhöhlen-300x214.gif" width="300" height="214" /></a><p class="wp-caption-text">Nasennebenhöhlen</p></div>
<p>Unser wortgewaltiger Anatomiedozent PD Dr. Helmut Wicht hat sich gerade mit Höhlenforschung beschäftigt: In „Geist und Wissen“ hat er unter der Rubrik „Wichts Winkel nutzlosen Wissens“ einen Aufsatz über Nasennebenhöhlenkunde geschrieben.<br />
Es geht um die luftgefüllten Höhlen im menschlichen Nasen- und Ohren-Bereich. Sie entstehen ontogenetisch erst spät, nämlich in der Pubertät. Ihre Anatomie ist komplex und die Funktion bis heute nicht wirklich geklärt. Dafür bereiten sie aufgrund ihrer spezifischen anatomischen Verhältnisse vielen Menschen Probleme – Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Stirnhöhlen und Paukenhöhlen können sehr schmerzhaft sein.<br />
Aber lesen Sie selbst…</p>
<h4>„Nasenenebenhöhlenkunde</h4>
<p>Höhlenforscher, sofern sie zur geologischen Zunft gehören, nennt man Speläologen. In der Medizinerzunft fällt die Höhlenforschung in das Fach der Otolaryngologen, denen allerdings ihre eigene Fachbezeichnung zu umständlich ist, weswegen sie sich &#8220;HNO&#8221; nennen. Hals-Nasen-Ohren-Heilkundler.<span id="more-9620"></span><br />
Deren Hauptfach sind die luftgefüllten Höhlen des Kopfes: Nasenhöhle, Schlund und Ohren, deren Paukenhöhlen ja auch voll Luft sind. Oder voll Eiter, man kennt das von der schmerzhaften Mittelohrentzündung.“ (<a title="Geist und Wissen: Wicht: Nasennebenhöhlenkunde" href="http://www.gehirn-und-geist.de/alias/dachzeile/nasennebenhoehlenkunde/1224398" target="_blank">„Helmut Wicht: Nasenenebenhöhlenkunde; Geist und Wissen, 17.02.2014“</a>).</p>
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		<title>Forschung: „Neues aus dem Reich der Mitte: Der Darm“</title>
		<link>http://puls.meertext.eu/dokumentation-neues-aus-dem-reich-der-mitte-der-darm</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Feb 2014 10:33:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Dokumentation über ein riesengroßes Organ mitten in unserem Körper, das lange Zeit unterschätzt wurde: Den Darm. Der menschliche Darm ist mehr als 8 Meter lang, hat eine Oberfläche von mehr als 400 m² und ist der Lebensraum einer spannenden &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/dokumentation-neues-aus-dem-reich-der-mitte-der-darm">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9607" style="width: 296px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/02/Darm.gif"><img class="size-medium wp-image-9607" alt="Darm" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2014/02/Darm-286x300.gif" width="286" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Darm</p></div>
<p>Eine Dokumentation über ein riesengroßes Organ mitten in unserem Körper, das lange Zeit unterschätzt wurde: Den Darm.</p>
<p>Der menschliche Darm ist mehr als 8 Meter lang, hat eine Oberfläche von mehr als 400 m² und ist der Lebensraum einer spannenden Mikrofauna. Bis zu 1000 verschiedene Bakterien siedeln sich hier an. Ihre Anzahl wird auf über 100 Billionen (10<sup>14</sup>) geschätzt, d. h., dass ein erwachsener Mensch mehr Darm-Mikroorganismen mit sich herumträgt als Zellen. Mittlerweile ist bekannt, dass der Darm in engem Kontext mit dem Immunsystem, dem Körpergewicht und der Psyche steht.</p>
<p>Mehrere Arbeitsgruppen stellen ihre Forschungsansätze und erste Ergebnisse vor.<br />
Der Darm als Gehirn, ein Bakterienspürhund und die Stuhl-Transplantation.</p>
<h4><b>Ist der Darm ein „Bauchgehirn“?</b></h4>
<p>Um den Darm herum ist ein dichtes Geflecht von über 100 Millionen Nervenzellen angeordnet: das enterische Nervensystem.<br />
Ist der Darm ein drittes Gehirn im Bauch?<br />
In Irland arbeitet die Arbeitsgruppe um den <a title="3sat Wissenschaftsdoku: Darm" href="http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/174992/index.html" target="_blank">Neurowissenschaftler Dr. John Cryan (University College Cork) an der Frage, wie der Darm das Gehirn beeinflusst.</a> Und welchen Einfluss „schlechte“ Bakterien auf die kognitive Entwicklung von Kindern und ihr Sozialverhalten haben.  Bei Erwachsenen bestehen signifikante Zusammenhänge zwischen Darmerkrankungen und Hirnarealen wie dem Hippocampus und vielen Krankheiten.<b></b></p>
<h4><b>Drei verschiedene Darm-Ökosysteme (Enterotypen)– weltweit!</b></h4>
<p><b></b>Die Heidelberger Arbeitsgruppe um den <a title="Bio Pro Magazin " href="http://www.bio-pro.de/magazin/index.html?lang=de&amp;artikelid=/artikel/08081/index.html" target="_blank">Biochemiker Peer Bork (Europäisches Molekularbiologisches Laboratorium) beschäftigt sich mit der spezifischen Zusammensetzung des Bioms</a>, und welche Auswirkungen die einzelnen Bakterienstämme auf unser Gewicht, die  Psyche und das Immunsystem haben.<br />
In den Tiefen der menschlichen Eingeweide entdeckten sie eine Überraschung:<span id="more-9606"></span><br />
&#8220;Wir hatten Probanden aus verschiedenen Ländern und wollten mal sehen, wie die Darmflora sich unterscheidet und dachten, dass die Japaner durch ihr Fischessen anders als die französischen Weintrinker ihre Mikrobiota gestalten. Aber da kamen drei Typen zum Vorschein &#8211; unabhängig von der Herkunft, unabhängig vom Alter, unabhängig vom Body Mass Index.&#8221;<b> </b>erklärt Dr. Peer Bork.<br />
Neben dem grundsätzlichen „Typus“ ist die Bakterien-„Wohngemeinschaft“, je nach Alter und Body Mass Index, nochmals individuell. Spezifische Krankheiten wir Morbus Crohn und Colitis ulcerosa haben ebenfalls eine spezifische Zusammensetzung von Mirkorganismen.</p>
<h4><b>Beagle als Bakterienspürhund</b></h4>
<p>Niederländische Forscher setzen auf einen Bakterien-Spürhund:<br />
Der eifrige Beagle Cliff kann <i>Clostridium difficile</i> erschnuppern. Diese Bakteriengruppe ist potentiell verdächtig, mit einer ganzen Reihe von Krankheiten zusammenzuhängen. Clostridien konnten bisher nur in aufwändigen Tests durch das Anlegen von Kulturen angewiesen werden. Der Beagle ist mit seiner Spürnase aber schneller – und kostengünstiger &#8211; als das Wachstum einer Bakterienkultur.<br />
Sind die Clostridien sicher nachgewiesen, können die Patienten gezielt behandelt werden.</p>
<h4><b>Heilungserfolg durch Stuhl-Transplantation </b></h4>
<p><b></b>Eine neuartige Therapie ist die Stuhl-Transplantation:<br />
Eine Stuhlprobe aus einem gesunden Darm mit einem „guten“ Biom wird den Patienten per Endoskopie  in den Darm „implantiert“. In ihrem neuen Biotop siedeln sich die Bakterienstämme  an und gedeihen, dabei verändern sie das Biom zum Wohle des Patienten.<br />
<a title="3sat: Wissenschaftsdoku" href="http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/174993/index.html" target="_blank">Dr. Johann Ockenga, Gastroenterologe des Klinikums Links der Weser</a>, meint dazu:<br />
&#8220;Die Heilungschancen mit der Stuhltransplantation sind sehr hoch. Bis zu neunzig oder mehr Prozent der Patienten die im Vorfeld durch Antibiotika nicht behandelt oder nicht geheilt werden konnten sprechen auf eine Stuhltransplantation an. Und nur ein geringer Teil von denen braucht manchmal noch eine zweite Transplantation, um einen langfristigen Heilungserfolg zu sichern.&#8221;</p>
<p>Eine weitere gute Nachricht: hat der Gastroenterologe Dr. Horst Hohn:<br />
Statt der unangenehmen Darmspiegelung gibt es heute die Mini-Kamera in Kapselform – die PillCam. Die <a title="3sat: Wissenschaftsdoku" href="http://www.3sat.de/page/?source=/wissenschaftsdoku/sendungen/174993/index.html" target="_blank">PillCam</a> ist so groß wie eine Fischölkapsel und wird geschluckt. Dann passiert sie den Darm durch seine peristaltischen Bewegungen und schießt dabei sie jede Menge Bilder. Die anschließend  ausgewertet werden können.<br />
Das kleine Gerät ist noch nicht ganz ausgereift, aber die Entwicklung ist vielversprechend.</p>
<p><strong>Die gut gemachte einstündige <a title="3sat Wissenschaftsdoku Darm" href="http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&amp;obj=41447" target="_blank">Darm-Doku finden Sie in der</a> 3sat-Mediathek.</strong><br />
Angucken lohnt sich!</p>
<p>Lesen Sie zum Thema &#8220;Darm&#8221; auch den unübertrefflichen <a title="Science-Slam: Guilia Enders &quot;Darm mit Charme&quot;" href="http://www.youtube.com/watch?v=2qo3ueVlyUY" target="_blank">Science-Slam-Beitrag „Darm mit Charme“ </a>von <a title="Interview Giulia Enders: „Darm mit Charme“" href="http://puls.meertext.eu/interview-giulia-enders-%e2%80%9edarm-mit-charme%e2%80%9c" target="_blank">Giulia Enders und das herrliche Interview </a>mit ihr über ihr gastroenterologisches Lieblingsthema.</p>
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		<title>Forschung: Neuer Teil des menschlichen Körpers beschrieben!</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Dec 2013 07:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>

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		<description><![CDATA[„New human body part discovered“ und „Neuer Körperteil im Knie entdeckt“ jubelte die Presse vor einigen Tagen. So unmöglich es sich anhört: Dr. Claes und Dr. Vereecke , zwei Chirurgen des Universitätsklinikums Leuven, haben einen bisher nicht benannten Teil des &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/forschung-neuer-teil-des-menschlichen-korpers-beschrieben">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„New human body part discovered“ und „Neuer Körperteil im Knie entdeckt“ jubelte die Presse vor einigen Tagen.</p>
<div id="attachment_9061" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2013/11/Knie.gif"><img class="size-medium wp-image-9061" alt="Knie" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2013/11/Knie-300x230.gif" width="300" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Knie</p></div>
<p>So unmöglich es sich anhört:<br />
Dr. Claes und Dr. Vereecke , zwei Chirurgen des Universitätsklinikums Leuven, haben einen bisher nicht benannten Teil des menschlichen Körpers beschrieben!<br />
Es handelt sich um ein Ligament im Knie: <b>Das anterolaterale Ligament (ALL).<br />
</b>(Claes S, Vereecke E. et al: <b>Anatomy of the anterolateral ligament of the knee. </b>J Anat. 2013 Oct; 223(4):321-8. doi: 10.1111/joa.12087. Epub 2013 Aug 1.</p>
<p><b>Was steckt dahinter?<br />
</b>Welche Funktion hat die Struktur und wo ist sie genau positioniert?<br />
<b>puls. hat einen Anatomie-Experten gefragt: Herrn PD Dr. Wicht:</b><span id="more-9060"></span><br />
„Das Band liegt an der lateralen, fibularen Seite des Kniegelenks und verläuft mehr oder weniger parallel zum altbekannten Ligamentum collaterale laterale/fibulare (LCL). Wie dieses entspringt es am Epicondylus lateralis femoris, anders als dieses ist es aber in die Gelenkkapsel eingelassen und mit dem lateralen Meniskus verwachsen. Sein Ansatz liegt gleich unterhalb des lateralen Tibiaplateaus, etwa auf halber Strecke zwischen der Tuberositas tibiae und der Articulatio tibiofibularis.“ erklärt Herr PD Dr. Wicht.<br />
Die Abbildung gibt Aufschluss über die genaue Lage des Ligaments:<br />
„Nach dem Abtragen der Gelenkkapsel wurde nur das ALL stehen gelassen.<br />
Die Abbildung zeigt deutlich: das ALL ist schräger gestellt als das LCL, so dass es bei forcierter Innenrotation des Unterschenkels unter starke Spannung gerät.“</p>
<p>Tatsächlich hatte der französische Chirurg Segond schon 1879 bemerkt, dass bei Verletzungen des Knies, die auf solch forcierte Innenrotation zurückgehen, oft eine kleine Fraktur der Ansatzstelle des ALL an der Tibia zu beobachten ist: „Segonds Fraktur“. Segond hatte bei weiterer Untersuchung in der Kapsel ein schimmerndes fibröses Band entdeckt: eben jenes ALL. Segonds neu beschriebenes Ligament war dann allerdings in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten.</p>
<p>Das anterolaterale Ligament (ALL) ist bei den meisten Menschen nachweisbar, es wurde allerdings bisher nicht als eigenständige anatomische Struktur beschrieben.<br />
<b>Damit ist es weniger eine Neuentdeckung als vielmehr eine Neubeschreibung.</b><br />
Also: Augen auf im Anatomie-Kurs!<br />
Es gibt immer noch Überraschungen.</p>
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		<title>Interview mit den Gewinnern des Preises für exzellente Lehre &#8211; Herr Prof. Deller, Herr Prof. Maronde, Herr Dr. Schomerus und Herr Dr. Vlachos aus der Dr. Senckenbergischen Anatomie</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Nov 2013 08:30:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Lernen und Lehren]]></category>
		<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Studenten]]></category>
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		<description><![CDATA[Das spannende Interview spannt den Bogen vom „ganzheitlichen“ Lehrkonzept in der Anatomie (makroskopisch und mikroskopisch), über den Wunsch nach einem neuen Gebäude für die anatomischen Kurse bis hin zum respektvollen Umgang mit den Körperspendern. „puls.“: „Herr Prof. Deller, Herr Prof. &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/interview-mit-den-gewinnern-des-preises-fur-exzellente-lehre-herr-prof-deller-herr-prof-maronde-herr-dr-schomerus-und-herr-dr-vlachos-aus-der-dr-senckenbergischen-anatomie">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das spannende Interview spannt den Bogen vom „ganzheitlichen“ Lehrkonzept in der Anatomie (makroskopisch und mikroskopisch), über den Wunsch nach einem neuen Gebäude für die anatomischen Kurse bis hin zum respektvollen Umgang mit den Körperspendern.<strong></strong></p>
<p><strong>„puls.“: „Herr Prof. Deller, Herr Prof. Maronde, Herr Dr. Schomerus und Herr Dr. Vlachos, noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Lehrpreis für „Anatomie des Menschen – fit für die Zukunft“!</strong> <strong>Waren Sie davon überrascht?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Natürlich hat keiner von uns mit dem Preis gerechnet. Wir haben uns ja auch nur deshalb um den Preis beworben, weil wir von den Studierenden der Medizin für den Lehrpreis vorgeschlagen wurden. Auch wir Dozenten sind dankbar für positives &#8220;Feed-back&#8221; und so haben wir uns alle sehr über die studentischen Vorschläge für den Preis gefreut. Wir haben den Vorschlag als Anerkennung unseres Lehrengagements durch die Studierenden wahrgenommen. Dafür sagen wir den Studierenden &#8220;Danke&#8221; &#8211; das ist für uns Ansporn!<br />
Nachdem wir über den Vorschlag informiert wurden, haben wir uns überlegt, ob wir uns alle Einzeln um Lehrpreise bewerben, oder ob wir dies gemeinsam tun wollen. Da wir den Unterricht eigentlich immer als Aufgabe des ganzen Lehr-Teams ansehen, haben wir uns zu einer gemeinsamen Bewerbung um den Exzellenzpreis entschlossen. Dieser Preis wird nur alle 3 Jahre und eher zurückhaltend vergeben und da haben wir uns dann natürlich nicht so große Chancen ausgerechnet. Aber versuchen wollten wir es.“<strong></strong></p>
<p><strong>puls.: „Was genau beinhaltet die neue Veranstaltung und wie ist sie aufgebaut?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Bei dieser Frage müssen wir ein wenig schmunzeln. Unsere Veranstaltung ist keine &#8220;neue&#8221; sondern eher eine der ältesten Veranstaltungen einer medizinischen Fakultät. Es ist der Anatomieunterricht sowohl im makroskopischen als auch im mikroskopischen Bereich der Anatomie. Aber eigentlich haben Sie schon Recht. Im Rahmen der Neuen Studienordnung des Fachbereichs Medizin wurde Anfang der 2000er Jahre auch der Anatomieunterricht reformiert. Seit dieser Zeit werden die mikroskopischen und makroskopischen Elemente des Anatomieunterrichts nicht mehr getrennt, sondern zusammen unterrichtet. <strong>Ganz konkret: Wenn wir im Präpariersaal Muskeln präparieren, dann wird die mikroskopische Anatomie von Muskelgewebe am Mikroskop erläutert und in der Vorlesung besprochen. So findet zusammen, was zusammen gehört und was lediglich aufgrund der Betrachtungsebene voneinander getrennt wurde. Man kann dieses Konzept als ein &#8220;ganzheitliches&#8221; Anatomie-Unterrichtskonzept verstehen.</strong> An der Umsetzung dieser Reform, die bereits unter dem damaligen Studiendekan Korf begonnen und vom Studiendekan Nürnberger fortgesetzt wurde, waren auch wir Preisträger beteiligt. Wir haben &#8211; zusammen mit unseren Kollegen &#8211; die Reformen umgesetzt und mit Leben erfüllt. Auch haben wir neue Elemente (Schnittbildanatomie) in den Unterricht eingebaut und dies setzen wir in den kommenden Jahren fort.“<span id="more-9046"></span></p>
<p><strong>puls.: „Was ist das neue und didaktisch Besondere daran?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Das &#8220;ganzheitliche Anatomiekonzept&#8221; in die Realität umzusetzen, bedeutete eine ziemliche Sisyphusarbeit. <strong>Es bedeutete, dass wir eine komplett neue Kursplanung machen mussten, die Vorlesung wurde auf den Kurs &#8211; soweit es ging &#8211; abgestimmt, für alle Kurse wurden neue Präparieranleitungen erstellt, die zum Teil von Dr. Sebesteny illustriert wurden und wir haben Modelle und Tool-Boxen im Präpariersaal aufgestellt. Kurzum, der Kurs wurde vollständig umgekrempelt und neu organisiert.</strong> Das ging nicht von einem Tag auf den anderen, sondern Jahr für Jahr kam etwas hinzu und so wurde der Kurs insgesamt immer besser strukturiert. Auch haben daran nicht nur die vier Preisträger mitgewirkt. Daran waren alle Institute und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt. Insofern sehen wir den Preis als Preis für die Arbeit der gesamten Anatomie in den vergangenen Jahren an.<strong></strong></p>
<p>Ganz neu ist aber die Einbindung der Schnittbildanatomie gewesen. Hier gab es ein Pilotprojekt, das vom Fachbereich gefördert wurde. Es zeigte, dass die Studierenden die Einbindung der Schnittbildanatomie in den Unterricht sehr begrüßt und begeistert aufgenommen haben. <strong>Angehende Ärztinnen und Ärzte profitieren eben sehr von Kenntnissen zu einer &#8220;Anatomie des Lebenden&#8221;, wie sie mit dem MRT und CT dargestellt werden kann</strong>.“</p>
<p><strong>puls.: „An welche Semester richtet sich diese Veranstaltung?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Wir möchten dieses Konzept weiter entwickeln und in allen Teilen des Anatomiekurses (I &#8211; Bewegungsapparat, II &#8211; Innere Organe, III &#8211; Kopf und Nervensystem, IV Systeme/Seminar) auf die Anatomie des Lebenden eingehen. Schnittbilder sind DIE Darstellung der inneren Anatomie eines Lebenden, die Ärztinnen und Ärzte in ihrer Tätigkeit sehen werden. Also sollten sie &#8211; entsprechend des &#8220;ganzheitlichen&#8221; Anatomie-Unterrichtskonzeptes &#8211; auch in allen Kursteilen mit Schnittbildern konfrontiert werden und diese interpretieren können. Da haben wir aber noch einiges an Weg vor uns.“<strong></strong></p>
<p><strong>puls.: „Was hat Sie dazu veranlasst, dieses neue Konzept zu entwickeln?“</strong><br />
T., D., E. M., C. S., A. V.: „Die Einsicht, dass sich auch der Anatomieunterricht den Herausforderungen der modernen Medizin stellen muss. Die moderne Radiologie kann heute in einem Detailgrad mit nicht-invasiven Methoden in den Körper eines lebenden Menschen hineinschauen, der fast atemberaubend ist. Dies ist die Anatomie, die unsere späteren Ärztinnen und Ärzte sehen und kennen müssen. Diese Anatomie brauchen sie und daher sollten wir Schnittbildanatomie, gerne beraten durch die klinischen Fachkolleginnen und -kollegen, unterrichten.</p>
<p>Aber es gibt noch weitere Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die zu bedenken sind. So z.B. Ultraschall, Endoskopie und endoskopische Operationstechniken. Bei all diesen Techniken wird die Anatomie des Menschen aus bestimmten &#8220;Winkeln&#8221; betrachtet. Auch wenn wir nicht jeden &#8220;Blickwinkel&#8221; in unseren Kursen unterrichten können, erscheint es sinnvoll, auf Teilaspekte dieser Anatomie des Lebenden einzugehen.“</p>
<p><strong>„puls.“: „Hat sich die Haltung der Studierenden in den Lehrveranstaltungen im Laufe der Zeit geändert?<br />
Falls ja: Inwiefern?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Wir denken, dass die Medizinstudierenden hoch motiviert sind. Allerdings ist ihre Motivation schon immer am Größten gewesen, wenn wir ihnen vermitteln konnten, wofür sie etwas lernen. Systematische Anatomie hat selten einen Studierenden motiviert. <strong>Klinisch orientierte Anatomie, mit dem klar erkennbaren Ziel, gute Ärztinnen und Ärzte auszubilden, stößt auf große Begeisterung bei den Studierenden.</strong> Unsere Rückmeldungen zu den Lehrveranstaltungen, in denen wir mit Schnittbildern und Röntgenbildern gearbeitet haben, waren ausnahmslos positiv. Es wurde aber oft bedauert, dass es zu wenig Zeit gab, um auch diese Anatomie noch zu lernen. Das ist sicher ein Thema &#8211; durch die Schnittbildanatomie wird die Stoffmenge nicht reduziert. Hier müssen wir uns der Diskussion stellen, ob es auch Prüfungsgegenstände in der Anatomie gibt, die weniger bedeutsam sind und die deshalb weggelassen werden können.“</p>
<p><strong>„puls.: „Ist Ihr neues Lehrangebot eine Reaktion darauf?“<br />
</strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: „Nein. Unser Lehrangebot kommt nicht als Reaktion auf die Haltung der Studierenden. Die positive Einstellung der Studierenden zur Schnittbildanatomie trägt aber sehr dazu bei, dass wir dieses Angebot in unserem Unterricht ausweiten wollen. Wir hoffen, dass uns dies über die Jahre gelingen wird und dabei kann uns auch der Preis helfen.“</p>
<p><strong>„puls.“: „Hatten Sie in Ihrer Studienzeit Hochschullehrer, die Ihnen heute als Vorbild dienen und die Sie für die Lehre begeistert haben?“</strong><br />
<strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: </strong>„Jeder von uns hatte Hochschullehrer, die Mentoren und Vorbilder waren und es zum Teil noch sind. Diese Mentoren sind auch ganz ausgezeichnete Forscher, ganz im Humboldtschen Sinne der Einheit von Forschung und Lehre. Insofern haben uns diese Hochschullehrer nicht nur für die Lehre sondern für das Fach an sich begeistert. <b>Moderne Anatomie ist eine ganz moderne Wissenschaft &#8211; sie bringt Körperstrukturen und Körperfunktionen zusammen, im Sinne einer Struktur-Funktionsforschung.</b> Dieses moderne Konzept von Anatomie ist etwas, was einige von uns mitgenommen haben und jetzt in der eigenen Lehre auch verwirklichen wollen.“</p>
<p><strong>„puls.“: „Wie schafft man eine gute Lernatmosphäre? Was benötigt man dafür?“ </strong><br />
<strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: </strong>„Das ist ganz unterschiedlich. Wir denken, hier muss zwischen strukturellen Bedingungen und dem, was jeder Einzelne beitragen kann unterschieden werden. Findet eine Veranstaltung am Wochenende in einem engen, dunklen Raum statt und am Ende noch zwischen 18:00 und 20:00 Uhr abends, dann können Sie als Lehrender machen, was sie wollen. <b>Insofern ist eine gute Lernatmosphäre auch von guten räumlichen Bedingungen abhängig und die Anatomen kämpfen schon seit einiger Zeit um einen Neubau der Anatomie, der dringendst vonnöten wäre. </b>Manchmal scheint uns, als wäre bei der Sanierung des Klinikums die Anatomie vergessen worden &#8211; alle Häuser werden renoviert, saniert, neu gebaut, aber die Anatomie steht dort wo sie schon immer stand und sieht aus, wie sie schon seit Jahrzehnten aussieht. Nein, nicht ganz! Einen Flügel des Anatomie-Gebäudes und den Histologie-Saal hat man schon abgerissen und unsere Bibliothek dafür in Container gepackt. Dort wo diese Räume der Anatomie standen wurde dann ein Parkhaus gebaut &#8211; das Ergebnis kann jeder heute sehen. Schön wäre es, wenn wir für die Anatomie keine Container sondern gute Räume bekämen, in denen eine gute Lernatmosphäre gedeihen und so noch besser werden kann.</p>
<p>Aber unabhängig davon braucht man natürlich auch das Engagement von Einzelpersonen für den Unterricht. Als Dozenten können wir dazu beitragen, indem wir uns selbst vorbereiten, eine klare Struktur haben, klare Ansagen machen und verbindlich sind. Wir können unseren Studierenden freundlich und sachlich begegnen und sie auf ihrem Lernweg begleiten. Unsere Erfahrung ist, dass Studierende ernst genommen werden wollen &#8211; als Menschen und als zukünftige Kolleginnen und Kollegen. Wenn wir dies tun, uns mit Freude dem Unterricht stellen und einen klinisch orientierten Unterricht anbieten, in den auch stets wissenschaftliche Aspekte einfließen, dann sind viele Studierende mit Begeisterung bei der Sache und das reißt dann auch die ganze Gruppe mit.“</p>
<p><strong>„puls.“: „Wo endet Ihre Toleranz (<i>gegenüber Studierenden in Ihren Lehrveranstaltungen</i>)?“</strong><br />
<strong>T., D., E. M., C. S., A. V.: </strong>„Studierende sind freiwillig bei uns &#8211; viele haben für Ihren Studienplatz hart gearbeitet und sogar zum Teil viele Jahre gewartet. Sehr viele sind hoch motiviert. Aber es gibt auch Studierende, die das Studium nicht ganz so ernst nehmen. Es ist klar, Ärztinnen und Ärzte müssen ein Basiswissen an Anatomie haben &#8211; haben sie es nicht, dann sollten sie auch nicht in die Klinik &#8220;vorrücken&#8221;. Hier haben wir eine gesellschaftliche Aufgabe, das Wissen der zukünftigen Ärztinnen und Ärzte sicher zu stellen.</p>
<p>Aber noch viel wichtiger ist etwas anderes. In den Kursen endet unsere Toleranz sofort, wenn mit den Körperspendern nicht pietätvoll umgegangen wird. Diese Spender haben etwas Großes getan und wir dürfen uns selbst fragen, ob wir dazu fähig wären, unseren Körper nach unserem Tod der Anatomie zu spenden. Sie haben uns damit beauftragt, ihren Körper für die die Ausbildung der Studierenden und die Forschung zu nutzen. Dies in dem Vertrauen, dass mit ihren körperlichen Hüllen respektvoll umgegangen wird. Das erwarten wir dann natürlich auch von unseren Studierenden.<br />
Keine Frage &#8211; fast ohne Ausnahme halten sich die Studierenden daran. Und wie wichtig dieser pietätvolle Umgang mit den Körperspendern für die Studierenden selbst ist, erleben wir Jahr für Jahr bei der Gedächtnisfeier und der Grablegung unserer Körperspender. Die Studierenden nehmen mit großem Einfühlungsvermögen daran teil. Es gibt eine Rede sowie musikalische Beiträge der Studierenden und die Urnen der Körperspender werden von unseren Studierenden zu Grabe getragen. Die Anatomie leistet hier einen Beitrag zu einem nachdenklichen, umsichtigen, einfühlsamen Umgang mit dem Thema &#8220;Leben und Tod&#8221;. Auch dies macht unsere Studierenden &#8220;fit für die Zukunft&#8221; als Ärztinnen und Ärzte. Und wir Dozenten sind froh darüber, wenn wir jungen Menschen auf ihrem Weg zu diesem verantwortungsvollen Beruf auch auf dieser Ebene Vorbilder und Wegbegleiter sein können.“</p>
<p>puls. dankt Herrn Prof. Deller, Herrn Prof. Maronde, Herrn Dr. Schomerus und Herrn Dr. Vlachos für das ausführliche Interview!</p>
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		<title>Warum werden Menschen Körperspender?</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Nov 2013 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bettina Wurche]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Vorklinik]]></category>
		<category><![CDATA[Anatomie]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[„Was sagen die Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihren Körper zu spenden dazu? Was sagen die Angehörigen?“ hat Jaeson Chung am 14.10.2013 gefragt. Der Kommentar bezieht sich auf den puls.-Beitrag “Anatomische Präparation am Körperspender? – Ja bitte!“ puls. hat &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/warum-werden-menschen-korperspender">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>„Was sagen die Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihren Körper zu spenden dazu?<br />
Was sagen die Angehörigen?“ hat Jaeson Chung am 14.10.2013 gefragt.<br />
Der Kommentar bezieht sich auf den puls.-Beitrag <a href="https://puls.meertext.eu/anatomische-praparation-am-korperspender-ja-bitte"><b>“Anatomische Präparation am Körperspender? – Ja bitte!“</b></a></p>
<p>puls. hat diese Fragen an Herrn PD Dr. Christof Schomerus, den Prosektor der  Dr. Senckenbergischen Anatomie, weitergegeben.</p>
<p><b><span style="text-decoration: underline;">Interview mit Herrn PD Dr. Schomerus (Prosektor, s. u.)</span></b></p>
<p><strong>„puls.“: Wie treten Menschen, die Körperspender werden möchten, mit Ihnen  in Kontakt? Und wie kommen sie auf den Gedanken?“</strong><br />
C. S.: „Sie müssen sich mit mir in Verbindung setzen &#8211; schriftlich, telefonisch, per Mail oder auch über ein persönliches Gespräch.<br />
Da es meistens ältere Menschen sind, informieren sie sich weniger über unser Internetangebot, sondern hören es von anderen Personen oder werden durch Presseberichte darauf aufmerksam. Nach solchen Berichten gibt es dann erst einmal mehr Anrufe von Menschen, die Körperspender werden möchten.<br />
Das Thema ist heute regelmäßig in der Presse präsent und es ist kein Tabuthema mehr. Die Presseberichte sind ja meist auch positiv.“</p>
<p><strong>„puls.“: Welche Beweggründe haben Menschen, Ihren Körper für die medizinische Lehre zu spenden?“</strong><br />
C. S.: „Das ist sehr unterschiedlich.<br />
Viele Menschen haben im Krankenhaus Gutes erlebt, und möchten dafür etwas zurückgeben. Die wollen dann mit ihrer Körperspende die Ausbildung der nächsten Generation von Ärztinnen und Ärzten unterstützen.<span id="more-8981"></span><br />
Natürlich gibt es auch Menschen, die dabei an die finanziellen Aspekte denken,<br />
Ein anderer Beweggrund ist, dass einige Menschen gar keine Angehörigen haben oder ihren Angehörigen möglichst wenig Mühe machen möchten. Sie wissen, dass wir – die Dr. Senckenbergische Anatomie &#8211; uns dann um alles kümmern werden.“</p>
<p><strong>„puls.“: „Wie kommen Sie mit den Hinterbliebenen in Kontakt?“</strong><br />
C. S.: „Ich werde von dem Tod des Körperspenders informiert und muss dann Kontakt zu den Hinterbliebenen aufnehmen.<br />
Dann erkläre ich Ihnen, was weiter zu tun ist, etwa, dass der Todesfall beim Standesamt gemeldet werden muss. Das ist wichtig, denn dort wird die Sterbeurkunde ausgestellt, die wir für die Körperspende benötigen.  Nicht durch uns …&#8221;</p>
<p><strong>„puls.“: „Wie reagieren die Hinterbliebenen auf die Körperspende?&#8221;</strong><br />
C. S.: „Viele Hinterbliebene sind über die Körperspende informiert, andere nicht. Für die allermeisten ist die Körperspende o. k., sie respektieren den Wunsch der Verstorbenen.<br />
Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, aber sehr selten ablehnend.<br />
Die Akzeptanz ist sehr hoch, das sehen wir auch bei der Feier zur Beisetzung der Körperspender immer wieder. Viele Hinterbliebene wissen vorab nichts oder wenig über die Feier und sind dann sehr angenehm überrascht. Sie finden den feierlichen Ablauf mit den Ansprachen und der sehr schön und nehmen sehr positiv auf, dass die Studierenden sich dabei so viel Mühe geben.“</p>
<p>puls. dankt Herrn PD Dr. Schomerus für das Interview.</p>
<p><strong>Persönliche Anmerkung der Redaktion:</strong><br />
Ich habe für puls. keine Interviews mit Menschen, die ihre Körper spenden möchten oder deren Angehörigen durchgeführt, obwohl ich regelmäßig an der Beisetzung der Körperspender teilnehme. Ein Interview in dieser Situation wäre mir persönlich zu aufdringlich erschienen. Die Angehörigen sind mit ihrer Trauer beschäftigt und sollten darin auch nicht gestört werden – sie anzusprechen, würden gegen meine persönlichen journalistischen und ethischen Grundsätze verstoßen.<br />
Ein Anruf bei einem Körperspender kommt aus den gleichen Gründen nicht in Frage.<br />
(s. o.)</p>
<p><strong>Welche Aufgaben hat der Prosektor?</strong><br />
Der <b>Prosektor</b> ist verantwortlich für das <a title="Dr. Senckenbergische Anatomie: Körperspende " href="http://www.med.uni-frankfurt.de/institut/zmorph/prosektur/index.html" target="_blank">Körperspendewesen</a>.<br />
Dazu gehören die Ausstellung von Körperspendevereinbarungen, Gespräche mit den Körperspendern und deren Angehörigen, die Verantwortung für die Pflege und Konservierung der Präparate, die Durchführung der Kurse der makroskopischen Anatomie sowie die Durchführung der Beisetzungsfeiern.<br />
Er hat den direkten Kontakt zu den Körperspendern und ihren Hinterbliebenen.<br />
In der Dr. Senckenbergischen Anatomie ist der Prosektor auch für die Organisation und Durchführung von <a title="Dr. Senckenbergische Anatomie: Klinisch-Anatomische Weiterbildung" href="http://www.med.uni-frankfurt.de/fb/fb16/institut/zmorph/weiterbild/index.html" target="_blank">klinisch-anatomischen Weiterbildungsveranstaltungen</a> verantwortlich, die ebenfalls an Leichnamen von Körperspendern durchgeführt werden. In <strong>Operationskursen</strong>, die u.a. in <strong>Zusammenarbeit mit medizinischen Fachgesellschaften</strong> und<b> </b><strong>Medizinprodukt-Herstellern</strong> durchgeführt werden,<b> </b>können neue Operationstechniken standardisiert oder bereits etablierte operative Eingriffe eingeübt und vertieft werden</p>
<p>&nbsp;</p>
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