Die Novelle der ÄAppO war überfällig und heiß ersehnt.
Aber welche konkreten Auswirkungen hat sie auf die Studierenden?
Diese Kolumne stellt die Reaktionen und Meinungen der Betroffenen – nämlich der Medizinstudierenden – vor.
Erst einmal ist auffällig, dass viele Studenten älterer klinischer Semester sich nun tatsächlich ein bis zwei Urlaubssemester nehmen, nur, damit sie dann in die neue Regelung der Ärztlichen Approbationsordnung fallen! Das stelle man sich einmal vor! Die ganze Zeit wurde man gescheucht, getrieben und gehetzt und nun steckt man freiwillig um ein halbes bis ganzes Jahr zurück.
Das macht deutlich, wie gut die Änderung der Teilung des „Hammerexamens“ bei den Studenten ankommt! Endlich ist es so, dass man sich im Praktischen Jahr (=PJ) tatsächlich vermehrt den PRAKTISCHEN Tätigkeiten des Arztberufes zuwenden kann, statt wie zuvor immerzu den großen „Hammer“ der Riesen-Abschluss-Klausur drohend über dem Kopf schweben zu sehen. Auch wird durch das vermehrte und intensive Lernen VOR dem PJ der Einsatz in der täglichen Krankenversorgung vermutlich qualitativ hochwertiger. Wir dürfen gespannt sein!
Was an den Änderungen jedoch aufstößt, ist, dass die Allgemeinmedizin auf einen Sockel gehoben wird, wo niemand der Studenten sie sieht oder sehen will. Dass wir nun eine Famulatur in der hausärztlichen Versorgung abzuleisten haben, ist für viele eine große Einschränkung in der Wahlfreiheit. Die allgemeine Reaktion dazu lautet: „Was? Allgemeinmedizin? Ich hock mich doch nicht `nen Monat in `ne Hausarztpraxis und langweile mich zu Tode, wenn ich da eh nicht hinwill später! Oh no!“. Hier wurde ganz offensichtlich nicht darüber nachgedacht, dass durch „Zwang“ oft eine Gegenbewegung entsteht und es bleibt abzuwarten, wann die Verantwortlichen diesen Fehler bemerken…
Abgemildert wird diese Neuerung jedoch dadurch, dass eine andere Änderung NICHT durchkam: Das ersatzlose Streichen des Wahlabschnittes des PJ. Dieses sollte ursprünglich durch ein Pflichttertial Allgemeinmedizin ersetzt werden. Dies hätte den Charakter des PJs fundamental verändert und den Ärztemangel in vielen Fachdisziplinen drastisch verschärft, da ein „Hineinschnuppern“ in mehrere interessierende Disziplinen unnötig erschwert worden wäre.
Zu begrüßen ist auch die neue Flexibilität während des PJs. Sowohl, was den Ort betrifft, nämlich, dass man an jeder Universitätsklinik in Deutschland bzw. den daran angegliederten Lehrkrankenhäusern arbeiten darf, als auch, was die Zeit betrifft! So wurde nun ermöglicht, das PJ auch in Teilzeit zu absolvieren. Eine enorme Erleichterung für alle Medizinerinnen mit Kinderwunsch! Damit wird erstmals ansatzweise darauf eingegangen, dass bereits jetzt zwei Drittel der Medizinstudenten weiblich sind, Ärztemangel und zugleich Geburtenrückgang herrscht.
Die Familienfreundlichkeit wird auch gefördert, indem die Fehltage von 20 auf 30 erhöht wurden.
Ob dies den meist drohenden Karriereknick ausgleichen kann, der Frauen durch Erziehungszeiten und Teilzeitarbeit vor der Facharztprüfung droht?
Gespannt dürfen wir sein, wie sich die Einführung von Logbüchern gestaltet und, ob es dadurch tatsächlich zu einer Qualitätssicherung statt Ausbeutung von den Studenten im PJ kommt.
Im Idealfall wären wir nach unserem PJ ohne allzu viel zusätzlichen Mehraufwand dann gut gerüstet für unsere Mündliche Abschlussprüfung, die nach wie vor am Ende des Praktischen Jahres steht.
Dies ist auch ein Punkt, der uns zum Nachdenken bringt… Wie genau es machbar sein soll, ohne Zeit zwischen PJ und Mündlicher Prüfung eine gescheite Vorbereitung auf die Mündliche auf die Reihe zu bekommen!
Wie so oft: Hoffen wir einfach, dass es klappt.
Interessant dürfte für uns Studenten auch die abschließende Forderung des bvmd (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V.) zu den Ärztlichen Prüfungen sein: „Aus unserer Sicht ist die Fragenauswahl des IMPP in beiden Abschnitten der ärztlichen Prüfung zu überdenken. Es sollten wirklich nur grundlegende Fragen gestellt werden, die für das Berufsziel Arzt erforderlich sind.“
Oh ja, das wäre schön…
Auris
Quellen:
http://bvmd.de/fileadmin/SCOHP/Aenderung_AO/Stellungnahme_Referentenentwurf_bvmd.pdf
http://bvmd.de/arbeit/scohp/update_ao_2012/infos_neue_ao/#c3299
http://bvmd.de/fileadmin/SCOHP/Stellungnahme_Pflichttertial_20110212.pdf
http://www.marburger-bund.de/mb-zeitung/mbz2012/mbz14-12/04.php
http://puls.meertext.eu/?p=5024