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Kommentar: BAföG online beantragen

Seit Neuestem können Studierende in Hessen ihren BAfög-Antrag online stellen.
Dadurch soll die bisher oft langwierige Bearbeitung der BAfög-Anträge schneller und einfacher werden.
Hier finden Sie den BAföG-Online-Antrag.
Im vergangenen Wintersemester waren durch die doppelten Abiturjahrgänge und die Aussetzung der Wehrpflicht wesentlich mehr Studienanfänger zum Studium angetreten als vorher. Das Personal in den BAföG-Ämtern konnte diesen Ansturm kaum bewältigen, die Auszahlung des BAföGs dauert noch länger als sonst.

Was hat sich wirklich geändert?

Der Online-Antrag ist genauso umfassend wie der bisherige Papier-Antrag und ist nicht schneller auszufüllen und zu bearbeiten.

Aber:

  • Durch die Plausibilitätsprüfung muss der Antrag automatisch vollständig ausgefüllt werden und kleine Fehler werden sofort korrigiert. Dadurch entstehen de facto weniger Verzögerungen bei der Bearbeitung (Studis online: „BAföG-Online-Antrag nun auch in Hessen“). Außerdem gibt das Online-Tool sofort Hinweise auf die Unterlagen, die mit eingereicht werden müssen.

Kommentar

Zwischen dem Wunschdenken der Hochschulpolitiker und der Realität klafft offenbar eine Lücke von mehreren Monaten:
Die Pressemitteilung des Wissenschaftsministeriums sagt dazu: “Während bisher zwischen der Feststellung der Förderfähigkeit und der Auszahlung der Förderung bis zu sechs Wochen vergehen konnten, dauert dies in dem neuen Verfahren maximal zwei Wochen.”
Zwei Wochen wären großartig.
Leider beziehen sich diese zwei Wochen nur auf die Bearbeitungsdauer, dazu kommt aber noch der Zeitraum für die Feststellung der Förderwürdigkeit. Je nachdem, wie komplex der Einzelfall ist, kann das noch eine ganze Weile dauern.
Laut dem SPON-Beitrag „Neuer BAföG-Antrag im Internet: Leichter, aber nicht schneller“ vom 01.06.2012 dauerte die Bearbeitung eines Bafög-Antrags bisher ca zwei Monate, seit dem vergangenen Wintersemester hatte sich diese Zeit auf etwa vier Monate verdoppelt. Die „PULS.“-Redaktion hat Informationen darüber, dass ein Studierender seit fünf Monaten auf die Bearbeitung wartet und mittlerweile Probleme hat, seine Miete zu zahlen.

BAföG ist keine Luxusleistung, um zwischendurch mal zum Shopping nach New York zu fliegen oder sich in der Karibik vom anstrengenden Studium zu erholen.
BAföG ist die unmittelbare Existenzsicherung von jungen Menschen, die den allergrößten Teil ihrer Tage mit dem Studium zubringen sollen.
Bafög bedeutet „Essen“ und „Wohnen“.
Und Studierende sind meistens Schulabgänger, die noch keine finanziellen Rücklagen anlegen konnten.
Wie sollen sie eine finanzielle Lücke von mehreren Monaten überbrücken?
Reicht der Stress eines Studiums nicht aus?
Muss noch die pure Existenzangst dazukommen?

Es bleibt zu hoffen, dass sich die gegenwärtigen Probleme möglichst bald gelöst werden und der Online-Antrag dann tatsächlich eine weitere Beschleunigung ermöglicht.
Sonst bleibt der Start ins Studium für viele Studierende eine zusätzliche und unnötige extreme Belastung.

Aber vielleicht können Sie in der Zeit auch bei Frau Ministerin Kühne-Hörnemann anklopfen und um einen Teller Suppe bitten?

Schreiben Sie uns

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem BAföG-Antrag gemacht?
Wie lange haben Sie gewartet?
Und wovon haben Sie in der Zwischenzeit gelebt?
Schreiben Sie uns einen Kommentar mit Ihren Erfahrungen!

Bettina Wurche

 

 

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