Artikelformat

Forschung: Pflaster ohne Tränen“ – Innovationen für die Kinderheilkunde

Don Lombardi war als Leiter der Abteilung für Technologietransfer am Children’s Hospital in Boston tätig und hat nach seiner Pensionierung das nichtkommerzielle Institute for Pediatric Innovation gegründet.
Sein Ziel: Die Medizin noch besser an die besonderen Bedürfnisse von Kindern anzupassen.

Bisher werden in der Pädiatrie oft Medikamente und andere medizinische Produkte eingesetzt, die eigentlich für Erwachsene gedacht sind. Damit sind sie für die kleinen Patienten leider nicht immer bestens geeignet.

Zum Beispiel Heftpflaster:
Ein Heftpflaster ist so konzipiert, dass es gut klebt. Auf der Haut von Erwachsenen lässt es nach dem Ablösen Klebspuren zurück, ohne die die Haut zu beschädigen.
Kinder haben aber eine wesentlich zartere Haut, vor allem Neugeborene.
“Auf Neugeborenenstationen ist das eines der größten Probleme”, erklärt Bryan Laulicht vom Brigham and Women’s Hospital (Boston), der Leiter der Studie. Dort also, “wo die Patienten hilflos sind und häufig quasi in medizinische Pflaster eingewickelt werden, die für erwachsene Haut entwickelt wurden”. Die Pflaster werden oft großflächig eingesetzt, um Kanülen und andere medizinische Utensilien zu fixieren.
Beim Abreißen des Pflasters wird dann oft die Haut des kleinen Patienten mit abgerissen. Das neue Tape soll nun weiterhin sehr gut kleben, und gleichzeitig leicht abzulösen sein. Es besteht aus drei statt der üblichen zwei Lagen: Zwischen dem Geweberücken und der Klebeschicht hat das Team zusätzlich ein Hightech-Material eingefügt. Seine speziellen Eigenschaften sind abhängig von der Richtung: Beim Aufdrücken hält die Schicht das Pflaster zusammen und beim Abreißen löst sie sich von der Klebeschicht. Der auf der Haut zurückbleibende Rest kann dann mit der „push-and-roll-Technik“ einfach abgerollt werden.
Dadurch wird die zarte Kinderhaut nicht beschädigt.

Eine wichtige Neuentwicklung, denn: Es gibt allein in den USA jährlich mehr als 1,5 Millionen Verletzungen durch das Abziehen von Pflastern. Diese Verletzung treten vor allem bei Babies und älteren Menschen auf – sie können von Hautirritationen bis zu dauerhaften Narben führen.

Dieses Video zeigt die Anwendung des neuartigen Pflasters auf Origami-Papier.

Quelle:
Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America
October 30, 2012, 109 (44)

Bettina Wurche

Kommentare sind geschlossen.