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Campus-Leben: Knapper Wohnraum für Frankfurter StudentInnen

Die weitaus meisten Studierenden haben ein äußerst knappes Budget und sind auf günstigen Wohnraum angewiesen. Viele wohnen noch zu Hause, andere in WGs oder zur Untermiete, manche haben einige Wohnungen. Die günstigen und in Uni-Nähe gelegenen Studentenwohnheime sind ebenfalls begehrte Unterkünfte.
Über 50 % der Wohnheime in Frankfurt am Main werden vom Studentenwerk bewirtschaftet. In 17 Häusern stehen über 1850 Plätze bereit, viele davon in der Nähe der Goethe-Universität.

Zu Beginn des WS 2011/2012 brachten die Medien fast täglich Horrormeldungen von der Studierendenflut und dem erschreckenden Mangel an günstigen Wohnraum.
Was war ´dran an diesen Meldungen?
Hatte G 8 tatsächlich so viel mehr Studierende an die Unis gespült?
Haben Hochschulen und Politik versagt?
Oder war die ganze Panik nur ein Medienhype?

„PULS.“ hat beim Studentenwerk Frankfurt am Main nach Fakten, Ursachen und Planungen nachgefragt.

Interview mit Frau Katrin Wenzel, der Sprecherin des Studentenwerks zum Thema „Wohnraum für Studierende“

„PULS.“: „Frau Wenzel. Zu Begin des letzten Semesters gab es über Wochen hinweg in den Medien Berichte über extremen Wohnraummangel unter Studierenden. Als Gründe wurden u. a. die Verkürzung der Schulzeit, unzureichende Planungen im politischen Bereich und verschiedene andere Gründe aufgeführt. Dann sind diese Berichte abgeebbt, jetzt ist das Thema in den Medien kaum noch zu finden. Sind jetzt doch noch alle Studierenden gut untergekommen?“

K. W.: „Statistiken sagen, dass in diesem WS mehr junge Menschen in Frankfurt ein Studium aufgenommen haben als in den Jahren davor, es waren aber nicht so viele wie befürchtet. Die vorhandenen Probleme für Studierende, günstigen Wohnraum zu finden, sind aber in der Presse wesentlich stärker als je zuvor thematisiert worden, es war ein regelrechter Medienhype.
In Frankfurt hat es in diesem Jahr nicht den befürchteten Riesenandrang an Studienanfängern gegeben, der ja durch die doppelten Jahrgänge wegen G8 in der Presse kommuniziert wurde. Erfahrungsgemäß fangen gerade im Rhein-Main-Gebiet viele Studierende heute eher in der Heimatregion mit dem Studium an, d. h. wir haben vor allem Studierende aus Hessen. In Hessen wird der erste G8-Jahrgang aber erst im nächsten Jahr mit der Schule fertig, so dass im WS 2013 dann wirklich eine regelrechte Studentenflut zu erwarten ist.
Die massive Berichterstattung in der Presse hatte die positive Auswirkung, dass sehr viele Menschen, Firmen und Privatpersonen, auf das Problem aufmerksam geworden sind und versucht haben, Lösungen zu finden.
Die Wohnraumkampagne, also die Einwerbung von leer stehenden Zimmern in privaten Haushalten, die wir gemeinsam mit der Goethe-Uni und dem AStA initiiert haben, war richtig erfolgreich. Über die Medien sind viele Bürgerinnen und Bürger auf das Problem aufmerksam geworden, und zusätzlich haben wir z.B. auch alle Alumni der Goethe-Uni angeschrieben. So sind am Ende über 500 zusätzliche Angebote zusammengekommen, das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
Außerdem haben wir zeitweise mit mehreren privaten Investoren gleichzeitig über neue Wohnheim-Projekte verhandelt. Leider ist nicht alles davon realisierbar: Einige der Gebäude waren nicht geeignet, die Sanierungskosten wären aufgrund der hohen Energiestandards zu hoch gewesen. Einige Investoren hatten auch einfach unrealistische Mietpreisvorstellungen. Das hätten wir unseren Studierenden nicht zumuten können.
Weiterhin müssen die Gebäude natürlich auch noch verkehrsgünstig liegen. Dadurch ergeben sich insgesamt Anforderungen, die in der Frankfurter City nicht so einfach zu erfüllen sind. Das gleiche Problem haben übrigens auch viele andere große Universitätsstädte. Gerade in den großen Städten konkurrieren die Studierenden mit zahlreichen anderen Menschen, bezahlbarer und zentrumsnaher Wohnraum ist heute vielfach eine Mangelware.“

„PULS.“: „Wohnheimplätze in Frankfurt sind schon immer sehr begehrt und eine eher knappe Ressource gewesen. Nach einer Statistik des Deutschen Studentenwerks sind in Deutschland durchschnittlich 11,24 Studierende in öffentlich geförderten Wohnplätzen untergebracht. Diese Quote ist in den neuen Bundesländern grundsätzlich höher als in den alten Bundesländern. In Hessen liegt sie insgesamt mit 7,40 sehr niedrig, nur in Bremen, Schleswig-Holstein und Berlin wohnen noch weniger Studierende in Wohnheimen. Für Frankfurt ist die Quote für 2011 mit nur 7,14 angegeben. Woran liegt das?“
K. W.: „Fakt ist: Die Versorgung der Studierenden mit Wohnheimplätzen war und ist in im Rhein-Main-Gebiet schlecht.
Sicher gab es hier in der Vergangenheit Versäumnisse, doch heute arbeiten alle Beteiligten, d.h. Stadt, Land, Hochschulen und Studentenwerk seit einigen Jahren gemeinsam an Lösungen. Auch wenn es hier keine kurzfristigen Lösungen geben kann, denn durch die sehr hohen Mieten im Rhein-Main-Gebiet ist die Ausgangssituation extrem schwierig. Hohe Mieten und wenige Wohnheimplätze sind gerade für Studienanfänger der Doppel-GAU.
Darum bauen das Studentenwerk und verschiedene andere Träger jetzt verstärkt neue Gebäude: Im letzten Juni entstand am Wiesenhüttenplatz ein neues Wohnheim mit 48 Plätzen. An der Hansaallee am Campus Westend entstehen 200 und auf dem Riedberg 115 neue Plätze. Und wir suchen auf jeden Fall weiter!“

„PULS.“: „In der Presse wurde über einige regelrechte Luxus-Wohnheime für Studierende berichtet. Was halten Sie davon? Trägt das zur Problemlösung bei?“
K. W.: „Grundsätzlich begrüßen wir natürlich jeden Wohnraum, vor allem im eher hochpreisigen Segment hat sich wirklich etwas getan. Das können sich nur nicht alle Studierenden leisten, aber insgesamt trägt es zur Entspannung des Wohnungsmarktes bei. Wer sich eine teurere Unterkunft leisten kann, ist keine Konkurrenz mehr für eine preiswerte Bleibe.“

„PULS.“: „In letzter Zeit ist die Berichterstattung über die studentische Wohnungsnot deutlich zurückgegangen. Woran liegt das? Hat sich die Situation wirklich entspannt oder wird einfach nicht mehr so viel darüber berichtet?“
K. W.: „Ich bin jetzt seit 3,5 Jahren dabei und habe erlebt, dass es immer zum WS eine Welle von Wohnungssuchenden gibt, die allerdings nach einigen Monaten dann auch wieder abebbt. Manche Studierende bekommen doch noch den ersehnten Platz an einer anderen Uni, andere kommen in WGs unter oder finden etwas auf dem freien Wohnungsmarkt, dann werden doch so einige Zimmer wieder frei.
Es ist also wichtig, bei der Suche nach Wohnheimzimmern oder anderen günstigen und zentral gelegenen Unterkünften etwas geduldig zu sein. Eine Zwischenlösung wäre etwa, zunächst eine Wohngelegenheit im Umland zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit, einige Monate nach Beginn des Wintersemesters dann doch noch einen freien Wohnheimplatz in Frankfurt zu finden, ist groß.“

„PULS.“: „Was empfehlen Sie jungen Menschen, die ein Studium in Frankfurt aufnehmen möchten oder die immer noch auf Wohnungssuche sind?“
K. W.: „Bei uns sollte man sich unbedingt so früh wie möglich auf eine Warteliste setzen lassen. Das kann man nach 6 Monaten auch noch einmal verlängern.. Außerdem lohnt es wirklich, sich auch nach privaten Unterkünften im Umland umzuschauen. Durch den massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs im Großraum Frankfurt sind mittlerweile auch viele Vororte mit U-, S- und Straßenbahnen schnell und gut erreichbar. Und durch die Goethe-Card kann jeder Studierende den Nahverkehr nutzen.“

Das Interview führte „PULS.“-Redakteurin Bettina Wurche.
„PULS.“ bedankt sich bei Frau Katrin Wenzel für das offene Gespräch.

Bettina Wurche

Quelle für Statistik: http://www.studentenwerke.de/pdf/Zahlenspiegel_2010_11.pdf

 

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