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Breaking Bad: Ein Chemielehrer, ein Drogenlabor und “Panzerschokolade”

Breaking-badDer 50-jährige, biedere Chemielehrer Walter White bekommt die Diagnose „Lungenkrebs“ – und mutiert von da an zu einem skrupellosen Kriminellen.
Zur finanziellen Absicherung seiner Familie baut er, gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Jesse Pinkman, ein Drogenlabor in der Garage auf. Unter dem Decknamen „Heisenberg“ produzieren sie Crystal Meth  (Methamphetamin) in bester Qualität.
Sein neues Leben zwischen Chemotherapie und Drogenhandel wirft seine bisherigen moralischen Wertvorstellungen über den Haufen.

Die preisgekrönte, US-amerikanische TV-Serien (5 Staffeln mit insgesamt 62 Folgen) hat mit tiefschwarzem Humor und Erzählkunst eine große Fangemeinde bekommen.

In „„Wachmacher“ der weißen Mittelschicht“ im neuen Uni-Report 06/2013 erzählen die Breaking Bad-Fans Christiane Bernard und Bernd Werse, Drogenforscher an der Goethe-Uni, über ihre Sicht auf die Serie.
Was sie an dem krebskranken Chemielehrer und seiner Selfmade-Drogenproduktion begeistert, wie Crystal Meth wirkt und dass es  in Deutschland nur wenig verbreitet ist: „Zwar probieren viele […] auch mal Crystal Meth aus. Aber die extremen Wirkungen dieser Droge, wie z. B. ein 24-stündiger Wachzustand, der zu psychotischen Symptomen führen kann, schreckt die meisten ab.“  In den USA hingegen ist es eine in der weißen Mittelschicht verbreitete Droge.
Beide Drogenforscher meinen, dass Breaking Bad Drogenkonsum sicherlich nicht verharmlost.

Lesen Sie hier das ganze Interview: „„Wachmacher“ der weißen Mittelschicht“  06/2013.

Mehr zur Fernsehserie „Breaking bad“ ist bei ARTE zu finden.

Methamphetamin: Von der Panzerschokolade zur verbotenen Droge

Methamphetamin wurde erstmals 1893 von dem japanischen Chemiker Nagayoshi Nagai synthetisiert.
Ab 1938 wurde es in Deutschland unter dem Markennamen Pervitin® von den Temmler-Werken auf den Markt gebracht und bis 1988 hergestellt.
Im 2. Weltkrieg war die Einnahme von Pervitin® bei deutschen Frontsoldaten verbreitet, sie nannten es Panzerschokolade, Stuka-Tabletten oder Hermann-Goering-Pillen.
Ab 1941 war es nur noch auf Rezept erhältlich, der Konsum nahm deutlich ab. Aber da viele Soldaten längst Methamphetamin-süchtig geworden: „Der spaetere Literaturnobelpreistraeger Heinrich Boell bat seine Eltern waehrend des 2. Weltkrieges mehrfach in Briefen von der Front, ihm Pervitin® zu schicken. Boell blieb auch nach dem Krieg abhaengig von Pervitin®”.
Methamphetamin wurde weiterhin etwa von Frontsoldaten und Extrem-Bergsteigern eingenommen, und erst  1988 vom Markt genommen.
Heute wird es illegal produziert, in Europa z. B. in vielen tschechischen „Küchenlabors“. Von dort aus gelangt es auch nach Deutschland.
(Quelle: Catbull: Methamphetamin)

Zum Weiterlesen:
Deutschlandradio Kultur: “Die am schnellsten abhängig machende Substanz”

 

 

2 Kommentare

  1. Einen fröhlichen guten Morgen,

    faszinierender Artikel – und tatsächlich ist’s leider viel zu einfach, um Crystal herzustellen.

    Zu bemerken sei, daß es eben meist aus Garagen stammt.
    Wer sich dann über “Gammelfleisch” aufregt oder über Joghurt, der 1 Tag über dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegt, der sollte sich mal Gedanken machen, was da an Crystal so auf der Straße angeboten wird.

    Da ist es harmloser, ein Huhn über Nacht draußen zu lassen, selbiges dann am nächsten Tag nur halb auf dem Grill zu garen und es zu verzehren.

    Dabei spreche ich jetzt noch gar nicht von den eigentlichen Wirkungen von Crystal, den Problemen der psychischen und physischen Abhängigkeit oder gar den juristischen und sozialen Problemen, welche unweigerlich folgen.