Die Fachschaft Medizin hat zur feierlichen Grundsteinlegung des neuen studentischen KOMMunikationszentrums auf dem Campus Niederrad eingeladen. Die Baustelle liegt zwischen Haus 18 A, 19 B (Apotheke) und dem Kinderspielplatz idyllisch unter alten Bäumen. Um 13:30 Uhr ertönt eine Trompete wie eine Fanfare vom Balkon des Hauses nebenan. Dann ergreifen Theresia Schug und Maja Krause von der GLM das Wort: Das Studentenhaus ist ein Ort, wo Studierende sich treffen und Spaß haben. Ein Ort der Vielseitigkeit und Kreativität, an dem Projekte und Ideen entwickelt werden. Ein Ort der Kommunikation. Hier entsteht Hochschulpolitik, so Theresia Schug.
„KOMM vorbei! KOMM mit Deinen Ideen“ fordert Maja Krause die Aktivität der Studentenschaft ein.
Sie erinnert sich an den Beginn ihres Studiums und das alte KOMM. Das alte Haus, dem man ansah, dass schon von vielen Studentengenerationen abgenutzt worden war. Und das für sie schnell eine wichtige Adresse auf dem Campus wurde.
Die erste Gast-Rednerin ist die Psychoanalytikerin Frau Dr. Möslein-Teising, ALUMNI und Mit-Erfinderin des KOMM. Sie freue sich sehr über die Einladung zu diesem Event, um als Zeitzeugin zu berichten. Und dass die Studierenden heute noch genauso aktiv sind und sich für Ihre Kommilitonen einsetzen. Zu ihrem Studienbeginn 1973 gab es keinen Ort der Begegnung. So etwas gab es nur auf dem Campus Bockenheim, das KOZ. Sie und ihre Kommilitonen wollten auch auf dem Mediziner-Campus ein Kommunikationszentrum einrichten, allerdings nicht unter dem Name „KOZ“. Darum setzten sie sich ein für ein „KOMM“, das dann schließlich im Haus 28 eingerichtet wurde. Die Studierenden haben ihren Forderungen damals Nachdruck verliehen, indem sie das Dekanat besetzten, auf Demonstrationen mit Transparenten über den Campus liefen und mit Unterschriftenaktionen. Vor 40 Jahren ist das KOMM für die politische und medizinpolitische Kommunikation der Studierenden und natürlich auch zum Feiern genutzt worden. Es ging um studentisch-freundschaftliche und wissenschaftliche Begegnungen, hier wurden Balint-Gruppen gegründet und die legendäre kritische medizinische Zeitschrift „Dr. med. Mabuse“. Heute ist das Universitätsklinikum eine Großbaustelle – vieles hat sich weiterentwickelt, manches ist geblieben. Sie freut sich, dass es ein neues KOMM geben wird: „Das Gebäude sieht sehr vielversprechend aus!“. Als Psychoanalytikerin möchte sie dann noch hinzufügen: „Im KOMM geht es um die Kommunikation der Studierenden untereinander, zusätzlich wir hatten uns damals auch sehr um die Kommunikation mit den Patienten gekümmert. Das möchte ich Ihnen heute ebenfalls ans Herz legen.“ Außerdem bedauert sie den Verlust des Instituts für Sexualmedizin und der sexualmedizinischen Ambulanz. Sie würde sich freuen, wenn es auch da irgendwann zu einer Grundsteinlegung kommen würde. Ein Interview mit Frau Dr. Möslein-Teising und Herrn Herrman Roth zur Erfindung des KOMM und den wilden Zeiten damals, in den 70-ern, finden Sie hier: „Campus-Leben: Interview mit den Erfindern des KOMMs, Dr. Ingrid Moeslein-Teising und Hermann Roth“.
Dann rekapitulieren Theresia Schug, Maja Krause und Alan Brecht von der Fachschaft den Abriss des alten KOMM und den Weg zum neuen Bauprojekt. Die Studierenden waren zunächst schockiert und nahmen dann den Kampf um ihr Haus auf. Herr Prof. Dr. Schölmerich, der Direktor des Universitätsklinikums, versprach ihnen einen Ersatz. In Gesprächen mit der Kliniksleitung wurde zunächst ein Interims-KOMM gesucht, und danach die Idee des neuen Gebäudes entwickelt und ein Standort gesucht.
Dazu sagt der Gastredner Herr Prof. Dr. Schölmerich, der Ärztliche Direktor des Universitäts-Klinikums: “Eine der wesentlichen Aufgaben des Universitätsklinikums ist die Ausbildung der Medizinstudierenden. Und dafür brauchen die Studierenden auch ein Zuhause auf dem Gelände.“ Die studentische Selbstverwaltung sei ein elementares Recht und auch eine wichtige Erfahrung, die zur Ausbildung gehöre. Und dafür brauche es Räume. Die Voraussetzung für die Selbstverwaltung ist die Selbstverantwortung. Die Studierenden sollten ihr Eigentum schützen und bewahren, er würde sie darin gern unterstützen. Dann bedanken sich die Studierenden noch einmal herzlich bei Herrn Möller, dem Baudezernenten des Universitätsklinikums: Er hat, so die Studierenden, mit Abstand die härteste Arbeit geleistet und viel persönlichen Einsatz gezeigt Und er sorgte dann für den Kontakt zwischen den Studierenden und den Architekten, so dass das ganze Projekt ins Rollen kam. Auch er freut sich über das außergewöhnliche Gebäude, das so ganz anders aussieht als die Gebäude für die Patientenversorgung: „Hier geht es ja schließlich darum, junge dynamische Menschen unterzubringen“ meint er dazu schmunzelnd.
Jetzt ergreift Marcus Kistner vom Architekturbüro H²S das Wort: H²S hat den Bau geplant und wird ihn durchführen. „Morgen werden wir mit dem Bau beginnen!“. Er findet es großartig, dass das Studentenleben im Universitätsklinikum seinen Platz findet. Dann erklärt er, wo welche Gebäudeteile errichtet werden. Das Rednerpult stehe ungefähr dort, wo der Eingang des KOMM liegen wird. Zu seiner Rechten entsteht der große Mehrzeckraum, zu seiner Linken der zweistöckige Bereich mit den Fachschafts-Büros. (s. H²S-Baupläne und „PULS.“-Beitrag „Baustelle Campus Niederrad: Das neue KOMM – die Architektenpläne“.) Er bedankt sich noch einmal herzlich für die Zusammenarbeit mit der Klinik, dem Baudezernat und der Technik (Host).
Nun kommt der große Moment: Die eigentliche Grundsteinlegung. Und in den Grundstein kommt die Bulle.
Die Bulle ist eine massive Metallkapsel, in der bei einer Grundsteinlegung wichtige Dokumente eingeschlossen werden. Sie fungiert als Zeitkapsel.
In der KOMM-Bulle liegen folgende Dokumente:
- die Reden von der Grundsteinlegung
- eine FAZ-Ausgabe von heute zur Dokumentation des Datums
- die 1. Seite der Erstausgabe von „Dr. med Mabuse“
- Baupläne
und der Schlüssel des alten KOMM.
Durch die Metallkapsel sind die Dokumente gegen Wasser und andere äußerer Einflüsse geschützt und bleiben erhalten. Clarissa aus dem 1. Semester und Frau Dr. Möslein-Teising stecken die Bulle gemeinsam symbolisch in einen Erdaushub, sie wird erst später unter dem Grundstein einbetoniert. Und wird dort mit den papiernen Zeitzeugen überdauern, bis das Gebäude – hoffentlich in ferner Zukunft – einmal abgerissen wird.
Theresia Schug fährt fort: „Dieses Gebäude ist der Ort, an dem alte Projekte weitergeführt werden, unterbrochene Projekte wiederkommen und neue Projekte beginnen. Das KOMM ist ein Geschenk an uns. Wir müssen sorgfältig überlegen, was wir damit machen wollen. Also: Überlegt es Euch! Wir haben dafür Postkarten vorbereitet, auf denen Ihr Eure Wünsche notieren könnt.“ Alan Brecht spricht dann noch über die Philosophie des KOMM. Auch er ruft die Studierenden nachdrücklich zur Mitarbeit und gemeinsamen Ausgestaltung auf und bedankt sich bei allen bisher aktiven Personen und Gruppen.
Die Abgeordnete des AStA, Danielle Lichère, bedankt sich für die Einladung und begrüßt diese gemeinsame Aktion. Weiterhin sagt sie den Medizinstudierenden die aktive Unterstützung des Asta zu, beratend und finanziell. Der AStA ist zwar auf dem Campus Bockenheim weit weg vom Medizinercampus, ist aber natürlich sehr interessiert an der Zusammenarbeit. Das neue KOMM kann dafür einen guten Anlass bieten.
Der Vize-Präsident der Goethe-Universität Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz lobt die Medizinstudierenden zunächst für ihre guten IMPP-Ergebnisse. Das beweist, dass es hier nicht nur Forschung, sondern auch Ausbildung und Lehre gibt. Daran haben, neben vielen anderen Personen, Herr Prof. Dr. Schölmerich und Herr Prof. Dr. Dr. Sader mitgewirkt. Der Neubau des KOMM ist nur der Beginn, die nächsten wichtigen Projekte für die Medizinstudierenden seien das Medicum und die Bibliothek.
Maja Krause bedankt sich bei den Rednern und Rednerinnen und beim Publikum und eröffnet das Buffet.
Viele Studierende und so manche Dozenten, Klinikums- und Fachbereichsmitarbeiter waren der Einladung gefolgt. Neben Getränken gab es auch kleine Snacks, das Highlight war die legendäre „Wurstfontäne“, der Grill auf drei Rädern: „Allerbest Woscht in town“, so die Eigenwerbung.
Und was sagen die Studierenden zum Baubeginn ihres neuen KOMM?
„Ich finde es supergut, dass etwas Neues und Größeres entsteht! Ich hoffe, dass das neue KOMM offen ist für alle und man einfach so vorbeikommen kann. Ich bin schon gespannt, wie es fertig aussehen wird.“ meint Mira, 4. Semester, dazu. Und Nina, Johanna und Lara sagen: „Wir haben gerade das Physikum bestanden und sind echt geschafft. Wenn das KOMM schon fertig wäre, könnten wir jetzt hineingehen und uns bei einem Kaffee oder im Ruheraum entspannen. Wir freuen uns auf das neue KOMM.“
Und was denken Sie von Ihrem neuen KOMM?
Welche Wünsche haben Sie?
Schreiben Sie uns!
PS: Die Bilder der Eröffnungsfeier werden ab morgen hochgeladen.
Bettina Wurche