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	<title>puls. &#187; Geschichte</title>
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	<description>News-Magazin des FB Medizin der Goethe-Uni</description>
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		<title>Vorgestellt: Philipp Heinrich Zwick &#8211; Ein gescheiterter Frankfurter Revolutionär</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 08:05:58 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[Der beschriftete Schädel, mit einer schwarz-rot-goldenen Kokarde unter dem Kinn und unter einem eleganten gläsernen Glassturz thronend, ist ein ungewöhnlicher Bewohner der Anatomischen Sammlung. Dieser Schädel ist eines der wenigen Präparate, die einer Person zugeordnet sind: er stammt von  Philipp &#8230; <a href="http://puls.meertext.eu/vorgestellt-philipp-heinrich-zwick-ein-gescheiterter-frankfurter-revolutionar">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1087" style="width: 217px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/08/Zwickschädel_LRoom2.jpg"><img class="size-medium wp-image-1087" title="Schädel des Philipp Heinrich Zwick" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/08/Zwickschädel_LRoom2-207x300.jpg" alt="Schädel des Philipp Heinrich Zwick" width="207" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Schädel des Philipp Heinrich Zwick</p></div>
<p>Der beschriftete Schädel, mit einer schwarz-rot-goldenen Kokarde  unter dem Kinn und unter einem eleganten gläsernen Glassturz thronend,  ist ein ungewöhnlicher Bewohner der Anatomischen Sammlung.<br />
Dieser Schädel ist eines der wenigen Präparate, die einer Person  zugeordnet sind: er stammt von  Philipp Heinrich Zwick.<br />
Bereits die Kokarde in den Revolutionsfarben deutet auf einen  politischen, historischen Zusammenhang hin…<br />
Die Beschriftung des Schädels gibt weitere Auskunft über Zwicks  dramatisches Ende: Kampf, Liebe, Folter, Standhaftigkeit und Tod  (vollständiger Text s. u.).<br />
Wer war Philipp Heinrich Zwick?</p>
<p>Der Zwick´sche Schädel kann in seiner Bedeutung nur im historischen  Kontext verstanden werden.Zu seinem Todeszeitpunkt waren <strong>Studenten  und Burschenschaften</strong> hochgradig politisch aktiv, sie <strong>planten</strong> nichts Geringeres als <strong>die Revolution</strong>!</p>
<p>bw<span id="more-1085"></span></p>
<h3><strong>Frankfurt, 1833: Revolution!<br />
</strong></h3>
<p>Im deutschen Bund herrschen Kleinstaaterei und Reaktion. Frankfurt  ist seit der Neuordnung Europas beim legendären <a title="Wiener  Kongreß" href="http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.w/w600290.htm">Wiener Kongreß </a>1816 <a title="Bundesversammlung ab  1816" href="http://www.thueringen.de/imperia/md/content/text/lzt/3.pdf">der Tagungsort der Bundesversammlung</a>.<br />
Die Bundesversammlung tagt unter österreichischem Vorsitz des <a title="Fürst von Metternich" href="http://www.swr.de/100-groessten-rheinland-pfaelzer/kandidaten/-/id=2616472/nid=2616472/did=2462866/xno11w/index.html">Fürst Metternich</a> im Palais der Fürsten Thurn und  Taxis. Sie ist nicht frei gewählt, sondern besteht aus Repräsentanten  der Stände, unter denen der Adel das Übergewicht hat: Sie ist das  gehasste Symbol der Reaktion.Die Republikaner planen die symbolische  Ausrufung eines Gegenparlaments und einer Gegenregierung. Sie hoffen auf  die Solidarisierung der Frankfurter Bürgerschaft und die Fanalwirkung  des Aufruhrs. Unglücklicherweise werden ihre Pläne frühzeitig von einem  Würzburger Professor an die Frankfurter Behörden verraten.</p>
<p>Die Träger des republikanischen Gedankens sind Intellektuelle und  Studenten. Die Studenten organisieren sich in Burschenschaften, die den  Nationalgedanken propagieren: damals war die republikanisch-nationale  Idee revolutionär.</p>
<p>Philipp Heinrich <em>Zwick</em> ist weder Intellektueller noch  Student (Frankfurt hat zu diesem Zeitpunkt noch keine Universität). Er  ist zunächst Sergeant im Frankfurter Stadtmilitär, verlässt dann das  Militär und wird Sekretär bei Dr. Bunsen, einem Frankfurter Advokaten,  der zu den intellektuellen Vorbereitern des Umsturzversuches von 1833  gehört.<em><br />
Zwick</em> ist zu diesem Zeitpunkt 28 Jahre alt.</p>
<p>In den Tagen vor dem 3. April 1833 sickern mehrere Dutzend  bewaffneter Burschenschaftler aus Heidelberg in Frankfurt ein, die am  gleichen Tag die Hauptwache angreifen, besetzen, und die dort  internierten (politischen) Gefangenen befreien. Von Eschborn aus  greifen, ebenfalls am 3. April, Gruppen von aufständischen Bauern die  Wache in Preungesheim an und halten diese kurzfristig besetzt. In  Frankfurt hat sich eine Gruppe aus etwa 20 Personen aus städtischen  Intellektuellen und Proletariern gebildet, die zeitgleich die  Konstablerwache einnehmen. Zu ihnen gehört <em>Zwick</em>; vielleicht  aus Überzeugung, vielleicht aus Loyalität zu seinem Arbeitgeber, Dr.  Bunsen. <em> </em><br />
Die Revolutionäre tragen die dreifarbigen Schärpen und Binden in  schwarz-rot-gold als Erkennungszeichen und sind mit geladenen Gewehren  mit Bajonetten, Pistolen,  Säbeln und Dolchen bewaffnet. Einige von  Ihnen hatten sich mit faschen Bärten maskiert und die Gesichter  geschwärzt.<br />
<em>Zwick</em> trägt einen Karabiner mit Bajonett, um den linken Arm hat   er eine Trikolore in den republikanischen Farben schwarz-rot-gold   gebunden.</p>
<h3>Der Sturm auf die Hauptwache</h3>
<p><em>Zwickens</em> Rolle bei der Erstürmung der Konstablerwache ist  fragwürdig.<br />
Es gibt Gerüchte, denen zufolge er bei der Einnahme der Wache dermaßen  furios zu Werke gegangen sein soll, dass er irrtümlich einen der eigenen  Leute, den Weißbindergesellen Johann Georg Henckelmann, mit dem  Bajonett erstach.</p>
<p>Trotz flammender Reden auf der Zeil solidarisieren sich die  Frankfurter Bürger nicht mit den revolutionären Republikanern. Schon in  den frühen Abendstunden rückt Militär in die Stadt ein und vertreibt die  Revolutionäre aus den Wachen. <em>Zwick</em> flieht nicht, wie die  meisten anderen Besetzer, aus der Konstablerwache, sondern stellt sich  zum Kampf. Er greift den Hauptmann Jungmichel des anrückenden Militärs  mit dem Bajonett an, der den Angriff zunächst abwehrt. Als <em>Zwick</em> auf ihn anlegt und ihn erschießen will, wird er seinerseits von dem  Schützen Georg Weitz aus der Kompanie des Hauptmannes angeschossen.  Weitz hat fünfzig Jahre später, in einem Leserbrief an eine Frankfurter  Zeitung, die Szene und <em>Zwickens</em> Ausrüstung geschildert.</p>
<p>Insgesamt kommen bei dem Frankfurter Wachensturm 8 Personen ums  Leben: 5 Soldaten, die Aufständischen <em>Zwick </em>und Henckelmann  (s.o.) und ein Passant, der Schuhmachergeselle Johann Metzger.</p>
<p><em>Zwick </em>wird<em> </em>schwer verletzt ins Militärhospital auf  dem Klapperfeld gebracht. Er wird vor seinem Tode verhört, um die Namen  der Mitverschwörer zu erfahren. Man verweigert ihm Wasser, um ihn zum  Reden zu bringen.<br />
Zwick bleibt standhaft, schweigt und stirbt am 5. April.</p>
<p>Der Weg seines Schädels in unsere Sammlung lässt sich nicht genau  rekonstruieren: sein Leichnam mag von den Behörden der schon damals  existierenden Dr. Senckenbergischen Anatomie zur Verfügung gestellt  worden sein.<br />
Der Urheber der Beschriftung auf dem Schädel ist unbekannt.</p>
<p><em>(PD Dr. Helmut Wicht rekonstruierte diese Historie des  Zwick´schen Schädels aus Fragmenten des Stadtarchivs Frankfurt, Ordner  A20, “Frankfurter Wachensturm von 1833″, hauptsächlich aus  Zeitungsausschnitten des 19. Jhdts. Sein Text wurde für „PULS.“ leicht  überarbeitet.<br />
Weitere Informationen stammen aus dem Manuskript </em><a title="Vorbereitrung des Aufruhrs in Frankfurt a/m" href="http://www.digam.net/einfuehrung.php?lput=938&amp;">“Vorbereitung des Aufruhrs in Frankfurt a/m”</a> des <em>Digitalen  Archivs Marbug.)</em><strong> </strong></p>
<h3>
<div><strong> </strong></div>
<dl>
<dt>
<div id="attachment_1099" style="width: 301px" class="wp-caption alignleft"><a href="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/08/Zwick-Schädel-Beschriftung1.gif"><img class="size-medium wp-image-1099" title="Aufschrift des Zwick`schen Schädels" src="http://puls.meertext.eu/wp-content/uploads/2010/08/Zwick-Schädel-Beschriftung1-291x300.gif" alt="Aufschrift des Zwick`schen Schädels" width="291" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Aufschrift des Zwick`schen Schädels</p></div>
</dt>
</dl>
<p>Aufschrift auf dem Schädel:</h3>
<p>„Zwick war Anführer der Studenten, die am<br />
3. April 1833 die Wachen in Frankfurt/M stürmten.<br />
Von Hause aus Soldat exerzierte er die Studenten<br />
In ihrem Vorhaben an den Tagen vor dem 1. April ein.<br />
In Vorahnung seines Todes nahm er Abschied von seiner<br />
Geliebten und starb in der festen Überzeugung einer<br />
guten Tat. In den letzten Stunden seines Lebens konnte<br />
er durch nichts dahin gebracht werden, die Anderen<br />
zu verraten.“</p>
<p>Anonymus</p>
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